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Berlin vergisst die Bösebrücke beim Mauerfalljubiläum„Feine Sahne Fischfilet“ erhält Auftrittsverbot in der Zitadelle SpandauIn Berlin fehlen laut Studie 12.000 ErzieherInnen

gleich rein ins Getümmel. Denn Berlinerinnen und Berliner wissen: Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gewühl. Der zentralste Ort, an dem bereits morgens alle laufend am Rennen sind, treibt es schon mit dem Fernsehturm auf die Spitze: Von hier oben sieht man, was der Alexanderplatz wirklich ist – mehr Stein als Sein. Aber wie kann das sein? Der Alex – Umsteigepunkt für täglich eine halbe Million Menschen; Erinnerungstreff ostdeutscher Sehnsüchte an der Weltzeituhr; größter, berühmtester und schrammeligster Platz der geeinten Stadt – ist bei drei Vierteln der Berliner unbeliebt, da sind sogar Ost und West ungeteilter Meinung.

Spuren der Geschichte – sie sind in die Gegenwart der Stadt eingraviert. Und in die Zukunftsträume der Menschen, selbst in die einer Fünftklässlerin der Evangelischen Schule Pankow. Sie hat handschriftlich an den Tagesspiegel geschrieben: „Wäre der Mauerfall nicht gewesen, gäbe es mich gar nicht. Meine Mutter kommt nämlich aus der ehemaligen DDR. Sie war am 9. November 1989 vierzehn Jahre alt.

So langsam haut einen ja nichts mehr um, was Bundesverkehrtminister Andreas Scheuer (CSU) alles nicht macht. Aber wenigstens maut er regelmäßig einen raus – vor allem an externe Berater. Im vergangenen Jahr hat das Ministerium, dessen Verkehrswende sich im Kreis dreht und vor dessen Türen in Mitte sich täglich eine symbolische Stauschleife bildet, mehr als 45,5 Millionen Euro für externe Beraterleistungen ausgegeben, etwa für die vor die Wand gefahrenen Mautpläne.

Nur nach Hause geh’n wir nicht. Was Berlin-Barde Frank Zander den Fans von Hertha BSC vorsingt (obwohl die Spiele derzeit eher zum Weglaufen sind), bringt die CDU-Fraktion zum Tanzen. Die feierte gestern Abend unter Zanders Motto im Technoschuppen Tresor das Ende der Sperrstunde in Berlin vor 70 Jahren (Fotos hier).

Unter die Räder kommt man in Berlin schnell mal – aber bitte bloß nicht unter die Räder eines Busses. Ein Leser beschreibt uns folgenden Vorfall vom vergangenen Sonntag: „Ich fuhr gegen 14:45 h mit meinem Freund gemeinsam den Kurfürstendamm Richtung Halensee entlang. Wir befanden uns auf der Busspur und hatten gerade die Kreuzung Uhlandstr./Kurfürstendamm passiert, als uns ein BVG-Bus der Linie M19 überholte und unmittelbar vor uns wieder einscherte.

Viele Leute haben ja die AfD gefressen. Dass die aber tatsächlich an Menschenfresser glaubt, zeigt unsere kleine Serie zu Ordnungsrufen im Berliner Parlament, heute die 11. Sitzung mit einer Ermahnung für den AfD-Abgeordneten Ronald Gläser.

Ronald Gläser (AfD): „Ich schätze, Herr Kollege Laatsch, Sie haben so schön geschildert, dass da vor allem die jetzigen Bewohner in diese Wohnungen einziehen sollen.

Heute exklusiv für Abonnenten:

Geschichte zum Vergessen? Senat und Regierung vergessen die historische Bösebrücke beim Mauerfalljubiläum.

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Geschichtsvergessen: Der Antisemitismusbeauftragte des Senats soll weniger verdienen als die Tierschutzbeauftragte.

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Wir verlosen fünf Exemplare des Berliner Kiezkalenders, der mit Fotos und Geschichten durch alle Bezirke führt.

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Telegramm

Neues von der Schwammigen Partei Deutschlands (SPD):

1.) Beim Klimapaket will sie einen höheren CO2-Preis nachverhandeln, als den, den sie selbst ausgehandelt hat.

2.) In Berlin will die Fraktion eine Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern durchsetzen, die sie bereits vor 11 Jahren gefordert, leider aber trotz eigener Schulsenatorinnen nicht durchgesetzt hat. 

In Berlin arbeiteten 2018 doppelt so viele Erzieherinnen und Erzieher wie 2008. Und trotzdem fehlen in den Kitas und anderswo 11.900 Fachkräfte. Zu dem Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung in ihrem Ländermonitoring zu frühkindlichen Bildungssytemen. Die Senatsjugendverwaltung hält die Zahlen trotz ewigem Kita-Platzmangel für „realitätsfern“.

Meer geht nicht in Berlin. Und die Freibäder der Stadt ziehen am Wochenende endgültig Leine und beenden die Saison. Höchste Zeit, mal wieder ein paar Schwimmhallen aus betrieblichen Gründen zu schließen. Damit der Humor trocken bleibt.

Sie ist voll und ganz von dieser Welt: Klimaaktivistin Greta Thunberg erhält den Alternativen Nobelpreis für ihr inzwischen weltweit wirkendes Engagement. Und für alle, die die Erderwärmung immer noch für alternative Fakten halten, hat der Weltklimarat eine beängstigende Analyse zum weltweit wirkenden Anstieg des Meeresspiegels vorgelegt. Vielleicht streut das manchen Skeptikern Sand aus den Augen.

Wir schalten nach Kleinbritannien, das sich weiterhin im Brexit-Streit zerstückelt. Premier Boris Johnson sagte im Parlament, das nach seinem Willen gar nicht mehr tagen sollte, dies aber gerichtlich erzwang, dass er sich bei nochmaligen Neuwahlen keinen Zwan….. ach, ist inzwischen auch egal.

So, schnell noch ein Energydrink zwischendurch: Hier, bei Edeka am Südkreuz will gerade ein junger Mann die Dose bezahlen, da fällt sie ihm aus der Hand und rollt unerreichbar hinter eine Trennwand (via @TspSonntag). Ein zu Hilfe gerufener Mitarbeiter fischt sie voller Energie hervor und schaut den kraftlosen Mann an: „Hättste vorher trinken sollen.“ Und drückt ihm den Drinke in die Hand.

Höher, schneller, wirklich weiter? Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes Sebastian Coe wirft die Idee für Olympische Spiele 2036 in Berlin erneut in die Ringe (via FAZ). Schließlich könne man so den Nazispielen 100 Jahre zuvor ein demokratisches Fest hinzufügen – und das Olympiastadion sei ein „ikonisches Stadion, das auf der ganzen Welt bekannt ist“. Eines wird es allerdings aufgrund der Geschichte nie: ein ironisches Stadion.

Weiße Rosen aus Kreuzberg. Mit diesem Lied auf den traurigen Lippen und bleichen Blumen in der Hand beerdigten Radfahraktivisten gestern das erste Parklet in der Bergmannstraße (Foto hier). Nach und nach werden nun alle Sitz- und Witzgelegenheiten für Fußgänger abmontiert – auch die graugrünen Punkte verschwinden von der Straße. Zur Beruhigung hatten sie nicht beigetragen, auch nicht des Verkehrs.

Jetzt aber: Zurückbleiben bitte! Wenigstens ist dieser Zug noch nicht abgefahren: ICE 552 von Berlin nach Hannover (erlebt und durchlebt von Carsten Werner).

Erste Ansage: „Der Lokführer hat leider ein größeres Problem mit dem Stromabnehmer, der bleibt nicht oben, sondern knallt immer wieder nach unten. Er ist jetzt damit beschäftigt auszuprobieren, den Schaden zu beheben.“

Zweite Ansage, halbe Stunde später: „Es sieht leider nicht so gut aus mit unserer Eisenbahn. Es wird jetzt überlegt, ob Dieselloks aus Lichterfelde uns abschleppen, oder ob wir alle in den nachfolgenden Zug umsteigen können. Aber keine Panik: Es ist noch nichts entschieden!“

Dritte Ansage, weitere halbe Stunde später: „Unser Zug läuft jetzt nur noch auf Batterie – es kann sein, dass hier auch irgendwann die Lautsprecher nicht mehr funktionieren, aber keine Panik: Wir sind weiterhin hier, wir können dann nur nicht mehr mit Ihnen kommunizieren.“

Vierte Ansage, irgendwann: „We must change to another train – this train here is completely damaged.“ Vorsicht an der Wahnsteigkante!

Neues Spiel, neues Glück: Auch diese Woche verlosen wir wieder Hertha-Tickets! Unter allen, die sich heute für ein Checkpoint-Abo entscheiden, verlosen wir 25x2 Tickets für das Bundesliga-Heimspiel von Hertha BSC gegen die TSG 1899 Hoffenheim im Olympiastadion am 26.10.! Bestellen Sie jetzt hier einen kostenlosen Probemonat. Dauert nur 3 Minuten. Und: Das Gewinnspiel läuft nur bis heute, 23.59 Uhr.

Checkpoint Abonnenten lesen heute unter anderem exklusiv:

Welche Demonstrationen in Blankenburg den Verkehr lahmlegen  und wo wegen Cher's Konzert Staugefahr herrscht / Wo es in den nächsten Tagen die volle Packung Musiktheater gibt / Was Sie einem Bücherwurm schenken können / Wo das Event des Monats für alle Outdoor-Fans stattfindet.

BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:

2672

Zitat

„In fünf Jahren wird die Stadt eine andere sein.“

Berlins Umwelt- und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) glaubt noch an die Verkehrswende mit mehr Radwegen und verfügbaren S-Bahn-Wagen.

Tweet des Tages

Wir sollten mal alle dankbar sein, dass E-Scooter und Pokémon Go nicht zur selben Zeit rausgekommen sind.

Rike @TeamRundU

Nur in Berlin

Wir küren die originellsten und schönsten Berlin-Bilder: Bis zum 30. September noch können Sie hier ihre Fotos unter dem Motto „Nur in Berlin“ einreichen. Die besten Bilder werden im Oktober auf der „Berlin Photo Week“ präsentiert, im Tagesspiegel veröffentlicht – und täglich im Checkpoint gezeigt.

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Stadtleben

Essen – Aller guten Dinge sind drei. Nachdem sich in der Wiclefstraße 30 in Moabit schon die Restaurants „Richwater & Mitchell“ und „Heimat“ versucht haben, geht’s nun in die dritte Runde mit James Doppler von „Pound & Pence“. CP-Leser Christian H. empfiehlt das recht neue Wyclef's mit „innovativer Küche zu vernünftigen Preisen und freundlicher Bedienung“. Und auf der Speisekarte findet man tatsächlich ausgefallene
Speisen wie geräuchertes Tomaten-Bananen-Tartar mit Kokos-Rum-Schaum und Chili-Mayo. Vorspeisen kosten 8,90-10,90 Euro, Hauptgerichte 15-19,50 Euro und Desserts 8,50-9 Euro. Di-Do 18-23 Uhr, Fr-Sa 18-23.30 Uhr geöffnet. S-Bhf Beusselstraße

Trinken – Es heißt, dass von diesem Platz vor genau 173 Jahren am 23. September der blaue Planet Neptun erstmalig von der Schinkelschen Sternwarte gesichtet wurde, die dort bis 1912 stand. Seit Juli findet man hier das Café „Nullpunkt. An der zwölf Meter langen Bar aus Messing wird zum geheimnisvollen „Specialty Coffee“ veganer und glutenfreier Kuchen gereicht. Bei größerem Appetit gibt's eine kleine, aber feine Frühstücks- und Mittagskarte die Zutaten stammen ausschließlich von regionalen Lieferanten. Donnerstags zwischen 19 und 21 Uhr lädt das „Nullpunkt“ zu After-Work-Drinks ein, begleitet von der „Songband“ mit Elisabeth King (Akkordeon) und Ethan Schaffner (Banjo). Mo-Mi 8-16 Uhr, Do 8-21 Uhr, Fr 8-16 Uhr, Sa-So 10-15 Uhr. Friedrichstrasse 23B, U-Bhf Kochstraße/ Checkpoint-Charlie.

Das Stadtleben am Donnerstag von: Carmel Schnautz.

Berliner Gesellschaft

Geburtstag – Ulrich Brietzke (54), „dem weltbesten Stellvertreter der AGS (Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger in der SPD) Berlin alles Gute zum Geburtstag, Dein AGS-Landesvorstand“ / Bärbel Bonner, „Glückwunsch zum 75. Geburtstag, von deiner kleinen Schwägerin“ / Natja Brunckhorst (53), Schauspielerin / Gian Gantenbein (18), „zur Volljährigkeit eine Riesenumarmung ins Praktikum nach Arusha, Tansania, für unseren fantastischen, mutigen, klugen Sohn von Mama und Papa“ / Karin Gregorek (78), Schauspielerin / „Unserer lieben Lina Lubig herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum Geburtstag von M&W“ / „Dem Liebsten Bernd Kluppak ein gesundes neues Lebensjahr mit fitten Knochen und weiterhin viel Spaß mit der und den Seinen“ / „Lieber Robert Syring, alles Gute und viel Gesundheit, Geld und gute Laune zum 40. von Deiner M.“ 

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de

Gestorben – György Konrád, * 2. April 1933 / Eva Krähn, * 12. Juni 1935 / Christoph Maria Strathmann, * 7.März 1953 / Horst Wieske, * 12. März 1927 

Stolperstein – Helmstedter Straße 31, Wilmersdorf: Hier wohnte Gertrud Rosenfeld (Jhg. 1897) mit ihrem Ehemann und ihren beiden Söhnen. Nachdem sich abzeichnete, dass die Flucht aus Berlin die einzige Chance war, der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen, nahm sich Gertrud Rosenfeld am 26. September 1938 in einem Hotel am Anhalter Bahnhof das Leben.

Encore

So, falls Sie heute beim Bäcker einen Amerikaner essen (bitte bloß keinen Berliner!), dann denken Sie dran: „Brooklyn ist das Berlin Amerikas.“ So hat es Brooklyns Bürgermeister Eric Adams gerade Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in New York zugerufen. Allerdings hatte der frühere US-Botschafter Philip D. Murphy behauptet: „Brooklyn ist fast wie der Kotti.“ Und jetzt lassen der Chef von Berlin-Partner Stefan Franzke und Lichtenbergs Bezirksstadträtin Birgit Monteiro plötzlich wissen: „Lichtenberg ist das Brooklyn Berlins.“ Ist also alles in allem Lichtenberg jetzt die heimliche Hauptstadt von Amerika oder der Kotti das Lichtenberg von Brooklyn? Auf jeden Fall ist klar: Berliner sind nicht Berliner – zumindest nicht bei Berliner Bäckern.

Morgen backen wir hier wieder feine Brötchen. Dann meldet sich Laura Hofmann in ihrem Mehlfach.
Ich grüße Sie,

Ihr Robert Ide

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