Wie ein ehemaliger Berliner Hausbesetzer jetzt Sebastian Czaja rettet
Weil es von der Laterne gerissen wurde, hat Andreas Kube ein Wahlplakat der FDP an seinen Gartenzaun gehängt. Der Hausbesitzer war aber nicht immer FDP-Fan. Von Anke Myrrhe
Unerwartete Unterstützung erhält auch die FDP. An einem unscheinbaren Alt-Neubau in der Schöneberger Elßholzstraße lächelt Sebastian Czaja vom Vorgartenzaun, ordentlich angebracht mit Kabelbindern, daneben fegt ein Mann in Funktionssandalen und Muskelshirt den Eingangsbereich. „Ich hab‘ den gerettet“, sagt Andreas Kube, 63, der sich als Hausbesitzer vorstellt. Jemand habe das Plakat von der Laterne gerissen, „richtig abgeknipst, da hab ich den mitgenommen und hier aufgehängt“. Es gab noch ein zweites, das haben sie ihm schon abgerissen, er wartete täglich darauf, dass auch jemand die Fassade beschmiert. „Sollen sie nur kommen“, sagt Kube und legt los: Ehemaliger Hausbesetzer in Kreuzberg, Asta-Vorsitzender an der FU, natürlich Mitglied der Alternativen Liste. Und jetzt FDP-Fan? „Klar“, sagt er, wegen der Freiheit! Die „linke Hetzkampagne gegen Vermieter“, der Mietendeckel, der vor allem Besserverdienenden geholfen habe, „für mich sind die nicht links“, sagt Kube.
Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer: Er hat das Haus von seinen Eltern übernommen, Studentenwohnungen draus gemacht, 15 Parteien, 7,30 Euro der Quadratmeter. Stolz zeigt er die Gemeinschaftsräume, neue Waschmaschinen im Keller, Trockenraum, sauber ausgestattete Werkstatt, mehrere Grills für den kleinen Garten im Hinterhof, überdachte Fahrradständer und: ein Pool. Mit Palme. Ein bisschen Kollektiv, sagt Kube, wie früher. „Das Haus ist linksgrün versifft, hier wohnen Akademiker-Kinder“, viele hätten ihn wegen des Plakats angesprochen. „Einer hat mir erzählt, dass er die Linkspartei wählt.“ Kube lacht. „Ich hab gesagt: Bist du wahnsinnig, das deinem Vermieter zu erzählen? Ich wandel dich um!“
Den Zaun, an dem der Czaja nun hängt, hat er übrigens gerade erst gebaut, nennt ihn den „Zaun der politischen Irrlichter“. Und für die Ecke, an die die Hunde immer pinkeln, hat er auch einen liebevollen Namen entwickelt: Lompscher Vollpfosten.