Drogen-Check-Stelle für Berlin

Deutschlands erster offizieller Drogen-Check-Stelle in Berlin steht nichts mehr im Weg. Ein beauftragtes Rechtsgutachten des Kölner Strafrechtsprofessors Cornelius Nestler bestätigt die Verträglichkeit der Senatspläne: das Konzept sei legal durchführbar und Mitarbeiter der Drug-Checking-Stellen machten sich nicht strafbar. Außerdem wurden Mittel für 2020 und 2021 beschlossen. Um das rot-rot-grüne Projekt dieses Jahr an den Start zu bringen, wurden bereits 150.000 Euro bereitgestellt.

Das Projekt sieht vor, Anlaufstellen zu schaffen, bei denen Konsumenten anonym ihre Drogen testen lassen können. So könnten auch stadtweite Warnungen für bestimmte Drogen ausgesprochen werden, beispielsweise wenn giftige Substanzen oder besonders hohe MDMA-Dosierungen in Ecstasy-Pillen gefunden werden. Ähnliche Modelle gibt es bereits in der Schweiz, in Wien und den Niederlanden.

In Berlin gehören Drogen für viele, die in den Clubs feiern gehen, dazu. Die Stadt stehe vor einer Kokainepidemie, sagte der Chef des Rauschgiftdezernats dem Tagesspiegel kürzlich. Aber auch andere Partydrogen wie Ketamin und MDMA (meist in Pillenform unter dem Szenenamen Ecstasy konsumiert) werden von Partygängern aus aller Welt konsumiert. Ein Bericht des "Spiegel" über eine Amerikanerin, die nach dem Besuch im Berghain und dem Konsum von zu hoch dosiertem Ecstasy starb, erregte großes Aufsehen. Befürworter des Drug-Checkings versprechen sich, dass sich solche Überdosierungen in Zukunft vermeiden lassen, wenn die Konsumenten wissen, welche Wirkstoffe und in welcher Höhe diese in ihren Drogen drin sind.

Aber auch vielen Heroin-Abhängigen könnte das Drug-Checking helfen. In vielen Fällen entsteht die tödliche Opioid-Überdosis durch den billigeren, aber vielfach potenteren synthetischen Stoff Fentanyl, der dem Heroin von Dealern ohne das Wissen der Konsumenten beigemischt wird. 

Kritik an dem Projekt kommt vor allem von der CDU. „Drug-Checking anzubieten, weil man die Kriminalität dahinter nicht unter Kontrolle bekommt, ist ein falscher und gefährlicher Ansatz“, sagte Tim-Christopher Zeelen, CDU-Gesundheitsexperte im Abgeordnetenhaus Tagesspiegel-Kollege Hannes Heine. „Wir bieten ja auch keinen Sicherheits-Check für Fluchtfahrzeuge von Bankräubern an, damit sie sich auf der Flucht nicht weh tun.“