Digitale Welten und Medienkompetenz, Kunst mit Kindern
Samstagmorgen – Nie war die Welt durchdrungener von digitaler Technologie als in Lockdown Zeiten, mit der kontaktlosen Bezahlung an der Kasse, dem Online-Shopping oder der Verlagerung des gesamten Kulturangebots auf das Internet. Umso wichtiger sind etwas Nachdenken und der bewusste Umgang mit den Möglichkeiten der Vernetzung. Während sich die Transmediale unter neuer Leitung entschleunigt und auf ein ganzes Jahr verteilt, bleibt ihr experimentellerer Partner club transmediale zeitlich fokussiert und inhaltlich ausufernd. Schon mit der Suche nach Inhalten kann man auf der unübersichtlichen Website locker den ganzen Samstagvormittag verbringen. Nie weiß man, ob sich hinter einem Klick ein Kunstvideo, ein Audiostream oder nur die Beschreibung von etwas auftut, was noch kommt – wer schon jetzt seinen Adventskalender vermisst, findet hier geistreichen Ersatz.
Samstagmittag – Beim Zurechtfinden im Netz hilft natürlich auch Medienkompetenz, und die beginnt nicht erst beim verwirrenden Anblick eines Webbrowsers. Wer hinter die Kulissen einer Anwendung steigen kann, versteht wie Programme und Webseiten aufgebaut sind, klickt mutmaßlich auch anders mit seiner Computermaus. Dass solche Fertigkeiten auch Grundvoraussetzung zum Schaffen vieler Formen der Netz- und Medienkunst darstellen, versteht sich von selbst. Silicon Valley Kids bietet Online-Kurse und Workshops zum Erlernen im Netz gebräuchlicher Programmiersprachen und sogar der Robotik – und zwar für Kinder und, damit die nicht wie so oft abgehängt werden, Eltern.
Samstagabend – Joseph Beuys kam im Mai vor 100 Jahren in Krefeld zur Welt. Irgendwann gelangte er über Umwege auch nach Berlin, wo er eine besondere Beziehung zur Wilmersdorfer Schaperstraße entwickelte. Dort befand sich die Galerie René Blocks, der den Künstler mit dem spektakulären Verkauf der Beuys-Arbeit „The Pack“ in die Riege der bekanntesten Künstler seiner Zeit katapultierte. Am Samstag überträgt das Theater Krefeld & Mönchengladbach um 19:30 Uhr die Premiere von Beuys Küche von Sebastian Blasius und Christoph Klimke. Laut PR-Text „kein biographisches Stück, sondern eine unterhaltsam herausfordernde Inszenierung, die an Beuys‘ künstlerische Prinzipen andocken und sie für das Theater fruchtbar machen möchte“. Wer aus Berlin und vor allem der Schaperstraße aus zusieht, kann imaginär ein wenig Kunstgeschichte nachzeichnen.
Sonntagmorgen – Struktureller Rassismus hat bekanntlich meist nichts mit bösen Absichten zu tun, ist oft schwer erkennbar und erfordert, vor allem, wenn man sich nicht betroffen fühlt, durchaus eine bewusste Entscheidung zur Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung sowie die kritische Hinterfragung des eigenen Denkens. Dabei ist niemand auf sich allein gestellt, es gibt, neben reichlich Literatur auch antirassistische Trainings in Workshops und Seminaren, wie sie in unregelmäßigen Abständen von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Bildungsstätte Anne Frank und anderen angeboten werden.
Sonntagmittag – Einen Abstecher nach Wien erlaubt das Angebot an Online-Führungen durch die Museen Albertina und Albertina modern. Etwa, aktuell, durch die Sammlung Essl oder die Sammlung Batliner, mit Werken von Monet bis Picasso. Mit etwas Glück erlangt man hier Kunstkompetenz, bei Bedarf sogar Kindergerecht aufbereitet: Eine Reihe von Eltern-Kind-Programmpunkten sorgt für generationsübergreifende Harmonie – oder Diskussionsgrundlagen.
Sonntagabend – Apropos Medienkompetenz: Klingende Medienkunst ist von Anfang an Teil des Berliner Errant Sound Programms. Sein Name lässt sich leicht unter anderem darauf beziehen, dass, einigen medientheoretischen Überlegungen zufolge, das Medium und seine Funktionsweise eigentlich erst sicht- und hörbar werden, wenn ein technischer Fehler vorliegt. Arbeitet der Fernseher zuverlässig, denkt niemand an den Fernseher, sondern an den Film. Mit der Störung ändert sich das schlagartig. Zum Wochenendeende streamt das Errant Sound Kollektiv ab 20 Uhr eine Reihe von mediale und musikalische Horizonte erweiternden Live-Konzerten und Gesprächspanels.