Samstags bewölkt bei 24°C, sonntags nur wenig wärmer, dafür nasser

Viele Hygienemängel bei Kontrollen von Lebensmitteltransportern in BerlinBrandenburger Neonazis sollen Anschlag auf Moschee geplant habenFDP-Fraktion schließt ihren innenpolitischen Sprecher aus

die gute Nachricht: Deutschlands Schweinen soll es besser gehen. Die schlechte: erst in ferner Zukunft. Der Bundesrat hat am Freitag beschlossen, die umstrittene Kastenstand-Haltung (die in ihrer Form eigentlich bereits 2001 abgeschafft werden sollte) für mindestens weitere acht Jahre zu dulden. De facto wird den armen Schweinenzuchtschweinen damit ihr bislang verbrieftes Recht genommen, sich beim Liegen in den Metallkäfigen wenigstens ausstrecken zu können (was nicht nur bequemer ist, sondern auch notwendig, um die Tiefschlafphase zu erreichen). Matthias Wolfschmidt, Tierarzt und Strategiedirektor bei Foodwatch kommentiert: „Der Beschluss hat mit Tierschutz rein gar nichts zu tun. Die politischen Parteien, inklusive den Grünen, unterstützen die Fleischkonzerne – von Tönnies bis Westfleisch – dabei, weiterhin Billigfleisch für den Weltmarkt zu produzieren.“

Dabei geht es nicht um die Wurst, sondern vielmehr um die Frage, wie viel unserer Gesellschaft gutes Fleisch wert ist. Ein Blick in die Supermarktprospekte der kommenden Woche zeigt: wenig. Aldi Nord bietet die 400-g-Packung Bio-Hackfleisch (gemischt) für 2,70 Euro (22 Prozent günstiger als sonst!). Lidl hat die 600 Gramm Schweinenackensteaks für 3,22 Euro (Minus 17 Prozent) im Angebot. Bei Edeka gibt’s hundert Gramm Grillfackeln für 87 Cent (29 Cent Ersparnis!). Bei Rewe kostet ein Kilo Schweinenackenbraten 3,99 Euro.

Telegramm

Was diese Woche witzig war: Die Berliner S-Bahn, die ihre Türen an der Julius-Leber-Brücke berlinlike auf der falschen Seite geöffnet hat. Es kommentiert Juso-Chef Kevin Kühnert: „Kein Ding. Es ist für uns alle die siebte Stunde.“ Und das in den Ferien.

Aus rassistisch mach neu: Die BVG will den U-Bahnhof „Mohrenstraße“ aus „Verständnis und Respekt für die teils kontroverse Debatte“ in „Glinkastraße“ umbenennen. #Weilwirallelieben

Aus Kontrollpingpong mach eine fixe Regelung? Nach den Linken fordert nun auch der SPD-Landesvorstand die BVG und den VBB auf, die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in ihren Beförderungsbedingungen festzuschreiben. Die entsprechende Ergänzung „würde die Verkehrsverbünde befähigen, Verstöße gegen die Auflage eigenständig zu sanktionieren und zugleich die Polizei entlasten“. Dem Checkpoint sagte MdA Sebastian Schlüsselburg (Linke): „Wir sollten das unverzüglich umsetzen.“ Von der BVG hieß es noch vor einer Woche: „Wir sehen dafür keine Notwendigkeit.“

Mit Beginn der Sommerferien ist genau das eingetreten, was viele mit Blick auf die Pandemie befürchtet hatten. Die öffentlichen Bäder sind dauerausgebucht, alternativ strömen viele an die freien Badestellen. Die DLRG ruft zu Vorsicht auf: „Wenn wir retten müssen, können wir keine 1,5 Meter Abstand halten.“

Weniger Kurzarbeitsgeld, steigende Arbeitslosigkeit, weniger gewerkschaftlichen Schutz, mehr Unzufriedenheit mit sich selbst: Meine Kolleginnen Helena Wittlich und Cordula Eubel haben analysiert, wo Frauen besonders unter der Pandemie leiden. Spannend und deprimierend zugleich (Abo).

Tesla will seinen neue Giga-Fabrik in Grünheide wie geplant im Juli 2021 in Betrieb nehmen. 500.000 Autos sollen in der ersten Ausbaustufe jährlich produziert werden und 12.000 Jobs entstehen. Kostenpunkt laut Bauantrag: 1,065 Milliarden Euro.

Ein guter Tag für die Fußballhochburg Berlin“, sagt Berlins Regierender Michael Müller (SPD). Das DFB-Pokalfinale (heute Bayer vs. BayerN) bleibt bis 2025 im Olympiastadion.

Und wie lange bleibt Michael Müller noch im Roten Rathaus? Zumindest aus SPD-Sicht wird die Entscheidung auf Vertragsverlängerungsoption am 19. Dezember gefällt. Dann will die Landespartei ihre Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhaus- und Bundestagswahl wählen.

Die kommunalen Vorkaufsrechte will die Berliner SPD „weiterhin aktiv und strategisch ausüben“. Angesichts der Ankündigung des Immobilienkonzerns „Deutsche Wohnen“ in Berlin, Potsdam und Dresden 23 Wohnhäuser kaufen zu wollen, fordert der Landesvorstand den Senat auf, die Spielräume, die der Landeshaushalt für die Förderung von Vorkaufsfällen vorsieht, voll auszuschöpfen und der landeseigenen Investitionsbank Berlin zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. #Weilwirkaufen

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Mehr als zweieinhalb Jahre hat der Prozess gedauert. Jetzt wurde der Menschenrechtler Peter Steudtner in der Türkei von den Terrorismusvorwürfen freigesprochen.

Viel zu viele Jahre hat der Prozess gedauert. Jetzt hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das Upskirting unter Strafe stellt. Noch schöner wäre die Meldung nur gewesen, wäre sie nicht überall mit sexy Frauenbeinen und Minirock bebildert worden.

Good-Food-News: Es gibt noch mehr unvorstellbare Eissorten! CP-Leserin Sabine Opderbeck empfiehlt „Rosa Canina“ mit Vanille-Kürbiskernöl, Himbeer-Basilikum und – in diesem Jahr neu (!) – Kokos-Lakritz. Reinhard Niklaus plädiert für „Katchi Ice Crea“ mit Avocado, Gin und Gurke.

Bad-Food-News: Das Ordnungsamt Mitte hat am Montag gemeinsam mit der Berliner Polizei eine Lebensmitteltransporterkontrolle durchgeführt. Insgesamt wurden 55 Fahrzeuge geprüft. In zwölf Fällen konnte die Lebensmittelaufsicht Hygienemängel wie unzureichende Sauberkeit oder zu hohe Temperaturen feststellen, die zu einem Verderben von Lebensmittel führen können. Außerdem war die Kennzeichnung der Waren mehrfach mangelhaft.

Die Brandenburger Polizei hat am Freitag mehrere Wohnungen durchsucht, weil sie Hinweise darauf hatte, dass sieben Neonazis „einen Angriff auf eine Moschee in Wittenberge mittels Molotow-Cocktail“ und Angriffe auf von Migranten geführte Geschäfte geplant haben. Deutschland 2020.

Die Lunte ist abgebrannt, das politische Pulverfass explodiert. Der Berliner FDP-Anfragenrekordhalter Marcel „Lunte“ Luthe ist am Freitag aus seiner Fraktion ausgeschlossen und von der Landespartei zur Niederlegung seines Mandats aufgefordert worden. „Wir haben so entschieden, weil eine weitere Zusammenarbeit wegen des zerrütteten Vertrauensverhältnisses für uns nicht mehr möglich ist“, sagte Fraktionschef Sebastian Czaja in einem Video mit allen Fraktionsmitgliedern, das ein bisschen nach Netflix-Trailer aussah und wohl vor allem die Einstimmigkeit und Geschlossenheit visualisieren sollte. Dem Checkpoint sagte er: „Alles was zu sagen ist, ist im Statement gesagt.“ Lieber vorsichtig bleiben. Jurist Luthe will das Ganze natürlich „rechtlich prüfen“.

Kleine Korrektur: Nachdem sich bis dato weiterhin keiner für den nicht-sprudelnden Brunnen am Lehniner Platz verantwortlich fühlt, wollte der Sprecher vom Bezirksamt Cha-Wi zumindest feststellen, dass die Bauarbeiten vor Ort nichts mit der Nicht-Funktionalität zu tun haben. Pong.

Durch­gecheckt

Durchgecheckt

Aus Durchgecheckt wird Hochgetauscht. Teil 2: Der Orangenschnaps.

Vergangene Woche hat Team Checkpoint eine neue Tauschaktion gestartet. Mit einem Checkpoint-Berlinungsanleitung-Aufkleber (persönliche Widmung inklusive) ging es los. Jetzt sind wir bereits im Besitz einer schönen Flasche selbstgebrannten Orangenschnapses. Schon vor Beginn der Pandemie hatte Christian Aretz (rechts im Bild) in Italien eine viel zu große Kiste mit Bio-Tarocco-Orangen bestellt, dazu bei einer Brennerei im Schwarzwald die letzten drei Liter lieferbaren, hochreinen Trinkalkohol. „Nach 12 Tagen im Alkohol sind alle ätherischen Öle aus der Schale mazeriert und der Alkohol wird (von ca. 96% Vol.) mit Zuckerwasser auf ca. 45% Vol. verdünnt (mündlich tradiertes Familienrezept von Freunden aus Calabrien). Kurzes Brainstorming für den Namen, heraus kam: Coroneau!“ Den fertigen Schnaps hat Aretz an Freunde in halb Europa verschickt. Als Gruß aus der Hauptstadt, als Tröster, Aufbauer... Und eine hat er am Donnerstag exklusiv an Checkpoint-Redakteur Felix Hackenbruch (links im Bild) übergeben. Wir tauschen weiter! Was würden Sie uns für diesen orangenen Tropfen geben? Bis Montag um 23.59 Uhr nehmen wir Ihre Vorschläge unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Der Samtagmorgen ist flüchtig wie fossile Brennstoffe. Zum Glück gibt es Wege, ihn zu verewigen. Zum Beispiel mit einem Tattoo. Dass aber ausgerechnet jene Dinge, die für die sprichwörtliche Ewigkeit gemacht werden, der Umwelt schaden, ist für viele in der Tattoo-Branche ein Widerspruch, der gelöst werden muss. Das fängt beim Verzicht auf Plastik bei Verpackungen und Einweg-Rasierern an, geht über den Gebrauch abbaubarer steriler Folien und reicht zur Tinte, die möglichst frei von Gelatine und Schellack sein sollte. Nach der Eingabe des Standortes in die Suchmaske gibt es eine Liste veganer Tattoo-Studios, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. 

Samstagmittag – Apropos fossile Brennstoffe: Brandenburg hat einen Kettensägenschnitzer. Anders, als man meinen könnte, entspringt der aber keinem Horror-Polizeiruf. Roland Karl, ansässig in Dobra bei Bad Liebenwerda, verwandelt mit dem lärmenden Gerät Holz in mehr oder weniger realistische Skulpturen mit Naturmotiven und platziert sie mit Vorliebe auf waldigen Brandenburger Wanderwegen – eine gewisse Ironie ist dem ja nicht abzusprechen. „Genießertouren“ durch seine Umgebung finden Sie hier.

Samstagabend – Dass so gut wie jede Berghütte Bier anbietet, wissen Wandersleute aus gutem Grund zu schätzen. Das Gebräu kommt nicht nur einer Mahlzeit nahe, versorgt den Körper mit Kohlenhydraten und Elektrolyten, sondern fühlt sich auch direkt nach einer wohlverdienten Belohnung an. Und weil Bier nicht ewig hält, verkauft das SO36 (Oranienstraße 190, Kreuzberg, 16-22 Uhr) seine für diese abgesagte Saison angelegten Vorräte durchs vergitterte Fenster zum Open-Air-Verzehr in der Umgebung. Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Spätis ist eine eigens entworfene Spotify Playlist, die den Laden über selbst mitzubringende Boomboxen akustisch in den Kiez expandieren lässt.

Sonntagmorgen – Anschließendes Katerfrühstück gibt es im Mona Lisa Classisque (Wildenbruchstraße 7, Neukölln, 7-20 Uhr). Die großzügig portionierende türkische Küche schafft perfekte Voraussetzungen für weitere Bewegung durch den bevorstehenden Tag und gerade die mangelhafte thematische Verbindung zur Namenspatin könnte, während der Körper gesättigt wird, den Appetit auf gehaltvolle Kunst steigern.

Sonntagmittag – Fast könnte man meinen, die Abstandsregeln kämen der Kunstvermittlung zugute: Unter dem Titel „Eins zu eins“, der nach Spielstand klingt, bieten Alte Nationalgalerie, Neues Museum und Hamburger Bahnhof die Gelegenheit, Gespräche zu laufenden Ausstellungen unter vier Augen mit Kunstvermittler:innen zu führen. Zum Wettbewerb könnte das tatsächlich ausarten, denn nur wer die gesprächsbereiten Expert:innen zuerst entdeckt, darf mitreden. Zwischen 14 und 16 Uhr im Alten Museum (Museumsinsel,Bodestraße 1-3).

Sonntagabend – Oft meint man ja, dass auch Neues und Altes in Konkurrenz zueinander stehen müssten. Zum Wochenendeende geben sie sich dagegen die virtuelle Hand. Der Modular-Synthesist Richard Scott entlockt seinen hochkomplexen, mitunter chaotischen Schaltkreisen raumfüllende Klänge und teilt sich dabei die Bühne mit Matthias Müller. Der spielt mit der Posaune nicht nur ein technisch besonders einfaches Instrument, sondern auch ein so altes, dass seine Vorläufer schon den Autor:innen der Bibel bekannt waren. Das Konzert gehört zu Ronny Graupes Reihe „Into the Shed“ und wird ab 21.30 Uhr live aus dem Club der Polnischen Versager gestreamt.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland. Zeichnung: Naomi Fearn

„Eigentlich hatte ich mich ja über das Sau- und Suhlwetter der letzten Woche gefreut, aber gut. Sonnenschein heißt: Zeit zum Anbaden. Stadtmenschen stürzen sich in den Scharmützelsee in Bad Saarow, der so weiß-blau schimmert, als sei er in Bayern. Wer im Cecilienpark am Westufer von der riesigen Liegewiese des ehemaligen Strandbades aus direkt ins Wasser köpft, hat’s hinterher zum Biergarten auch nicht weit. Im Freilich am See sitzt es sich zünftig mit Blick auf Segelboote und deftiger Küche à la Fleischpflanzerl, Flanksteak, Backhendl, Kässpatz’n und Zander, dazu ein Bier vom Hofbräuhaus Traunstein – die Leute sind so scharf drauf wie ich auf Trüffel. Auch unter Jogger:innen sind die fünf bis 27 Kilometer langen Strecken beliebt – je nachdem, wie lang die Kondition reicht. Kuriosität am Rande: Die menchliche Kondition scheint deutlich länger zu reichen, wenn ich mitjogge. Mir schleierhaft. Auch Wandern lässt es sich hier übrigens gut, zum Beispiel vom Ortseingang an der Seestraße nach Wendisch Rietz, immer am See lang. Doch lieber aufs Wasser? Zweistündige Dampferrundfahrten vom Hafen aus gibt’s sechsmal am Tag mit der Scharmützelsee-Schifffahrt. Bei Wellengang bekomme ich es aber nur mit dem Saumagen. Nee, ich bleibe lieber an Land und betreibe Waldboden- und Stoßzahnpflege zugleich. Wenn Ihr alle auf dem Dampfer feiert, gibt es auch keine Scharmützel mit mir im Wald. Bei Störungen meiner Hygiene werde ich mitunter etwas widerborstig.“

Lese­empfehlungen

Urlaubsgefühle im nahen Brandenburger JWD kommen nicht nur von hier und da unverständlichen Dialekten oder schrägen Ortsnamen, sondern zum Beispiel auch durch Tuchfühlung mit exotischen Tieren. Daniela Mertens und Saara von Alten haben zehn Möglichkeiten (Abo) erkundet, sich aus dem hiesigen Staub zu machen, ohne Kerosintrails in den Luftraum zu zeichnen.

Die aus den USA herübergeschwappte Rassismus-Debatte berührt auch manche Bereiche hiesigen Lebens, andere bleiben liegen. Beispiel: Während sich Kunstproduzent:innen der Freien Szene mit den Betroffenen solidarisieren, scheinen große Berliner Institutionen und Museen das Thema schlicht auszusitzen. Dabei wäre gerade dort in punkto Kolonialgeschichte und Provenienz von Exponaten die Auseinanderstzung wünschenswert. Sie schweigen sich aus Angst zum Thema aus, meint die Kunsthistorikerin Jadwiga Kamola in der ZEIT.

Wochen­rätsel

Vorerst dicht: Der Club Yaam am Ostbahnhof musste abrupt geräumt werden und darf vorerst nicht bespielt werden. Grund ist ...

a) eine einsturzgefährdete Ufermauer.
b) die hohe Lärmbelästigung.
c) betrunkene Touristen, die in die Spree gefallen sind.

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Aus Sommerlochsgründen (und weil sich in den Ferien keiner ernsthaft über feste Termine freut), blicken wir heute anhand des Kleinen Kalenders in die kommende Woche: Am Montag ist Tag des Kusses, am Mittwoch Sei-noch-mal-ein-Kind-Tag, am Donnerstag Nationaltag des Zuckerplätzchens und des Rock’n’Roll.​​​​​​ Vielleicht richten wir unsere Pläne einfach danach aus.

Heute ist übrigens offizieller Brate-Eier-auf-dem-Gehweg-Tag. Überlegen Sie selbst, was Sie mit dieser Info machen. Wir lesen uns am Montag wieder. Bis dahin!

Ann-Kathrin Hipp