Lesesaal ohne WLAN: Warum es im Bundesarchiv noch immer kein Internet gibt
Im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde ist der Lesesaal neu, hell und klimatisiert – doch Internet gibt’s nicht. Eine Nachrüstung könnte erst in den nächsten Jahren kommen. Von Anke Myrrhe und Valentin Petri.
Weniger beteiligt fühlt man sich im Bundesarchiv in Lichterfelde – zumindest am Weltgeschehen. Seit 2021 gibt es dort einen schicken neuen Lesesaal. „Ein heller, angenehmer Raum – sogar mit Klimaanlage“, schwärmt Historiker Jonathan Kaplan im Checkpoint-Postfach. Und den kann man ungestört genießen, denn im gesamten Lesesaal gibt es kein WLAN. Kaplan ärgerte das, er wandte sich an höchste Stelle: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Dessen Büro teilte mit: „Bezüglich der WLAN-Versorgung in den Lesesälen konnte durch das Bundesarchiv ein gestiegener Bedarf festgestellt werden“ (Achtung: Neuland!). „Bei optimalen Bedingungen ist eine Verbesserung des WLAN-Angebotes voraussichtlich leider erst in den Jahren 2026/2027 möglich.“
Auf Checkpoint-Nachfrage verweist der Kulturstaatsminister auf das Bundesarchiv. Dort bestätigt man: „Im denkmalgeschützten Bestandsgebäude mit Lesesälen ist kein WLAN-Empfang vorgesehen gewesen.“ Ein öffentliches Netzwerk für die Archivstandorte sei zwar seit 2023 in der Planung, die Umsetzung in denkmalgeschützten Gebäuden aber langwierig. Bis dahin empfehlen wir einfach: Abschalten und Lesen.