Heiße Luft, dicke Luft: Keine Luftfilter für Berlins Kitas
Eltern wollten die Geräte selbst beschaffen, doch der Vorschlag wurde abgelehnt. Grund: Gleiche Chancen für alle Berliner Kitas. Ergebnis: Dann eben für keine. Von Anke Myrrhe und Thomas Lippold.
Beginnen wir heute mit einer ordentlichen Portion heißer Luft: Erinnern Sie sich an die Eltern, die in den öffentlich finanzierten Kitas des Trägers „SüdOst“ gern Luftfilter aufgestellt hätten? Sie hätten das sogar selbst organisiert und bezahlt, der Wunsch wurde im Juli 2021 allerdings abgelehnt von den damals zuständigen Stadträten Falko Liecke (CDU, Neukölln) und Gernot Klemm (Linke, Treptow-Köpenick). Begründung (frei übersetzt): Weil wir nicht alle ausstatten können, soll keine Kita Filter erhalten, alles andere wäre ja ungerecht. Soll schließlich jeder eine faire Chance auf das Virus bekommen, nicht wahr?
Nachdem der Checkpoint (2. Juli) die Sache öffentlich gemacht hatte, meldeten sich Liecke und Klemm hektisch – und entschieden, nun lieber noch weniger Kitas mit Luftfiltern auszustatten, nämlich exakt zwei von 44 des Trägers, und nannten das modebewusst „Modellprojekt“. „Ich begrüße die Initiative von Eltern, sich für den Einsatz von Luftfiltern stark zu machen. Mit dem geplanten Modellprojekt unterstützen wir sie dabei“, sagte Liecke damals. „Was wir nicht wollen, ist einfach nur möglichst billige Geräte irgendwo hinzustellen, ohne zu wissen, was sie bringen.“ Daher solle die Zeit, bis es wieder kälter wird, für das Modellprojekt genutzt werden.
Wenn Sie kürzlich mal draußen waren (was im Homeoffice durchaus eine Herausforderung ist), haben Sie vermutlich festgestellt: Die Kälte ist da, und die Luftfilter?
Wurden nie angeschafft. „Leider ist es uns trotz intensiver Bemühungen bis heute nicht gelungen, eine wissenschaftliche Begleitung für das Pilotprojekt zu gewinnen“, heißt es in einem Schreiben des Kita-Trägers an nachfragende Eltern, das dem Checkpoint vorliegt. „Im Kitabereich ist der Einsatz von Luftfiltern durchaus umstritten.“ Auch der Bund fördere nur, wenn Räume nicht oder nur schwer belüftbar seien. „Es gibt bisher keine Aussagen zur Wirksamkeit von Luftfiltern in Kitas.“
Eben deswegen hatten die beiden Stadträte ja angeblich diesen Modellversuch starten wollen – oder war das alles nur ein Missverständnis? Fragen kann man sie leider nicht mehr, denn praktischerweise sind sie nicht mehr im Amt: Gernot Klemm trat zu den BVV-Wahlen 2021 nicht mehr an, Falko Liecke ist zwar noch Stadtrat in Neukölln, nun allerdings für Soziales. Da „… ich nicht mehr in dieser Verantwortung bin, bitte ich Sie sich direkt an die Geschäftsführung des Kita-Eigenbetriebs Süd-Ost und/oder die Gesundheitsstadträtin Neuköllns zu wenden“, schreibt uns Liecke. Merke: Heiße Luft verpufft schneller.