Sommersonnenschein bei 27°C und mäßigem UV-Index

Regelunterricht für 350.000 Berliner SchülerInnen – geht das Experiment gut?Lompscher-Nachfolge ungeklärt, Sven Kohlmeier hört aufIm Wedding? In Wedding? Endlich hat jemand die Antwort

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Ob das gut geht? Der Schulstart in Berlin ist ein Experiment mit offenem Ausgang

Es war der große Tag für Sandra Scheeres, die mündliche Prüfung, für die sie sechs Monate lang gelernt hatte (inkl. zuletzt sechs Wochen Intensivkurs). Doch im Mündlichen war die Schulsenatorin noch nie sonderlich begabt, zumindest war eine Verbesserung der Note nach den erbrachten Vorleistungen eher nicht zu erwarten. Bei ihrem Referat gestern Mittag, 14 Uhr im Roten Rathaus, waren es dann aber vor allem die inhaltlichen Mängel, die den Gesamteindruck eines unzureichend vorbereiteten Prüflings hinterließen.
 
In sechs Tagen werden 350.000 Berliner Schülerinnen und Schüler zurück in den Regelunterricht geschickt.

Während die eine Senatorin noch vor sich hinwurschtelt, wurde eine andere gestern im Senat verabschiedet. Der Regierende (SPD) sprach würdigende Worte („Immer aus voller Überzeugung im Interesse des Landes Berlin“) für die zurückgetretene Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke), die bereits von ihrem Staatssekretär Sebastian Scheel vertreten wurde. Formal werden ihre Aufgaben nun von Regine Günther (Grüne) übernommen, bis zur nächsten Abgeordnetenhaussitzung am 20.

Ratten, verdreckte Stromkästen, ungesicherte Straßenbäume, eine strangulierte Linde und eine nicht funktionierende Straßenpumpe: 18 Mängel hat Anwohner Thomas Gilges-Klemt am Klausenerplatz in Charlottenburg dokumentiert und an Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger geschickt. Aus dessen Büro hieß es gestern, man wisse davon, könne aber in „Anbetracht des Umfangs seiner Anliegen“ leider nicht sofort antworten.

Im Zehn-Minuten-Takt fahren wir bald durch alle Bezirke. Am Montag fragte Lorenz Maroldt hier süffisant: „Was soll ich alle zehn Minuten in Rudow?“ (Änderung des U-Bahn-Takts), was halb Rudow dazu veranlasste, uns Vorschläge zu schicken („Man kann alle zehn Minuten nachschauen, ob der Flughafen schon fertig ist“) und gestern den Ball zurückspielte: „Lieber alle 10 Minuten nach Rudow – als nach Spandau.“

Das konnten die Spandauer natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Den Auftakt der letzten Woche machte Berit Glanz (hier zu lesen). Heute folgt Teil 3.

Stalagmit
von Berit Glanz, Uwö und (heute) Doris Jagodzinski

Plötzlich hörte sie wieder das quietschende Geräusch hinter sich, doch bevor sie reagieren konnte, legte der Feueralarm los als gäbe es kein Morgen.., so laut, dass sie das Quietschen nicht mehr hören konnte.

Heute exklusiv für Abonnenten:

teaserbild 1

Nach 15 Jahren im Parlament macht der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier (Wahlkreis Kaulsdorf/Hellersdorf) Schluss: Im nächsten Jahr will er nicht mehr kandidieren. Was ihn dazu bewegt hat, hat Kohlmeier am Checkpoint-Telefon verraten.

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„Eine ganze Schwimmgeneration geht uns verloren“. Der lange schwelende Konflikt mit den Berliner Bäder-Betrieben spitzt sich zu, die Berliner VereinsschwimmerInnen dürfen immer noch nicht ins Wasser. Was das für die Schwimmvereine bedeutet.

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Auf Lesereise begeben wir uns heute mit dem slowenischen Schriftsteller und Lyriker Aleš Šteger an historische Nichtorte abseits der Touristenpfade. Das Schloss Dammsmühle im nördlich von Berlin gelegenen Mühlenbecker Land ist so ein Nichtort.

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Telegramm

„30 Grad und mehr ab Donnerstag: Hoch Detlef bringt Hundstage und Tropennächte“, meldete gestern der rbb. Hm, Detlef und die Hundstage, klingt wie eine Co-Produktion von Didi Hallervorden und Bruce Willis. Während ich schlotternd auf dem Balkon sitze, schneller Anruf bei der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft: Hat weder mit Bruce noch mit vergessenen Kotbeuteln am Schlachtensee zu tun. Momentan ist das Sommersternbild „der große Hund“ 30 Tage am Stück zu sehen und das bedeutet: Es wird heiß. Was auch die Frage beantwortet, was ich alle zehn Minuten AM Wannsee soll. (Sonnenbrillen-Emoji)

Apropos am Wannsee: Über die Frage, ob es nun im Wedding oder in Wedding heißt, streiten Philologen und Berlin-Ressortleiterinnen seit Jahrzenten mit Praktikanten und Historikerinnen. Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Mitte (wozu Wedding seit der Bezirksreform 2001 gehört), hat die Frage nun abschließend geklärt. Es muss natürlich heißen: am Wedding. (Beweisvideo, Sek 22).

Apropos Hundstage: Weil er am Sonnabend mit tausenden anderen Demonstranten in Berlin die Pandemie für beendet erklärt hatte, haben die Baskets Bonn nun ihren Vertrag mit Joshiko Saibou für beendet erklärt. Der Basketball-Nationalspieler sei ein „permanentes Infektionsrisiko“ hieß es vom Verein. Er selbst empfindet das als „Schlag ins Gesicht für die Meinungsfreiheit“. (maskenfrei)

Und während wir noch die Kothäufchen am Schlachtensee zählen, ist Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski ins digitale Zeitalter geflogen. Bürgeranfragen will sie jetzt via WhatsApp beantworten – allerdings erstmal einmalig und nur eine Stunde lang (am 20. April von 16 bis 17 Uhr). Der Morgenpost war dieser Knaller eine ganze Spalte auf der ersten Berlin-Seite wert, in der dankenswerterweise auch die Nummer zu lesen war: 0174 /1524092. Hab ich gestern Nacht natürlich gleich mal angerufen, um mich nach dem Stand der Dinge in Sachen Onkel Toms Hütte zu erkundigen. „Der Vodafone-Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar.“ Schade eigentlich. Aber dann warten wir eben noch zwei Wochen (sind wir ja hier gewohnt). Das Angebot soll übrigens zusätzlich zur Präsenzsprechstunde stattfinden, und: Ja, Frau Scheeres, das geht.

Am Montag ist an einer Ampel in Berlin ein Fahrradfahrer von einem LKW erfasst und tödlich verletzt worden. Heute wissen wir: Der Radfahrer war der Journalist Mathias Puddig, der aus Berlin für die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft berichtete. „In seinem letzten Leitartikel beschrieb er das Fernweh, das uns in Corona-Zeiten so hart trifft, und berief sich dabei sowohl auf die Schlagersängerin Nana Mouskouri wie den Historiker Bodo Mrozek“, schreiben seine Kollegen der Märkischen Oderzeitung in einem Nachruf. Mathias Puddig wurde 35 Jahre alt. Unsere Gedanken sind bei seinem Partner, seiner Familie und seinen Freunden.

Noch haben Sie die Chance auf einen einmaligen Checkpoint-Deal: Passend zum Schulstart tauschen wir in dieser Woche eine Checkpoint-Schulwundertüte gegen ein Angebot Ihrer Wahl. Vorschläge nehmen wir an checkpoint@tagesspiegel.de entgegen. Was drin ist? Wird nicht verraten, ist schließlich ne Wundertüte – ähnlich wie der Checkpoint am Morgen: Sie wissen nie, was Sie erwartet, ist aber immer was Schönes dabei.

Gar nicht schön ist das, was sich seit Jahren am Blümelteich am Volkspark Mariendorf abspielt. Einst wurden dort Schwäne mit Pfeilen beschossen, Vanalismus gibt es immer wieder. Nun wurde der Teich mehr als ein Jahr lang saniert – für 2,5 Millionen Euro. Und schon wurde das frisch verlegte Pflaster wieder herausgerissen und in den Teich geworfen, Bänke mit Graffiti beschmiert, immer wieder baden Parkbesucher im Gartendenkmal. „Die mutwilligen Beschädigungen und der respektlose Umgang mit der Parkanlage machen mich nur noch wütend“, sagt Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne). Das Ordnungsamt will nun Streife laufen und Schilder aufstellen. Und früh morgens beobachtet meine Kollegin Sigrid Kneist eine alte Frau, die traurig die Scherben der Trinkgelage einsammelt.

Was ihr nicht seht (33)

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.

Der logische nächste Schritt: Nach der filmreifen letzten Saison startet Hertha BSC nun eine Serie und will die komplette neue Saison dokumentieren. Ob der Verein Jürgen Klinsmann und Salomon Kalou für einen Gastauftritt zurückholt?

Es wird ernst am BER: Gestern Abend wurde „die Sicherheitsgrenze gemäß § 8 Luftsicherheitsgesetz am Flughafen Berlin Brandenburg aktiviert und eine Sicherheitsdurchsuchung gestartet“. Beim sogenannten Cleaning wird nicht einfach nochmal durchgewischt, nachdem die Statisten ihre Dönersoße auf den Boden haben tropfen lassen, sondern sichergestellt, „dass sich keine gefährlichen/verbotenen Gegenstände mehr in den bisherigen Betriebsbereichen der ehemaligen Baustelle befinden“. Die Sache soll 10 Tage dauern, im Außenbereich kommen Hubschrauber zum Einsatz. Falls Sie sich wundern, warum da jetzt schon einer fliegt.

Außerdem im Checkpoint für AbonnentInnen:

+ Ruhe finden in Berlins historischer Mitte: Zu Besuch im Knoblauchhaus

+ Messerscharf: Welches Küchenutensil in der Corona-Pandemie besonders nachgefragt wird

+ Nie wieder Schlieren: Wir verlosen ein extra nachhaltiges und super effizientes Geschirrhandtuch

+ Filmtipp: James Mangolds „Le Mans: Gegen jede Chance“

Den ungekürzten Checkpoint lesen Sie mit Tagesspiegel Plus. Jetzt testen.

BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:

2986

Zitat

„Mickey Mouse und Donald Duck sind nicht unsere Gäste.“

Olaf Schöpe, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Brandenburg, über Phantasienamen auf den Restaurantlisten.

Tweet des Tages

Chefarzt: Das Monitoring geht nicht. Ich hab alles versucht! Ich: Und Sie glauben, dass ICH das schaffe? Er: Natürlich nicht, aber wenn Sie sich blamieren wollen ... Ich: Ich hab keine Angst vor Blamage. Und Sie? Er: Wieso sollte ich? ... Ich: Weil es jetzt funktioniert.

@demutsch

Insel-Check

Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht, es sind mehr als 50. Den kompletten Insel-Check lesen Sie jeden Tag im Tagesspiegel-Plus-Abo – wir würden uns freuen, wenn Sie unseren Berliner (Reise-)Journalismus unterstützen, zur Anmeldung für den kostenlosen Probemonat geht’s hier entlang.

Stadtleben

Essen & Trinken – Nach den unzähligen Berichten zu lapidarem Umgang mit den Abstandsregeln in verschiedenen Lokalen speisen manche Gäste bekanntlich lieber zu Hause. Da trifft das Versprechen des Kaffeehaus Mila mitten ins Schwarze: „Selbstverständlich haben wir unsere Systeme so umgestellt, dass alle unsere Spezialitäten aus der guten Hausküche und alle unsere Gourmet-Kaffee-Getränke risikofrei zubereitet werden. Unser Personal in der Küche und Bar trägt, wie es zu erwarten ist, Masken und durch unsere geräumigen und durchgelüfteten Räumlichkeiten und unsere Terrasen, sowohl im Eingangsbereich als auch unsere grüne Hofterrase, ist ziemlich leicht Abstand zu halten.“ Hier entlang zur Frühstücks-, Lunch- und Abendkarte mit Safer-Food-Attitüde. Tgl 7.30-21 Uhr

Das ganze Stadtleben – mit täglich neuen Ideen für den spontanen Urlaub vor der Haustür – gibt’s mit Tagesspiegel-Plus-Abo.

Berliner Gesellschaft

Geburtstag – Dirk Behrendt (49), Justizsenator (Grüne) / Salomon Kalou (35), Stürmer bei Hertha / Stefan Lehnberg (56), Schauspieler, Autor und Regisseur / Volker Liepelt (72), ehem. Staatssekretär für Wirtschaft (CDU) / Paul Lufter, „Hoch soll er leben! Team Checkpoint wünscht alles Liebe und einen fantastischen Tag“ / Georg M. Oswald (57), Jurist und Schriftsteller / Jürgen Reents (71), Gründungsmitglied der Grünen, ehem. Chefredakteur der Tageszeitung „Neues Deutschland" / Dennis Schmidt-Foß (50), Synchronsprecher (u.a. von Eddie Murphy) / Frank Terletzki (70), ehem. DDR-Fußballnationalspieler / Christel Wiethoff (80), „...gaaaanz herzlichen zum 80.“ von Schwager Hans

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

Gestorben Margot Bertha Fietz, * 16. November 1924 / Prof. Dr. Peter Krause, * 2. Mai 1941 / Paul Pfarr, * 15. Mai 1938, Bildhauer / Dr. med. Claus Ruda, * 13. Januar 1928

Stolperstein – Hilde Coppi (geb. Rake) (Jhg. 1909) wuchs in Berlin-Mitte auf. Anfang der 1930er Jahre begann sie, verfolgte Kommunisten zu unterstützten. Im Juni 1941 heiratete sie Hans Coppi, dessen Widerstandsaktivitäten sie unterstützte. Mehrfach informierte sie Angehörige von deutschen Kriegsgefangenen über deren Lebenszeichen, die der Moskauer Rundfunk ausstrahlte. ln den Morgenstunden des 12. September 1942 nahm die Gestapo die Hochschwangere, ihre Mutter, ihre Schwiegereltern und ihren Schwager fest. Der Gefängnispfarrer des Frauengefängnis Barnimstraße notierte: „Hilde Coppi, Hochverrat und Landesverrat, Schulze-Boysen-Kreis, zart, fein, tapfer, ganz selbstlos. Gebar am 27.11.42 ihr Kind. Hinrichtung ihres Mannes durfte ihr nicht mitgeteilt werden, ließ darum ihren Schmerz nicht laut werden. Kind wurde von ihrer Mutter erst in der Woche der Hinrichtung geholt. Stolz, beherrscht und lieb. Kein Hass. Eine rührende Persönlichkeit. Rechnete nie mit ,Gnade‘ der Menschen. Nie bereut.“ Nachdem Hitler ein Gnadengesuch im Juli 1943 abgelehnt hatte, wurde sie am 5. August 1943 in Plötzensee ermordet. Ihr Stolperstein liegt in der Seidelstraße 23 (Tegel).

Encore

Die Journalistin Melisa Erkurt hat ein Buch geschrieben und, sagen wir mal, unterschiedliche Reaktionen darauf bekommen, wie sie gestern auf Twitter berichtete: „Frauen: So cool, wie du das alles meisterst. Hab schon 8 Exemplare vorbestellt! Männer: Ich wollt auch schon immer ein Buch schreiben. Kannst du bei deinem Verlag für mich nachfragen und sie sollen mir gleich ein Exemplar gratis zukommen lassen.“ Mehr als 1500 Männern und Frauen gefiel das (also der Tweet, nicht das Buch, „Generation haram“ erscheint erst am 17. August). Später am Tag schrieb Erkurt an ihren Verlag „@hanserliteratur ich hab 25 potentielle Bestseller-Autoren für euch. Können nach eigenen Angaben über alles schreiben. Mein drittes Standbein: Literaturagentin für ausschließlich Männer.“

Ganz ohne Agentin in den Checkpoint geschafft haben es drei Frauen und zwei Männer: Masha Slawinski und Sophie Rosenfeld (Recherche), Thomas Wochnik (Stadtleben) und Florenz Gilly (Produktion). Zum Ausgleich begrüßt Sie hier morgen Felix Hackenbruch.

Bis nächste Woche

Ihre Anke Myrrhe

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Seit 2014 berichten wir exklusiv aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir stellten Berlins marode Schulen vor, bis die Politik reagierte. Wir standen vor dem Bürgeramt, bis es wieder Termine gab. Wir recherchieren hartnäckig und gründlich.

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