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Impf-Infos aus BerlinKeine Mehraufnahme von Geflüchteten: Bundesinnenminister antwortet auf Weihnachtsappell der AbgeordnetenNächste Station Gasometer! Deutsche Bahn zieht nach Schöneberg

wir starten mit einem kurzen Sicherheitshinweis am Samstagmorgen: Wenn sich heute 3,7 Millionen Berliner:innen in Berlins 68 Aldi-Märkte quetschen, wäre jede einzelne dieser Filiale mit durchschnittlich 54.411 Menschen relativ ausgelastet. Weise wer da wartet: Kommende Woche sollen die Corona-Selbsttests auch in diversen Drogerien angeboten werden…

Die aktuellen Impf-Infos: Laut Gesundheitsverwaltung hat Berlin bislang rund 463.000 Impfdosen der Hersteller Biontech, Moderna und Astrazeneca erhalten. Um Lieferprobleme für mindestens eine Woche kompensieren zu können, werden rund 20 Prozent jeder Marke zurückgehalten. 75 Prozent der über 80-Jährigen haben mittlerweile einen Impftermin oder die Impfung erhalten. Buchungscodes „an große Gruppen unter 65 Lebensjahren“ – darunter an Kita-Personal und Lehrer:innen (eine komplette Öffnung der Schulen deutet sich an) – wurden am Freitag versandt. Astrazeneca, so heißt es, könnte bereits in der kommenden für alle „freigegeben“ werden. Zeit wird’s. Die Corona-Variante B.1.1.7 hat sich offenbar schon stärker verbreitet als bisher bekannt. Berlins größtes Labor wies die Mutation in den letzten Wochen bereits in 52 Prozent der positiven Proben nach.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte am Freitag ein hoffnungsvolle Botschaft zu verkünden. Nach einer groß angelegten Drogen-Razzia im Park (180 Beamte) erklärte er: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir wollen klarmachen: Der Görlitzer Park gehört nicht den Dealern, sondern den Menschen in Kreuzberg“ – und wurde prompt von einem dieser Menschen unterbrochen und korrigiert: „Noch nicht, gar nicht besser geworden.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Ein Tiergartenspaziergang führt heute über Hansaplatz und die Akademie der Künste am Hanseatenweg. Der Architekt hinter U-Bahnhof und Akademiekomplex, Werner Düttmann, würde heute hundert Jahre alt, was die AdK mit einer Ausstellung im Foyerbereich feiert. Wer das Gebäude nur von Veranstaltungen im mit Kupfer überdachten Studio oder dem Ausstellungsraum kennt, weiß vermutlich nicht, wie weit sich der Komplex mit Atelier- und Arbeitsräumen, Werkstätten, großem Wohnbereich, vielen, kleinen Höfen und mehr erstreckt – und das, dank Düttmanns Architektur, nahezu unmerklich. Für alle, die stattdessen in Mitte promenieren, empfiehlt sich das Streifen der Volksbühne. Die feiert den Hundertfünfzigsten von Rosa Luxemburg mit einer Plakatausstellung im Pavillon des Hauses, der dafür nicht betreten werden muss: Von außen sind 28 Arbeiten von Künstler:innen aus Athen zu sehen, die sich mit der 1919 von rechtsradikalen Militärs gefolterten und ermordeten KPD-Mitgründerin auseinandersetzten.

Samstagmittag – Mal wieder zu vitaminreich gefrühstückt, jetzt vollkommen hibbelig vor lauter Vitalität durch die Straßen rasend, nicht wissend, was mit sich anstellen? In den Neuköllner Kindlstuben hat man sich des Problems angenommen und einen Spätzle- und Schnitzel-Notdienst für alle eingerichtet, die nach dem Gefühl lechzen, einen Stein vom Herzen fallen zu spüren – direkt in die darunter befindliche Magengrube. Es gibt Spätzle mit Speck, vegetarische Spätzle, Spätzle mit Roter Beete, Rosenkohl oder Spinat (alles um 10 Euro), Ungarisches Gulasch (14 Euro) und natürlich Wiener Schnitzel (18,50 Euro). Für Selbstabholer:innen, ab 20 Euro Bestellwert auch mit Lieferung. Mi-So, 17.30-21.30 Uhr.

Samstagabend – Wer kleine Kinder gerne mit Zeichentrickfilmen auf die Schlafenszeit einstimmt, weiß, dass die Kleinen ziemlich schnell begreifen, dass der Episodenvorrat bei Streamingdiensten nahezu unerschöpflich ist und „nur noch eine Folge mehr“ immer geht. Ersparen kann man sich das Gefeilsche um den elterlichen Feierabend mit dem Spatzenkino. Das hier gebotene Programm endet einfach von allein nach etwas über einer halben Stunde. Mehr gibt es nicht, höhere Gewalt, gute Nacht.

Sonntagmorgen – Noch vor einhundert Jahren standen die Zeichen für eine eines Tages große Radiokunst gut. Künstler:innen und Denker:innen spekulierten noch über die Möglichkeiten des neuen Mediums und vieles, was in der Anfangszeit des Rundfunks ausgestrahlt wurde, war von höchst experimentellem Charakter. Walter Ruttmann und Orson Welles sorgten für Aufsehen, Bertolt Brecht, Walter Benjamin und viele andere sahen sich zu langen Abhandlungen veranlasst, ein verheißungsvolles Radiozeitalter schien der Menschheit bevorzustehen. Bis in die heutige durch und durch normierte Radiolandschaft hat sich davon nur wenig gehalten. Eine Ausnahme bildet das Papiripar-Festival, das in diesem Jahr als rund um die Uhr sendendes Experimental-Radio voller akustischer Kuriositäten stattfindet.

Sonntagmittag – Wer Berlin generell als zu laut empfindet und auf kuriose Geräuschkulissen eher gereizt reagiert, stöpsle sie doch einfach aus. Und die beruhigende Stimme freundlicher Audioguides ein: Zahlreiche geführte Spaziergänge durch Berliner Bezirke, Kieze, Gegenden und Themen, wie das Leben in der DDR oder die queere Hauptstadtkultur, inspirieren zum Verlassen eingetretener Pfade.

Sonntagabend und Montag – Morgen ist Internationaler Frauentag. Wer anständig reinfeiern möchte, bestelle sich heute noch Cocktails nach Hause, z.B. bei schnapsfahrer.de, dem Lieferdienst der famosen Neuköllner Tier-Bar. Apropos Frauentag: Künstler:innen sind nicht selten Vorreiter:innen gesellschaftlicher Debatten, so auch in punkto Feminismus. Will man aber über die begehrtesten Künstler:innen aus Deutschland reden, kann man sich das Gendern fast sparen, so sehr hängt der Kunstmarkt hinterher. Unter den aktuellen Top Dreißig befindet sich mit Rosemarie Trockel genau eine Frau. Mit einer künstlerischen Performance um 14 Uhr auf dem Vorplatz der Gemäldegalerie wollen daher überwiegend Berliner Künstlerinnen für einen Fair Share, also angemessenen Marktanteil plädieren – nach eigener Aussage so, dass die Schau auch mit dem gebotenen Abstand zu sehen sein wird. Um Frauen der Kunstgeschichte geht es bei den digitalen und telefonischen Führungen des Deutschen Historischen Museums, und das ab 10 Uhr – für alle also, die es mit den Cocktails am Vorabend nicht übertrieben haben.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. In diesen Zeiten bleibt er jedoch lieber im heimischen Bau und kocht, aus Gründen der Selbsterhaltung, feine vegetarische Gerichte.

Chantal, die Sau von Nebenan, sagt, sie wolle es ordentlich krachen lassen, das Wochenende sei schließlich verlängert, und dass ich mich um nichts zu kümmern brauche. Nun, da ich die gute Chantal schon etwas besser kenne, weiß ich, dass sie an mich in Wahrheit nur die allerhöchsten Ansprüche stellt. Am Montag ist zudem Weltfrauentag. Das finde ich auch angemessen, mich selbst pflege ich schließlich schon aus purer Selbstliebe an jedem anderen Tag des Jahres zu feiern. Nun sind verlängerte Wochenenden und ,es krachen lassen‘ keine guten Vorzeichen für das Magenwohl. Darum zeige ich mich von meiner fürsorglichen Seite und mache was mit Fenchel – der beruhigt das von Ausschweifungen strapazierte Verdauungsorgan und versorgt den Körper mit Vitaminen, Folsäure, Magnesium und Kalzium. Außerdem finde ich das ,Foeniculum vulgare‘, wie wir Schweine es nennen, ganz doldig, genauer: doppeldoldig. Insider: Damit ist es auch verlängert, wie das Wochenende. Um das gute Gemüse ganz im geschmacklichen Mittelpunkt zu belassen, kombiniere ich es mit Reis – es gibt also ein köstliches Fenchelrisotto, garniert mit einer Fenchelblume fürs Auge. Das Rezept finden Sie hier. Ich empfehle mich, mit besten Grunzen.“

Lese­empfehlungen

„Als meine Mutter zu Besuch kam, sagte sie: In einer Villa von einem Kammersänger wohnt ihr? Milch und Brötchen kriegt ihr vor die Tür gestellt, und nebenan ist die Defa? Da könnt ihr doch dolle Filme machen. Das haben wir dann versucht.“ Jutta Hoffmann gehörte zu den bekanntesten Schauspielerinnen der DDR, später arbeitete sie mit Schleef und Zadek am Theater. In dieser Woche feierte sie ihren 80. Geburtstag – Lena Schneider ist mit ihr spazieren gegangen (Abo).

Apropos Spaziergang: Die Historie der Stadt ist in ihre Fassaden eingeschrieben – Christoph Stollowsky geht mit Ihnen auf Zeitreise und flaniert mit Historiker Arne Krasting durch die architektonischen Geschichten Berlins (Abo).

Die Temperaturen tänzeln in Richtung Frühling: Zeit, das Fahrrad aus dem Winterschlaf zu holen. Michael Wiedersich zeigt in 10 Schritten, wie das Zweirad in höchstens 30 Minuten straßentauglich wird (Abo).

Am 1. März 2020 trat die erste Infektion mit dem Coronavirus in Berlin auf. Autor:innen des Tagesspiegels zeichnen in einer interaktiven Chronik alle Ereignisse des Corona-Jahres nach.

Wochen­rätsel

Bis wann verzögert sich die Abfahrt der Züge auf der neuen City-Linie 21 zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen?

a) bis Ende 2022
b) bis Mitte 2025
c) die S-Bahnlinie wurde bereits zur BER-Eröffnung in Betrieb genommen

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Encore

Noch eine wichtige Mitteilung zum Schluss: Der Sommer naht! Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat die alljährliche Instandsetzung von Berlins Badestellen ausgeschrieben. Pünktlich zum ersten Mai sollen 46 Kleinsperrtonnen die Badebereiche in 15 schiffbaren Gewässern kennzeichnen und absichern. Weil baden „in Berlin an vielen Gewässern zum Gemeingebrauch“ gehört. 

Für den gemeingebräuchlichen Checkpoint haben sich heute Thomas Lippold (Recherche) und Florian Schwabe (Produktion) ins Zeug gelegt. Am Dienstag begrüßt Sie an dieser Stelle Lorenz Maroldt.

Ann-Kathrin Hipp