nicht nur bei der SPD geht es gerade hoch her, nicht nur Neukölln wird politisch durcheinandergewürfelt. Der Grünen-Abgeordnete Turgut Altuğ aus Kreuzberg tritt zum Ende des Monats aus der Fraktion aus und machte in einer Mail gestern Abend seiner Partei schwere Vorwürfe. Lesen wir doch mal rein:
+ Grüne Kernthemen („Verbraucher- und Naturschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Umwelt- und Naturbildung sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung“) spielten in der Fraktion „nur noch eine nachgeordnete Rolle“.
+ Die Fraktionsführung (Bettina Jarasch und Spitzenkandidat Werner Graf) agiere „mit autoritärer Hand“. Der Raum für offene Debatten habe sich „immer weiter verengt, hin zu einem Einheitsbrei an Meinungen, mit kaum Platz für Widerspruch oder Rückgrat“.
+ Die „überwiegende Mehrheit der Fraktion“ nähere sich „politisch leider immer stärker der Partei Die Linke“ an – „sichtbar in unzähligen gemeinsamen Anträgen und Initiativen im Parlament“. Turgut vermisse „seit Langem eine klare inhaltliche Abgrenzung der Grünen gegenüber dieser Partei, die zudem Antisemitismus in den eigenen Reihen kaum bekämpft“.
+ „Nicht zuletzt dominiert auch die sogenannte Identitätspolitik zunehmend die Arbeit in der Grünen Fraktion und Partei. Gleichzeitig lebt eine große Mehrheit der Partei in ihrer eigenen ‚Bubble‘ und entfernt sich immer weiter von der Lebensrealität vieler Berlinerinnen und Berlinern.“
+ „Dass eine feministische Partei einen Mann als Spitzenkandidaten nominiert beziehungsweise aufstellen wird, ist für mich nicht tragbar. Daher werde ich leider auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen verlassen müssen.“
Turgut Altuğ hatte seit 2011 für die Grünen stets ein Direktmandat geholt. Dafür wurde er nun nicht erneut nominiert. Die Fraktionsvorsitzenden kommentierten knapp: „Wir bedauern den Austritt von Dr. Turgut Altuğ sehr und sind ihm dankbar für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Berliner Bäume, den Verbraucherschutz und unser Stadtgrün.“ Für weitere Stellungnahmen waren Bettina Jarasch und Werner Graf am Abend nicht erreichbar.
Am Ende seiner Erklärung deutet Altuğ an, einer anderen Partei beitreten zu wollen. Die Linke wird es vermutlich nicht sein. Doch ein konkretes Angebot gibt es bereits: Timur Husein, Kreischef der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg, bietet Altuğ bei den Christdemokraten eine neue politische Heimat an. „Wir bedauern sehr, dass die Grünen die Arbeit des Kollegen Altuğ im Kiez nicht wertschätzen“, sagte Husein dem Checkpoint. „Wir laden Kollege Altuğ herzlich ein, sich in Kreuzberg bei der CDU zu engagieren. Wir streiten übrigens auch miteinander, weil das wichtig ist.“ Linke Identitätspolitik gebe es nicht in der CDU. „Dafür eine Brandmauer gegen Antisemitismus, wie er sich bei der Linkspartei breit macht.“
Und damit zurück zur SPD. Am Wochenende wollen die Genossen Steffen Krach endgültig zu ihrem Spitzenkandidaten küren, doch der Parteitag wird vom Eklat um Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel überschattet (Checkpoint von gestern).
Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagt Hikel: „Ich muss am Ende im Wahlkampf mein Gesicht für die SPD in Neukölln hinhalten.“ Ein Satz, der Raum für viel Interpretation lässt. Hikels Co-Parteichefin Nicola Böcker-Giannini hofft noch auf einen aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl im nächsten Jahr. „Ich würde mir wünschen, einen entsprechenden Platz in meinem Kreis zu bekommen“, sagt sie im Interview. „Das hat aber nichts mit meinem Amt als Landesvorsitzende zu tun.“ Man kann das so sehen. Nur: Wer soll einer Partei vertrauen, die ihr Spitzenpersonal nicht nach vorn schickt?
Und es sieht so aus, als würde Böcker-Giannini die nächste SPD-Spitzenpolitikerin, die von den Genossen eiskalt abserviert wird. In ihrem Reinickendorfer Kreisverband hat die Landesvorsitzende offenbar so wenig Rückhalt, dass sie bei der Listenaufstellung leer ausgehen könnte. Nach Checkpoint-Informationen ist weder der linke noch der konservative Parteiflügel bereit, sie zu unterstützen. Als Direktkandidatin in Heiligensee dürfte sie kaum Chancen haben, hier gewann die CDU zuletzt mit 22 Prozent Vorsprung.
Und wer soll stattdessen auf die Liste in Reinickendorf? Eine Frau mit illustrer Familiengeschichte: Laurence Stroedter, Tochter des Abgeordneten Jörg Stroedter, dem Lebensgefährten von Innensenatorin Iris Spranger. Und die hatte vor zwei Jahren ihre Staatssekretärin im Streit rausgeschmissen: Nicola Böcker-Giannini.
Anzeige
Blick auf Berlin: Ein Jahr nach dem Totalcrash, Berlins Kultur im Wandel
Die Berliner Kulturpolitik steht seit den 2024 bekannt gewordenen Kürzungen im Zeichen von tiefgreifenden Umbrüchen.
Wir diskutieren mit internationalen Kulturkorrespondent*innen darüber, wie Berlin heute kulturell wahrgenommen wird.
Der Eintritt ist frei. Anmeldung hier.
Und der Spitzenkandidat? Freut sich vermutlich, dass er derzeit noch dann und wann nach Hannover flüchten kann. Er will die innerparteilichen Debatten der vergangenen Tage schnell abhaken: „Es ist mir wichtiger nach vorne zu blicken, weil das Thema Sicherheit und Sauberkeit viele Menschen in unserer Stadt bewegt“, sagte Steffen Krach dem Checkpoint. „Das Bedürfnis danach ist weder konservativ, noch links, sondern menschlich. Die Menschen in unserer Stadt erwarten ein entschlossenes Vorgehen gegen jegliche Form von Kriminalität und dafür stehe ich ohne Wenn und Aber. Es ist die Aufgabe der SPD, dafür zu sorgen, dass sich die Menschen in unserer Stadt sicher und wohl fühlen, egal wie sie heißen, wo sie wohnen, oder wie sie in unserer Stadt unterwegs sind.“ Zumindest er scheint sich in der SPD noch wohlzufühlen.

An der Kreuzung südlich der Ebertbrücke in Mitte will man Fußgänger wohl besonders gut vor Autofahrern schützen: Alle vier Fußwege sind dort mit Stahlgeländern abgesperrt und das seit mehr als 30 Jahren. Wer die Straße überqueren will, muss sich umständlich durchs Geländer fädeln oder 50 Meter um die Absperrung herumlaufen.
Das muss so, erklärt das Bezirksamt auf Nachfrage: Die Bordsteine seien aus „brückenbautechnisch-konstruktiven Zwängen“ zu hoch angelegt und deshalb eine große Unfallgefahr für Fußgänger. „Um dennoch eine barrierefreie Passage an diesem Knoten zu ermöglichen, werden die Passanten nun durch das Verkehrsschutzgitter – seinem verkehrlichen Sinn entsprechend – gezielt bis an jene Stellen geleitet, an denen durch die baulich angelegten Bordabsenkungen eine barrierefreie Querung möglich ist.“ Alles klar?
Immerhin plant die Verkehrsverwaltung inzwischen, die Stelle so umzubauen, dass man direkt an der Ebertbrücke über die Straße gehen kann. Dann könnten auch einige Geländer wegfallen. Dauert hoffentlich keine weiteren 30 Jahre.
Anzeige
Verbindliche Anmeldungen unter
030 / 83 21 794 20 von Mo bis Fr zwischen 9:30 – 17:30 Uhr oder
freedom-week@berliner-sparkasse.de.
Mehr
Wenn Sie den Regierenden Bürgermeister demnächst mit Goldkette durch die Stadt laufen sehen: Der verschollene und wiederentdeckte Amtsklunker ist es nicht. Kai Wegner (CDU) eröffnet als Schirmherr am Sonnabend im Roten Rathaus den ersten Berliner Hip-Hop-Ball. Initiatorin Sajeh Tavassoli hat die Idee aus Wien mitgebracht. „Was Wien an Ballkultur hat, hat Berlin an urbaner Kultur“, sagte sie dem Checkpoint. Deshalb sei naheliegend, beides zu verbinden: ein Ball mit HipHop-Musik und klassischen Orchestern, inklusive Graffiti-Ausstellung.
Erklingen soll dann etwa der „Urbane Walzertanz“, eine Version von „An der schönen blauen Donau“ mit HipHop-Beats. Dazu herrscht ein strenger Dresscode: Frack oder langes Kleid und Sneakerpflicht. Hip Hop ist eine ernste Angelegenheit: „Der Einlass kann leider verweigert werden, wenn der Dresscode nicht eingehalten wird.“ Tickets gibt’s ab 150 Euro, gesponsort von Uber, dem Land entstünden keine Kosten, versichert die Senatskanzlei auf Checkpoint-Anfrage: „Ein solches Angebot passt zu Berlin als internationale, attraktive und junge Metropole.“ Es kommentiert Checkpoint-Gastkritiker Penny Rimbaud (Crass): Punk is dead.
Apropos Musik: Gespielt hat die Checkpoint-Band zwar nicht bei der Verleihung der „Listen-to-Berlin-Awards“ der Berlin Music Commission gestern Abend im Kesselhaus der Kulturbrauerei, präsent war sie aber schon: Erst erzählte Moderation Diona Bathily bei der Vorstellung von Laudator Lorenz Maroldt (Kategorie Kulturjournalismus, Gewinner Jens Balzer) dem Publikum, wie gut ihr einer unserer Auftritte gefallen hat. Dann lobte IBB-Kommunikationschef Jens Holtkamp bei seiner Rede unseren Karriereplan: erst erfolgreicher Journalismus als Basis, dann der Durchbruch mit der Musik. In der Kategorie Youth-Award (Gewinner hier: Taubenraucher) können wir so allerdings leider nicht mehr antreten, wie BMC-Macher Olaf „Gemse“ Kretschmar bedauernd erklärte. Wir konzentrieren uns ohnehin auf den Auftritt morgen Abend mit unserer Berlin-Revue bei den Stachelschweinen. Die Show ist zwar ausverkauft (wie auch die am 4. Dezember), aber schon bald werden wir hier neue Termine verkünden. Checkpoint-Leser erfahren sie als erste!
Anzeige
Anke Engelke und Ulrich Tukur in einer berührenden Hommage an eine vergessene Liebe:
DANN PASSIERT DAS LEBEN
Jetzt im Delphi Filmpalast, Filmtheater am Friedrichshain, Kino in der Kulturbrauerei, Capitol, Kant-Kino, Yorck, Filmkunst 66, Zoo Palast, Astor Filmlounge, Bundesplatz-Kino, Union, Spreehöfe, CinemaxX, Blauer Stern und UCI East Side Gallery.
Und noch ein paar Leseempfehlungen:
+ „Legt eure Smartphones nieder und studiert Geschichte!“: Berliner Grundschüler feiern am Veterans Day ehemalige US-Soldaten.
+ Allein auf dem Pausenhof: Was, wenn mein Kind keine Freunde findet?
+ Größere Böllerverbotszonen – aber keine Absperrgitter: Das sind die Pläne der Berliner Polizei für Silvester.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Nicht in Turnschuhen, aber auf Mission: Vitali Klitschko ist in Berlin. Am Vorabend des Kyiv Investment Forums empfingen Kai Wegner und Franziska Giffey den Bürgermeister von Kiew gestern im Roten Rathaus.
Investiert werden soll auch in Berlin – und zwar 5,2 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes. Davon sollen nun doch nur eine Milliarde für Bäume ausgegeben werden (und nicht wie ursprünglich geplant das Doppelte). Und der Rest? Wird hier vorläufig verteilt.
Anzeige
Alles was Dir gehört, dem gehörst Du auch!
Erleben Sie die faszinierende Lebensgeschichte von Klaus Zapf. Eine kurzweilige Biografie, mit all seinen Ecken und Kanten. Aber auch eine Berliner Stadtchronik, erzählt zwischen Containern, Chaos und Kiezcharme.
Jetzt direkt im zapf-Shop bestellen.
Insgesamt 29 Stolpersteine wurden seit 2020 in Berlin beschädigt oder gestohlen (Quelle: Anfrage von Vasili Franco, Grüne). Die Täter sind wohl vor allem dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen und kamen überwiegend straffrei davon. Nur dreimal hat die Polizei jemand Tatverdächtigen gefunden.
Und damit sind wir schon mittendrin in der Realität mit einigen verstörenden Meldungen von den Unis der Stadt…
+ Das Studierendenparlament der HU hat einen früheren Beschluss aufgehoben, der die anti-israelische BDS-Kampagne als antisemitisch beurteilte. Damit hat das höchste Organ der Studierendenschaft auch das Verbot abgeräumt, BDS-nahe Gruppen an der HU zu unterstützen.
+ Gestern Nachmittag hätte an der FU ein Gespräch mit Hadar Sharvit stattfinden sollen, Überlebende des Nova-Festivals, das die Hamas am 7. Oktober 2023 überfallen und 411 Menschen ermordet hat. Nach Warnungen deutscher und israelischer Sicherheitsbehörden wurde die Veranstaltung in die gerade laufende Ausstellung nach Tempelhof verlegt. Die FU ist offenbar kein Ort, an dem man ein solches Gespräch heute in Sicherheit führen kann.
+ Politisch geht es auch an der TU hoch her: Die Uni wählt eine neue Leitung und kann sich vor Interessenten für das Präsidentenamt kaum retten. Fünf Kandidaten sind noch im Rennen, darunter auch die umstrittene Amtsinhaberin Geraldine Rauch, die im vergangenen Jahr einen antisemitischen Tweet geliked hatte. Den Überblick hat nur noch unser Kollege Tilmann Warnecke.
Weitere Nachrichten aus der Kategorie „Institution schließt“. Das Biergarten-Restaurant „Luise“ direkt am U-Bahnhof Dahlem-Dorf macht Ende des Jahres dicht. Nach Corona ging’s bergab, sagt Eigentümer Matthias Wegert (Quelle: BZ) – und will die Kosten nicht mehr tragen.
1319 Mal ist im vergangenen Jahr der Abschleppwagen angerückt, um Falschparker von den Gehwegen zu räumen. Reicht das? Wir wüssten gern: Wo sind die Gehwege bei Ihnen im Kiez regelmäßig zugeparkt? Wir freuen uns auf Ihre Antworten (gern mit Foto) an: checkpoint@tagesspiegel.de.
Anzeige
Entdecken Sie den The Curtain Club im The Ritz-Carlton, Berlin – ein stilvoller Rückzugsort im 20er-Jahre-Ambiente. Genießen Sie den berühmten Königsburger mit einem Glas Veuve Clicquot Rosé & Brut – ein exklusives Erlebnis in charmanter, eleganter Atmosphäre. Jetzt buchen!
Klassenkampf war gestern: Die Wallstreet zieht nach Kreuzberg. Die US-Großbank JPMorgan Chase eröffnet ihre deutsche Zentrale – ausgerechnet in der Rudy-Dutschke-Straße. Wenn der wüsste.
Eine Rote Karte gibt’s manchmal auch bei Union Berlin – und zwar für die Fans. 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster entdeckte einen Zettel inklusive Farbcode und dem Hinweis: Du trägst das FALSCHE Rot. Fußballkenner wissen natürlich: Das Weinrot steht für den alten Erzrivalen BFC Dynamo. Aber: In welcher Liga spielt der noch mal?
Wir heben das Schnapsglas für eine besondere Jubilarin: Am 11.11 hat Gertrude Oertel aus Schöneweide „bei guter Gesundheit“ ihren 111. Geburtstag gefeiert. Sie wurde wenig Monate nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs geboren und ist laut B.Z. die älteste Berlinerin. Team Checkpoint gratuliert (nachträglich, aber umso herzlicher).
Zitat
„Liebe Fahrgäste, wir haben uns leider verfahren und müssen auf eine andere Strecke ausweichen.“
Der Zugführer im ICE 1003 von Berlin nach München kündigt am Dienstagvormittag eine Verspätung von anderthalb Stunden an und bereichert uns um einen weiteren Eintrag fürs Betriebsstörungsbingo. „Kein Witz, auch wenn heute Karnevalbeginn ist“, kommentiert Checkpoint-Leserin Selma Tuzlali aus besagtem ICE.
Stadtleben
Verlosung – Die Choreografin Eun-Me Ahn hat offensichtlich keine Angst vor Spannungsfeldern. In ihren Arbeiten verbindet die in Seoul geborene Tänzerin Tradition und zeitgenössische Kunst, Ost und West. Und zwar so, dass es aufregend aussieht, neue Perspektiven bietet und Spaß macht. Am Sonnabend erlebt im Haus der Berliner Festspiele ihre neueste Arbeit „Post-Orientalist Express“ ihre europäische Erstaufführung (19.30 Uhr), und wir laden Sie ein: 2x2 Karten sind im Lostopf! Es geht u.a. um Klischees über Asien. Ein paar reguläre Karten gibt es auch noch, ab 17 Euro, Schaperstraße 24, U-Bhf Spichernstr.
Essen & Trinken – Man versündigte sich an der Wahrheit, behauptete man, dass es in Berlin eine Unterversorgung an Bánh mì gebe. Das vietnamesische Sandwich ist eine feste Größe in der Stadt geworden. Ein Exemplar der Extraklasse gibt es seit ein paar Wochen bei „Ça va Saigon“. Zwei Varianten stehen auf der Karte. Einmal vegan mit hausgemachtem knusprig ausgebacken Seitan, einmal mit in Betelblättern eingerolltem Rinderhack. Beide Varianten kommen mit eingelegten Gemüse und vielen Kräutern wie Thai-Basilikum, Shisokresse und Koriander. Auch echt gut: das hauseigene Chili-Crisp. Mi-So 11.30-20 Uhr, Ackerstraße 144, U-Bhf Rosenthaler Platz
Noch hingehen – Berlin bildet sich einiges auf seine Freiheit ein, eine „Freedom Week“ wird in der selbsternannten „Stadt der Freiheit“ aber zum ersten Mal zelebriert. Noch bis Sonnabend laufen rund 130 Veranstaltungen, darunter Workshops, Ausstellungen, Zeitzeugengespräche … Im Zentrum immer die Fragen: Was bedeutet Freiheit? Und: Wie erhalten wir sie uns in diesen Zeiten? Heute läuft u.a. die erste Episode der neuen taiwanischen TV-Serie „Zero Day Attack“, die fiktiv eine Invasion Taiwans durch China durchspielt. Anschließend gibt es im Zeiss-Großplanetarium eine Diskussion zu diesem leider enorm aktuellen Thema (ab 18 Uhr, Eintritt frei, aber Anmeldung erbeten), Prenzlauer Allee 80, S-Bhf Prenzlauer Allee
Last-Minute-Lesung – Ein neuer Körper-Roman: Über den ihrer eigenen Mutter hatte Daniela Dröscher in „Lügen über meine Mutter“ geschrieben; nun ist der Körper von Ela an der Reihe: Eine junge Doktorandin, die in „Junge Frau mit Katze“ im Mittelpunkt steht. Ela hat ohnehin schon genug Stress, und jetzt beginnen auch noch diverse Körperteile zu rebellieren. Auf den Zusammenbruch folgt eine Odyssee durch Arztpraxen – Spoiler: Die Leistungsgesellschaft spielt auch eine Rolle. Lesung und Gespräch heute Abend in der Humboldt-Bibliothek, 19.30 Uhr, 8/5 Euro, Karolinenstraße 19, S-Bhf Tegel
Grübelstoff – 1234 oder der Vorname Ihres Hundes? Anscheinend sind wir beim Thema Passwörter fast alle ähnlich schlampig und bequem, zumindest legen das neue Zahlen der IT-Sicherheitsbehörde nahe. Ganz unter uns, wir verraten es auch nicht weiter: Wie lautet ihr Universal-Passwort?
Kiekste
S-Bahn-Romantik pur: Checkpoint-Leserin Heike Scholz hat diesen stimmungsvollen Moment eingefangen. Schicken Sie Ihre schönsten Berlin-Motive an checkpoint@tagesspiegel.de. Mit Ihrer Zusendung nehmen Sie aktuell an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.
Berlin heute
Verkehr – A111 (Reinickendorf-Zubringer): Die A111 wird in den folgenden beiden Nächten, jeweils von 20 bis 5 Uhr, in beiden Richtungen zwischen Am Festplatz und Holzhauser Straße gesperrt. Eine Umleitung ist eingerichtet.
Werneuchener Straße (Alt-Hohenschönhausen): Die Fahrbahn wird zwischen Genslerstraße und Goeckestraße auf einen gemeinsamen Fahrstreifen für beide Richtungen verengt (voraussichtlich bis Mitte Dezember).
Lietzenburger Straße (Charlottenburg): Die Fahrbahn ist in beiden Richtungen zwischen Joachimsthaler Straße und Meineckestraße auf jeweils zwei Fahrstreifen verengt und verschwenkt. Die Arbeiten dauern ca. ein Jahr.
Demonstration – Für heute sind 18 Demos angemeldet (Stand 11.11., 16.45 Uhr), u.a. „Elterndialog mit Abgeordneten ‚Was braucht Berlin jetzt für gute Bildung?‘“: zehn Teilnehmende, Elterninitiative Lautwerden für Bildung, Niederkirchnerstraße 5 (11-12 Uhr)
„Kürzungen in der Hochschule, gegen Streichung von Studiengängen“: 50 Demonstrierende, ASTA der HTW Berlin, Johannes-Kraaz-Straße/Ernst-Ziesel-Straße (12-15 Uhr)
„Ni una menos – Aktion gegen Femizide Wir, eine Initiative von Frauen*projekten im Bezirk, Aktivist*innen und der Gleichstellungsbeauftragten machen auf Gewalt gegen FLINTA aufmerksam und machen Femizide sichtbar (...)“: sieben Menschen, Bezirksamt Treptow-Köpenick (15.30-18 Uhr)
„Für Würde und Gleichheit – Neukölln sagt Nein zu Likud! Solidarität mit Palästina Keine Waffenlieferungen an Israel Kriegsverbrecher vor Gericht“: 150 Demonstrierende, Karl-Marx-Straße 83 (16-18 Uhr)
„Verdrängung wegen Eigenbedarf verbieten! Verdrängern entgegentreten!“: 30 Protestierende, Joachim-Friedrich-Straße 29 (18-19.30 Uhr)
Gericht – Weil er juristische und medizinische Fachliteratur über das Internet bestellt und nicht bezahlt haben soll, kommt ein 47-Jähriger auf die Anklagebank. Unter falschem Namen soll er insgesamt 263 Bücher im Wert von insgesamt rund 40.000 Euro geordert haben, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen (9 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal K1104).
Universität – In der Reihe „Belarus Lectures“ der Humboldt-Universität findet heute ein Vortrag von Nina Weller statt. Im Zentrum steht das Buch „Feuerdörfer“, es geht es um Wehrmachtsverbrechen in Belarus. Das Buch wurde bei der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet (Kategorie Übersetzung). 18 Uhr, Grimmzentrum, Geschwister-Scholl-Straße 3, Eintritt frei
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Werner Graf (45), Politiker (Grüne), MdA, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Abgeordnetenhaus / Sabina Grzimek (83), Bildhauerin, etliche ihrer Skulpturen stehen in Berlin im öffentlichen Raum, u.a. „Mutter mit Kind“ (Lichtenberg) / Anne Hathaway (43), US-amerikanische Schauspielerin („Der Teufel trägt Prada“), 2023 stellte sie auf der Berlinale den Eröffnungsfilm „She came to me“ vor / Judith Holofernes (49), Musikerin, Songschreiberin und Autorin („Die Träume anderer Leute“), war Frontsängerin der Band Wir sind Helden / „Happy 18, liebe Julia! Von der kleinen Forscherin zur Biochemie-Studentin, wir sind unglaublich stolz auf Dich und haben Dich ganz, ganz lieb!“ / Alexandra Maria Lara (47), rumänisch-deutsche Schauspielerin, in u.a. „Der Untergang“, bis 2025 Co-Präsidentin der Deutschen Filmakademie / „Achim Mollenhauer (82), rüstiger Rentner. Heute zum Geburtstag am 12. November ist der Besuch der alten Nationalgalerie wichtig“ / „Unser lieber Papa und Opi wird heute 80 Jahre alt – alle Berliner Lieros wünschen dir das Allerbeste!“ / Lea Schüller (28), Fußballspielerin, FC Bayern München, 2023 war sie als erste Profi-Fußballerin auf dem Cover der deutschen „Vogue“
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Francis Allemand, * 5. März 1959, verstorben am 10. Oktober 2025 / Roderich H. Boes, * 8. März 1931, verstorben am 13. Oktober 2025 / Prof. Dr. Micha Brumlik, * 4. November 1947, verstorben am 10. November 2025 / Dr. Wolf-Georg Freiherr von Rechenberg, * 20. März 1954, verstorben am 27. Oktober 2025 / Claudia Vieweger (geb. Arndt), * 3. Januar 1948, verstorben am 25. Oktober 2025
Stolperstein – Alice Ruth Feldmann (*1899 in Berlin) arbeitete als Büroangestellte. Die Diskriminierungen, denen Juden und Jüdinnen spätestens ab 1933 ausgesetzt waren, trafen sie besonders hart, weil sie an einer Lungenkrankheit litt. Ein Versuch der Familie, sie zur Behandlung in die Schweiz zu schicken, schlug fehl. Es gelang noch, sie im Oktober 1939 im Westhospital in Charlottenburg unterzubringen, aber sie erholte sich nicht mehr. Ruth Feldmann starb am 12. November 1939. An sie erinnert ein Stolperstein in der Tabbertstraße 14 in Oberschöneweide.
Encore
War das ausgebüxte Känguru in Kladow am Ende nur ein ausgefuchster Werbegag? Die Indizien liegen auf der Hand: Wallaby-Besitzer Jakob Augstein kehrt am Sonntag an den Ort des Geschehens zurück. Im Kladower Kulturforum liest der Verleger aus seinem neuen Roman „Die Farbe des Feuers“, der aber – soweit erkennbar – nicht von Kängurus, sondern von komplizierten Liebesgeflechten in Südfrankreich handelt. Dass sich mit eigensinnigen Beuteltieren gut Bücher verkaufen lassen, hat Marc-Uwe Kling mit seinen „Känguru-Chroniken“ bewiesen. Im Frühjahr 2026 soll der fünfte Band erscheinen, in dem das kommunistische Känguru laut Inhaltsangabe eine Rebellion anzetteln wird. Vielleicht diente der Kladower Artgenosse als Inspiration (oder umgekehrt)?
Inspiration für diesen Checkpoint waren Daniel Böldt, Alexander Fröhlich, Lorenz Maroldt und Christoph Papenhausen (Recherche), Antje Scherer hat das Futter serviert (Stadtleben). Für geordnete Verhältnisse hat Jennifer Katona gesorgt (Produktion). Morgen planen hier Margarethe Gallersdörfer und Daniel Böldt die Rebellion.
Bis bald!

