Das können Sie am goldenen Oktober-Wochenende in Berlin erleben
Ob beim Rugby auf dem Tempelhofer Feld oder im „Pop-Up-Wohnzimmer“ in Buckow – wie Sie in bester Gesellschaft das Weekend bestreiten, verraten die Checkpoint-Tipps. Von Thomas Wochnik
Ab nach draußen am sonnigen Berliner Wochenende. Foto: Stefan Zeitz/Imago
Samstagmorgen – Die Erfindung des Rades gilt bekanntlich als wesentlicher Schüsselmoment aller menschlichen Kultur. Deshalb ist die Pflege des Rades bis heute ganz klar auch immer ein Stück Kulturpflege. Und das gerade im Herbst, der mit voranschreitender Lichtverknappung sowie seiner gerne rutschig-nassen und mysteriös unterlegten Laubdecke besondere Anforderungen an Fahrer:in und Material stellt. Von 10 bis 17 Uhr bietet der ADFC mit seinem HerbstCheck einen kostenlosen Beratungs- und Reparaturservice sowie Fahrradcodierung (sprich: Diebstahlsicherung) am Innsbrucker Platz an.
Samstagmittag – Wo ist Buckow eigentlich? Diese und andere drängende Fragen rund um den Stadtteil werden heute um 16 Uhr geklärt – aber nicht nur das: Buckow wird dabei neu, als „Buckowtopie“ gedacht. Und wer Buckow neu denkt, denkt natürlich auch Berlin neu: nämlich vom Stadtrand her. Und, um den Kreis zu schließen: Am besten lässt sich Berlin vom Stadtrand her denken, wenn man zuvor vom Stadtkern aus rausgefahren ist und reinschaut. Heute geht das besonders am Mollnerweg 31 gut, wo ein „installatives Pop-Up-Wohnzimmer“ den Austausch beflügeln und interaktive Kiez-Kunst-Projekte gestaltende Kräfte entfesseln sollen.
Samstagabend – Was tut man, wenn man spürt, dass man in Wahrheit ein Star ist, die Welt aber nichts davon weiß? Logisch: Man teilt es allen mit. Zum Beispiel durch eine klangvolle Namensänderung, etwa in: Robert der Schlagerstar. Wie um das Schwergewicht, das der Name nahelegt, zu untermauern, tritt dieser heute Abend um 19.30 Uhr mit dem ungleich leichter klingenden Benedikt Gramm auf. Das Programm: „Acoustic-Punk-Rock-Schlager“. 19.30 Uhr im Froschkönig (Weisestraße 17) – eine der wenigen Bars der Stadt, in denen man auch einfach mit Fremden Schach spielen kann, wenn sonst nichts los ist.
Sonntagmorgen – Denkt man psychogeografisch, ist übrigens immer und überall was los. Psycho-bitte-was? Kleine Exkursion zur Situationistischen Internationale: Landschaft, Stadt und Architektur werden im Allgemeinen nicht nur über ihre physischen Eigenschaften wahrgenommen. Sie öffnen Assoziationsräume, haben tatsächliche und unzählige spekulative Geschichten – im Grunde kann alles, was über einen Ort gedacht werden kann, auch seine Atmosphäre ausmachen. Und die Atmosphäre macht den Ort, so einfach ist das. Zehn Klangkünstler:innen haben sich bereits im Mai einen abgelegenen ehemaligen Bahnhof im Grenzbereich zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland und Polen zur künstlerischen Reflexion vorgenommen – ihre Eindrücke zeigen sie nun beim Festival für psychogeographische Klangexkursionen im Liebig 12, Liebigstraße 12.
Sonntagmittag – Wer durch jede erdenkliche Tür passt und etwas daran ändern möchte, spielt bekanntlich Rugby. Aber mit wem und wo? Schulterverbreiterung für alle gibt es heute beim Bruisers‘ Family Touch Rugby, von 15 bis 17 Uhr auf dem Tempelhofer Feld, etwas nördlich vom Eingang Herrfurthstraße. Die „Berlin Bruisers“ sind übrigens der erste schwule, zugleich aber vollumfänglich inklusive Rugby-Verein der Stadt, das heißt: Es ist wirklich jede:r willkommen, sich ein wenig zu verausgaben und zu verbeulen.
Sonntagabend – Unweit der Einflugschneise zum ehemaligen Flughafen Tempelhof erklingt heute um 18 Uhr endlich: Music for Airports. Erwartungsgemäß mit über einer Dekade Verspätung. Das aber macht gar nichts, schließlich markieren Brian Enos gleichnamige Kompositionen von 1978 die Geburt des Ambient-Genres – und Ambient heißt nun mal: Kein Stress. Keinen Stress gibt es folglich zum Wochenendeende auch in der Villa Neuköln (Hermannstraße 233), wo Enos Ansatz mit Klavier, Elektronik und abstrakten visuellen Stimuli neu interpretiert wird.