Gebete und Demos in Berlin für Belarus

Kerzen brennen, leise Gebete ertönen – und sollen widerhallen über die Kirche hinaus, die schon in der friedlichen Revolution vor 30 Jahren in Berlin den Hallraum eines ganzen Landes füllte. In der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg finden ab heute „Andachten für zu Unrecht Inhaftierte in Belarus“ statt, immer dienstags um 18 Uhr. Und damit wohl auch für die Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa, die gestern offenbar vom Regime in Minsk entführt worden ist. Die Berliner Andachtsgruppe „Wachet & Betet – Freiheit Jetzt“, die sich nach der Inhaftierung ihres Gemeindemitglieds Peter Steudtner vor drei Jahren in der Türkei gegründet hatte und weiterhin für eingekerkerte Menschenrechtler in der Türkei kämpft, will nun gemeinsam mit der deutsch-belarussischen Community auf den zunehmenden Terror in Minsk aufmerksam machen, zu dem die deutsche Außenpolitik weiterhin unschlüssig die Hände und um die richtigen Worte ringt. „Die Umstände sind anders, aber die Parallelen zum Ende der DDR auffällig“, sagt Friederike Freier vom Initiativkreis am Checkpoint-Telefon. „Eine gefälschte Wahl wird zum Auslöser für umwälzende Ereignisse – hoffentlich mit friedlichem Ausgang.“

Die belarussische Opposition hat sich, wie berichtet, auch in Berlin organisiert und geht inzwischen zwei Mal wöchentlich auf die Straße. „Wir haben Hoffnung, dass sich die Lage friedlich lösen lässt“, sagt Ann Shkor vom Verein „Belarus Razam“ dem Checkpoint. Die Eliten in Europas letzter Diktatur wendeten sich schon ab vom System Lukaschenko, „darum beraten wir in Berlin mit Wissenschaftlern und Politikern, wie man später einen friedlichen Wandel gestalten könnte“, sagt Shkor. Die 30-Jährige, selbst in Minsk aufgewachsen, kann sich vorstellen, als Architektin bei einem demokratischen Neuaufbau in ihrer Heimat zu helfen. Am Mittwoch ist sie in Berlin bei der nächsten Demo für die Freilassung von Gefangenen dabei, um 19 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Hier wird bereits beständig Freiheit für Belarus gefordert – auf einem alten Mauerstück (Foto hier). Eines allerdings ist anders als 1989: die Lage in Moskau. „Wir hatten damals Gorbatschow im Kreml“, sagt Friederike Freier. „Jetzt sitzt da Putin.“