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Rot-Grün-Gelb-Rot: Im Wartebereich der SenatsbildungKultusministerkonferenz lässt Gebärdensprache als reguläres Schulfach zuUngeimpfte Hertha-Spieler müssen Corona-Tests in Zukunft selbst zahlen

bitte warten…. bitte warten…. tut tut tut tut tut. Noch jemand da? Bitte warten Sie… Tschuldigung, es geht gleich los mit dem Samstags-Checkpoint, wir müssen hier nur noch die Leitung klarkriegen, sondieren und sortieren, was wir eigentlich wollen. Und vor allem: mit wem.

Aber das Warten haben Sie ja lange erlernt in dieser Stadt, da müssen wir jetzt gar nicht erst mit irgendwelchem Flughafen-Getöse anfangen (auch wenn das an diesem Herbstferienanfangswochenende vermutlich wieder etwas lauter wird) oder mit Berghain-Gemüsedöner-Folklore (die Schlangen bilden sich neuerdings eh vorm Wahllokal, dazu gleich mehr).

Insofern wird es Sie nicht überraschen, dass Sie jetzt noch ein wenig auf die Verleihung unserer Berlin-Medaillen warten müssen (die Schuld dafür tragen auf jeden Fall andere!), wir lümmeln hier so lange noch ein bisschen im farbenfrohen Wartebereich der Senatsvorsondierungsentscheidungungsfindung herum. SPD und Grüne wollen zwar miteinander, können sich aber noch nicht einigen, wer die Dritte am Senats-Tisch sein soll. Rot will Gelb, Grün will das andere Rot, und nachdem wir gestern den ganzen Tag auf die Verkündung des dritten Herzblatts gewartet hatten, traten Franziska Giffey und Bettina Jarasch getrennt voneinander vor die Kameras und sagten: beides. FDP und Linken gefällt das nicht. Was daraus folgt? Bleibt abzuwarten.

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In zähen Doppelsondierungsrunden hat sich wenigstens der Checkpoint-Wahlvorstand gestern eine Entscheidung abgerungen. Aufgrund der äußerst fragwürdigen Abstimmungsbedingungen (lange Schlangen, falsche Wahlzettel, fehlende Kugelschreiber) kann die Wahl der Berlinerinnen und Berliner der Woche allerdings noch angefochten werden, weshalb wir Ihnen hier den schonungslosen Auswahl-Prozess dokumentieren müssen. 

Bronze

Ganz oben auf der Liste für Bronze stand diesmal Marcel Luthe, der es wie immer genau wissen will.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Die Erfindung des Rades gilt bekanntlich als wesentlicher Schüsselmoment aller menschlichen Kultur. Deshalb ist die Pflege des Rades bis heute ganz klar auch immer ein Stück Kulturpflege. Und das gerade im Herbst, der mit voranschreitender Lichtverknappung sowie seiner gerne rutschig-nassen und mysteriös unterlegten Laubdecke besondere Anforderungen an Fahrer:in und Material stellt. Von 10 bis 17 Uhr bietet der ADFC mit seinem HerbstCheck einen kostenlosen Beratungs- und Reparaturservice sowie Fahrradcodierung (sprich: Diebstahlsicherung) am Innsbrucker Platz an.

Samstagmittag – Wo ist Buckow eigentlich? Diese und andere drängende Fragen rund um den Stadtteil werden heute um 16 Uhr geklärt – aber nicht nur das: Buckow wird dabei neu, als „Buckowtopie“ gedacht. Und wer Buckow neu denkt, denkt natürlich auch Berlin neu: nämlich vom Stadtrand her. Und, um den Kreis zu schließen: Am besten lässt sich Berlin vom Stadtrand her denken, wenn man zuvor vom Stadtkern aus rausgefahren ist und reinschaut. Heute geht das besonders am Mollnerweg 31 gut, wo ein „installatives Pop-Up-Wohnzimmer“ den Austausch beflügeln und interaktive Kiez-Kunst-Projekte gestaltende Kräfte entfesseln sollen.

Samstagabend – Was tut man, wenn man spürt, dass man in Wahrheit ein Star ist, die Welt aber nichts davon weiß? Logisch: Man teilt es allen mit. Zum Beispiel durch eine klangvolle Namensänderung, etwa in: Robert der Schlagerstar. Wie um das Schwergewicht, das der Name nahelegt, zu untermauern, tritt dieser heute Abend um 19.30 Uhr mit dem ungleich leichter klingenden Benedikt Gramm auf. Das Programm: „Acoustic-Punk-Rock-Schlager“. 19.30 Uhr im Froschkönig (Weisestraße 17) – eine der wenigen Bars der Stadt, in denen man auch einfach mit Fremden Schach spielen kann, wenn sonst nichts los ist.

Sonntagmorgen – Denkt man psychogeografisch, ist übrigens immer und überall was los. Psycho-bitte-was? Kleine Exkursion zur Situationistischen Internationale: Landschaft, Stadt und Architektur werden im Allgemeinen nicht nur über ihre physischen Eigenschaften wahrgenommen. Sie öffnen Assoziationsräume, haben tatsächliche und unzählige spekulative Geschichten – im Grunde kann alles, was über einen Ort gedacht werden kann, auch seine Atmosphäre ausmachen. Und die Atmosphäre macht den Ort, so einfach ist das. Zehn Klangkünstler:innen haben sich bereits im Mai einen abgelegenen ehemaligen Bahnhof im Grenzbereich zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland und Polen zur künstlerischen Reflexion vorgenommen – ihre Eindrücke zeigen sie nun beim Festival für psychogeographische Klangexkursionen im Liebig 12, Liebigstraße 12.

Sonntagmittag – Wer durch jede erdenkliche Tür passt und etwas daran ändern möchte, spielt bekanntlich Rugby. Aber mit wem und wo? Schulterverbreiterung für alle gibt es heute beim Bruisers‘ Family Touch Rugby, von 15 bis 17 Uhr auf dem Tempelhofer Feld, etwas nördlich vom Eingang Herrfurthstraße. Die „Berlin Bruisers“ sind übrigens der erste schwule, zugleich aber vollumfänglich inklusive Rugby-Verein der Stadt, das heißt: Es ist wirklich jede:r willkommen, sich ein wenig zu verausgaben und zu verbeulen.

Sonntagabend – Unweit der Einflugschneise zum ehemaligen Flughafen Tempelhof erklingt heute um 18 Uhr endlich: Music for Airports. Erwartungsgemäß mit über einer Dekade Verspätung. Das aber macht gar nichts, schließlich markieren Brian Enos gleichnamige Kompositionen von 1978 die Geburt des Ambient-Genres – und Ambient heißt nun mal: Kein Stress. Keinen Stress gibt es folglich zum Wochenendeende auch in der Villa Neuköln (Hermannstraße 233), wo Enos Ansatz mit Klavier, Elektronik und abstrakten visuellen Stimuli neu interpretiert wird.

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„CHANGES. Berliner Festspiele 2012–2021“ ist die Selbstanalyse einer Institution entlang von fünf Leitbegriffen: Formate, Digitalkultur, Identitätspolitik, Immersion und Nachhaltigkeit. Sie wird ergänzt um eine umfangreiche Bildstrecke und eine Chronik.
Ab 20. Oktober im Verlag Theater der Zeit und bereits jetzt im ICC und online erhältlich.
 

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Chantal, die liebe Sau von Nebenan, sagte neulich etwas über Alpakas: Sie seien ja so einfühlsam. Und weiter: Mit ihnen könne sie über Dinge reden. Damit ließ sie mich dann stehen. Ich weiß ja nicht, wie sie das an meiner statt sähen, aber ich war schon ein wenig gekränkt. Ich gebe schließlich einiges auf meine Sensibilität, eine unabdingbare Voraussetzung für den Künstlerberuf. Wie dem auch sei, natürlich wollte ich mir selbst ein Bild verschaffen und rief flugs bei Cornelia Schnippa von Lausitzleben an – ihres Zeichens Alpakaflüsterin. Mit ihr und einigen Alpakas ging ich dann auf Wanderung in Tätzschwitz, am Geierswalder See. Ich war ja skeptisch. Unterwegs aber begegneten wir Kühen, Meerschweinchen, Wachteln, Enten und Katzen. Und alle erzählten den Alpakas einfach so Sachen, während die Alpakas bloß mit ihren großen Wimpern blinzelten. Sie galten als ausgezeichnete Zuhörer. Tags drauf, beim Essen, säufzte Chantal, unzufrieden in den Trüffeln stochernd. Ich hatte mir extra lange Wimpern angeklebt, schwieg und blinzelte nur. Bald erzählte Chantal, wie sie noch nie erzählt hatte. Ich sei ein guter Zuhörer, sagte sie schließlich. Nun, seitdem blinzle ich kaum noch. Chantal aber habe ich einen Gutschein für die Alpakawanderungen geschenkt. Ich empfehle mich (für andere Zuhörzwecke), mit freundlichen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Erinnern Sie sich noch an das ICC? Klar tun Sie das. Falls aber doch Details langsam verblassen: Thomas Oberender, Chef der Berliner Festspiele, will das Gelände ein letztes Mal zu neuem Leben erwecken und wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückholen – natürlich mit Kunst. Christiane Meixner (Abo) hat sich das einmal für Sie angeschaut.

Wer meint, dass eine Dekade Verspätung, wie bei der Music for Airports (siehe oben), schon viel ist, lese Frederik Hanssen (Abo). Am heutigen Samstag ertönt Beethovens Zehnte (sic!), zum ersten Mal überhaupt, in Ludwig Vans Geburtsstadt Bonn – und zwar 193 Jahre zu spät.

Wer sich schon immer fragte, wie es wohl ist, hundert Jahre alt zu sein, lese diesen kurzen Bericht von Joana Nietfeld (Abo) über Hans Nommensen.

Wochen­rätsel

Berlin hat es mal wieder in die amerikanische Presse geschafft. Was lobt die „New York Times“ an der besten Stadt der Welt?

a) den vorbildlichen Bildungssektor
b) die klimafreundlichen Straßenbahnen
c) die herzliche Berliner Mundart
 

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben, sang Reinald Grebe vor 16 Jahren – bald sind sie in Halleluja-Berlin angekommen. Innerhalb des Berliner Rings, nur 30 Kilometer vom Alex entfernt, hat sich ein ganzes Rudel angesiedelt. Wir wissen nicht, wie viele Revierbesichtigungen die sechsköpfige Familie gebraucht hat und wie lang die Schlangen waren – aber klar ist: Den Wölfen geht es nicht besser als jeder anderen Berliner Kleinfamilie: „Eigentlich ist das Gebiet zu klein für ein Rudel“, sagt Nora Künkler von der Heinz Sielmann Stiftung. Ob mit oder ohne Revierberechtigungsschein: Es hätte sie schlechter treffen können. Familie Wolf hat jetzt 1800 Hektar Naturschutzgebiet für sich allein. Die gastronomischen Angebote im neuen Kiez können sich auch sehen lassen: Rehe, Wildschweine, Ziegen und Schafe. Nur die Anbindung ist nicht so doll: Nach Spandau läuft man sich einen Wolf.

Apropos Spandau: Dort werden aktuell Urnenträger gesucht (Beweis). Ob das etwas mit möglichen Nachwahlen zu tun hat, ist nicht bekannt.

Gut gewählt war heute mal wieder das Checkpoint-Personal mit Thomas Lippold (Recherche) und Kathrin Maurer (Produktion). Am Montag trägt hier Julius Betschka alles Wichtige für Sie zusammen.

Schönes Wochenende!
 
Ihre

Anke Myrrhe