Luftfilter nur für zwei Kitas in ganz Berlin?

Statt flächendeckendem Corona-Schutz gibt’s in Kitas nur wenige „Modellprojekte“ – Bezirkspolitiker bezweifeln, dass Filtergeräte dort viel bringen. Von Thomas Lippold und Anke Myrrhe

Luftfilter nur für zwei Kitas in ganz Berlin?
Corona wird im Herbst nicht vor Berlins Jüngsten haltmachen. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Während zumindest die Hälfte der Klassenräume ausgestattet sein wird (sauberer wird’s nicht), sieht es in den Kitas ganz anders aus. Nach der wilden Erklärung vom Neuköllner Stadtrat Falko Liecke (CDU) und seinem Kollegen aus Treptow-Köpenick, Gernot Klemm (Linke), man wolle nicht wenige Kitas mit Luftfiltern ausstatten (weil: unfair für die anderen, CP vom 2. Juli), wollen die beiden jetzt lieber noch weniger Kitas mit Luftfiltern ausstatten – und nennen das modebewusst „Modellprojekt“. Für exakt zwei Kitas in zwei Bezirken wollen sie eine Förderung beim Bund beantragen (richtig wäre: beim Senat) und „sehr genau prüfen“, welchen Nutzen diese Geräte haben. Wie das geschehen soll, und ob sie damit bis zur nächsten Pandemie fertig sein wollen, erläutern die Herren lieber nicht.

Fest steht aber: Der gemeine Luftfilter ist nicht ohne. „Luftfilter in Kitas stellen möglicherweise eine Gefahr dar – insbesondere für sehr kleine Kinder“, sagt Klemm. „Sie erfordern Wartungs- und Reparaturaufwand, müssen in die Kitaorganisation integriert werden und sind zudem sowohl in Anschaffung als auch im Unterhalt sehr kostspielig.“ Zwischenruf: Mit der kurzfristigen Integration neuer Regeln in die Organisation wird kaum eine Kita nach dem vergangenen Jahr Probleme haben. Aber weiter im Text: „Gleichzeitig ist unklar, ob sie einen relevanten Nutzen bringen.“

„Wie und warum will ein Bezirkstadtrat in Eigenregie den Nutzen von Luftfiltern prüfen?“, schreibt uns eine betroffene Mutter. „Uns rennt die Zeit davon. Angesichts einer anrollenden Delta-Welle und fehlenden Impfmöglichkeiten für Kleinkinder habe ich kein Verständnis dafür, dass Falko Liecke und Gernot Klemm eine Entscheidung vorsätzlich auf unbestimmte Zeit verzögern.“ Vielleicht lässt der Klimawandel den Herbst ja diesmal ausfallen.