Briten möchten Berliner werden

Sorgen um seine Wohnsituation hat sich auch Stuart Pigott, britischer Weinkenner und Autor, gemacht. Nach 24 Jahren in Deutschland hat ihm der Brexit den Rest gegeben („ein fieses Stück britischer Humor“ – im März hat er seine Einbürgerungsurkunde erhalten, bei der Zeremonie im Rathaus Mitte wurde zwar ausgerechnet Henry Purcell gespielt, aber da wollen wir mal keine Absicht unterstellen.

Pigott ist nicht allein mit seiner Entscheidung. Während 2015 nur 45 Berliner Briten Deutsche werden wollten, wurden im Brexitabstimmungsjahr 2016 schon 178 Anträge auf Einbürgerung abgegeben, 2017 waren es bereits 680.

Das bringt uns zu einer neuen Folge „Mathe lernen mit dem Checkpoint“. Textaufgabe: Wenn der Trend sich fortsetzt, wie lange dauert es, bis alle 65 Millionen Briten hier sind? Richtig, nicht mal zehn Jahre: Spätestens im Jahr 2026 wären sie alle da, wenn wir einen Flughafen… (Witz bitte selbst einfügen).

Zum Glück ist das natürlich völlig übertrieben und der Trend ja auch längst wieder rückläufig: Im ersten Quartal 2018 waren es nur noch 90 Einbürgerungen – was natürlich auch am zickigen Berliner Winter liegen kann – oder daran, dass es keine Termine beim Amt gibt.

Damit hatte zwar Stuart Pigott keine Probleme (Promi-Faktor?), dafür aber CP-Leserin Claire Schnyder. Die Schweizerin lebt seit 14 Jahren in Berlin und möchte die Sache nun offiziell machen. „Mission impossible“, schreibt sie. Seit Wochen bekommt sie im zuständigen Bürgeramt Pankow keinen Termin. Tatsächlich: Auf der Website können zur Einbürgerung überhaupt keine Termine gebucht werden, obwohl nur wenige als ausgebucht erscheinen. Dafür der Hinweis: „Termine werden nur mit einem gewissen Vorlauf angeboten. Schauen Sie in den nächsten Tagen wieder nach.“