Warum nicht mal ein veganes Tattoo stechen lassen?
Immer mehr Tattoostudios achten auf ihre Umweltbilanz. Und alle Welt wird achtgeben, wenn Sie das Schmuckstück am Wochenende zur Schau tragen. Von Thomas Wochnik
Foto: Leon Kuegeler/REUTERS
Der Samtagmorgen ist flüchtig wie fossile Brennstoffe. Zum Glück gibt es Wege, ihn zu verewigen. Zum Beispiel mit einem Tattoo. Dass aber ausgerechnet jene Dinge, die für die sprichwörtliche Ewigkeit gemacht werden, der Umwelt schaden, ist für viele in der Tattoo-Branche ein Widerspruch, der gelöst werden muss. Das fängt beim Verzicht auf Plastik bei Verpackungen und Einweg-Rasierern an, geht über den Gebrauch abbaubarer steriler Folien und reicht zur Tinte, die möglichst frei von Gelatine und Schellack sein sollte. Nach der Eingabe des Standortes in die Suchmaske gibt es eine Liste veganer Tattoo-Studios, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Samstagmittag – Apropos fossile Brennstoffe: Brandenburg hat einen Kettensägenschnitzer. Anders, als man meinen könnte, entspringt der aber keinem Horror-Polizeiruf. Roland Karl, ansässig in Dobra bei Bad Liebenwerda, verwandelt mit dem lärmenden Gerät Holz in mehr oder weniger realistische Skulpturen mit Naturmotiven und platziert sie mit Vorliebe auf waldigen Brandenburger Wanderwegen – eine gewisse Ironie ist dem ja nicht abzusprechen. „Genießertouren“ durch seine Umgebung finden Sie hier.
Samstagabend – Dass so gut wie jede Berghütte Bier anbietet, wissen Wandersleute aus gutem Grund zu schätzen. Das Gebräu kommt nicht nur einer Mahlzeit nahe, versorgt den Körper mit Kohlenhydraten und Elektrolyten, sondern fühlt sich auch direkt nach einer wohlverdienten Belohnung an. Und weil Bier nicht ewig hält, verkauft das SO36 (Oranienstraße 190, Kreuzberg, 16-22 Uhr) seine für diese abgesagte Saison angelegten Vorräte durchs vergitterte Fenster zum Open-Air-Verzehr in der Umgebung. Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Spätis ist eine eigens entworfene Spotify Playlist, die den Laden über selbst mitzubringende Boomboxen akustisch in den Kiez expandieren lässt.
Sonntagmorgen – Anschließendes Katerfrühstück gibt es im Mona Lisa Classisque (Wildenbruchstraße 7, Neukölln, 7-20 Uhr). Die großzügig portionierende türkische Küche schafft perfekte Voraussetzungen für weitere Bewegung durch den bevorstehenden Tag und gerade die mangelhafte thematische Verbindung zur Namenspatin könnte, während der Körper gesättigt wird, den Appetit auf gehaltvolle Kunst steigern.
Sonntagmittag – Fast könnte man meinen, die Abstandsregeln kämen der Kunstvermittlung zugute: Unter dem Titel „Eins zu eins“, der nach Spielstand klingt, bieten Alte Nationalgalerie, Neues Museum und Hamburger Bahnhof die Gelegenheit, Gespräche zu laufenden Ausstellungen unter vier Augen mit Kunstvermittler:innen zu führen. Zum Wettbewerb könnte das tatsächlich ausarten, denn nur wer die gesprächsbereiten Expert:innen zuerst entdeckt, darf mitreden. Zwischen 14 und 16 Uhr im Alten Museum (Museumsinsel,Bodestraße 1-3).
Sonntagabend – Oft meint man ja, dass auch Neues und Altes in Konkurrenz zueinander stehen müssten. Zum Wochenendeende geben sie sich dagegen die virtuelle Hand. Der Modular-Synthesist Richard Scott entlockt seinen hochkomplexen, mitunter chaotischen Schaltkreisen raumfüllende Klänge und teilt sich dabei die Bühne mit Matthias Müller. Der spielt mit der Posaune nicht nur ein technisch besonders einfaches Instrument, sondern auch ein so altes, dass seine Vorläufer schon den Autor:innen der Bibel bekannt waren. Das Konzert gehört zu Ronny Graupes Reihe „Into the Shed“ und wird ab 21.30 Uhr live aus dem Club der Polnischen Versager gestreamt.