woran erkennen Sie, dass die Sommerferien nahen? Klar: an den Staumeldungen der Flughafengesellschaft. In diesem Sommer betreffen die nicht nur die Warteschlangen an den Countern der platzenden Flughäfen (mindestens zwei Stunden vorher anreisen und keine Klappmesser im Koffer!) sondern auch die Anreise zur Reise. Die S-Bahn beginnt nämlich just zum 19. Juni (letzter Schultag) mit Bauarbeiten in Richtung Schönefeld. Bis zum 5. Juli ist der Flughafen ab Baumschulenweg nur noch per Flugtaxi, pardon: Ersatzverkehr, erreichbar (warum erklären die S-Bahn-Influencer hier, Spoiler: Ging nicht anders). Der verkehrsreichste Tag (mehr als 120 000 Passagiere) ist passenderweise der 5. Juli.
Aber wir gretaklärten Menschen wollen ja ohnehin nur noch Bahn fahren. Während sich die Verschiebungsmeldungen andernorts täglich aneinanderreihen (dazu gleich mehr), erinnern wir uns etwas nostalgisch an Hany Azer, den Mann, der uns den Hauptbahnhof rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 eröffnete – indem er ihn ein Dach kürzer machte. Wäre bei BER und Humboldt-Forum vermutlich etwas zugig im Winter, aber hey: fertig ist fertig und beim HBF fragt heute auch niemand mehr, oder? Azer bekommt heute von Frank-Walter Steinmeier den Bundesverdienstorden überreicht – in Dortmund. Na, hoffentlich fährt da ein Zug.
Anzeige
Wenn es woanders machbar ist, machen wir es doch hier einfach noch besser.
Ferienzeit, Berliner verreisen und staunen. Es gibt Dinge, die funktionieren woanders besser. Da kann man neidisch sein oder es einfach nachmachen. Wir müssen das Rad gar nicht neu erfinden, nur unsere Stadt. Das ist der Anspruch der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.
Gemeldet hat uns das übrigens unser Lieblingsrentner, Klaus Kurpjuweit, Tagesspiegel-Koryphäe in Schiene und Schneise. Passend dazu flattert hier gerade ein Flyer rein, die Odeg will pensionierte Zugführer wieder auf Schiene bringen, Titel: „Zusätzlich zur Rente: Die Odeg rentiert sich“. Das private Eisenbahnunternehmen sucht rüstige Lokführer in Teilzeit für Berlin, Königs Wusterhausen, Jüterborg, Nauen, Rathenow, Cottbus und Görlitz. Zugbegleiter (m/w/d) werden ebenfalls gesucht.
Lehrer, Polizisten, Eisenbahner – die Alten sind angesagt. Nur nicht in der SPD. Und, Klaus, Lust bekommen? „Nee, ich hab‘ keinen Eisenbahnführerschein.“ Immer diese Detailversessenheit.
Was braucht der Mensch abends um halb sieben bei 25 Grad in Marzahn? Richtig, etwas Abkühlung. Genau darum ging es gerade in der Bezirksverordnetenversammlung, als es dunkel wurde: Licht aus, Mikros aus, Notbeleuchtung an, Ratlosigkeit im Freizeitforum, Saunaatmosphäre im fensterlosen Saal. Nach 20 Minuten hoffte Kollege Ingo Salmen schon auf vorzeitige Sommerpause („Der Notstrom hält nicht länger als zwei Stunden.“), doch BVV-Vorsteherin Kathrin Henkel wollte noch schnell die konsensfähigen Punkte durchwinken, als plötzlich Licht und Lautsprecher wieder ansprangen. Statt praktischer Abkühlung für die Verordneten ging es weiter mit der Debatte darüber: Einstimmig sprachen sich die Fraktionen für mehr Wasserspielplätze aus – auch so eine Notmaßnahme. MaHe hat nämlich als einziger Bezirk kein Freibad. „Irgendwann werden auch wir ein Freibad haben“, sagte Sozialdemokrat Klaus Mätz. „Ich werd‘s vielleicht nicht mehr erleben.“ Dafür aber bestimmt den nächsten Stromausfall.
Der war gestern eine größere Sache, auch auf dem Nord-Süd-Tunnel (übrigens auch von Hany Azer eröffnet) ging am Abend nur noch die akkubetriebene Notstrombeleuchtung. Am Potsdamer Platz wurden Blumen mit Taschenlampe verkauft (Q: Abendschau), an der Friedrichstraße das gleiche (dunkle) Bild: keine Anzeigen, keine elektronischen Ansagen, keine Fahrstühle – und der Rolltreppen-Limbo ist auch zurück (ausprobiert von Hatice Akyün).
Nach Auskunft des Stromversorgers Vattenfall waren am Donnerstagnachmittag bei Tiebauarbeiten – ganz Köpenick wacht auf – in der Nähe des „Umspannwerkes Jägerstraße“ in Mitte „zwei bis drei Kabel beschädigt“ worden. Nach viereinhalb Stunden ging dem Tunnel wieder ein Licht auf. Was übrigens die ganze Zeit einwandfrei funktionierte: das Düdüüüüdü.
Ein Zusammenhang des Stromausfalls mit dem Gewitter kann übrigens ausgeschlossen werden. Mit den Spätfolgen des vorvorherigen kämpfen die Anwohner östlich des Ostkreuzes, wo der halbe Kaskelkiez quasi weggeschwemmt wurde. Riesige Löcher in den Gehwegen, volle Keller, eine vollgelaufene Laubenkolonie, eine überschwemmte Kita – und überall trocknende Möbel auf den Straßen. Bitte nicht in Neukölln herumerzählen.
Das Thema hat natürlich auch die BVV Lichtenberg gestern Abend beschäftigt, wo der CDU-Umwelt-Stadtrat Wilfried Nünthel den nassen Peter gleich mal rüber zu den Wasserbetrieben schob. Die seien verantwortlich, weil die Abwassersysteme nicht leistungsstark genug seien. „Jetzt muss geklärt werden, wer verantwortlich ist.“ Den (Wasser)Ball spielen wir gern zurück. „Die Steine sind abgesackt, weil das Wasser Erde und Sand darunter weggespült hat“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe. „Wir wissen allerdings bisher nicht, wohin.“ Ratlose Experten suchen seit zwei Tagen (Steine und Ursache), die Waldorf-Kita „Sonnenbogen“ Ersatzräume, weil ihr Gebäude an der Pfarrstaße mindestens ein halbes Jahr nicht nutzbar sein wird. Ideen, wo die 30 Kinder unterkommen könnten, nehmen wir gern entgegen unter checkpoint@tagesspiegel.de
Ein Antrag der Linken für Unisex-Toiletten an allen Schulen des Bezirks wurde dadurch vorerst weggespült (aka vertagt). Ach, und wenn Sie hier den Knall-Effekt vermissen: Samstag soll das nächste Gewitter kommen.
Apropops: Knall. Wetterbedingt haben wir in den vergangenen Tagen auch gelernt, dass Landen bei Gewitter völlig in Ordnung ist, aussteigen allerdings nicht. Die BZ berichtet von Chaos in Tegel, Passagiere hätten am Dienstag bis drei Uhr morgens im Flieger festgesessen. Ein CP-Leser berichtet, seine Tochter habe nach der Landung um 23:30 Uhr in Schönefeld mehr als zwei Stunden in der Maschine gewartet. Anruf bei Flughafensprecher Hönemann: „Das ist für die Betroffenen ärgerlich, aber in dieser Situation nicht zu verhindern. Gewitter sind nicht steuerbar und über dem Flughafen eine ernste Gefahr für alle, die sich dann auf den Vorfeldern oder Parkpositionen der Flugzeuge befinden. Deshalb wird es auch weiterhin zu Unterbrechungen der Abfertigung kommen, wenn Gewitter es notwendig macht.“ Wie heißt doch gleich die alte Bauernregel? Flieger sollst du suchen, Flugfelder vermeiden. Oder so.
Nachdem wir in dieser Woche die Klage einer Vermieterin (mit SPD-Parteibuch) veröffentlicht haben (CP von Mittwoch), melden sich immer mehr Hauseigentümer und erzählen ihre Geschichten. Zum Beispiel dieses Unternehmerpaar: „Wir haben elf Häuser in Berlin mit ein bisschen Gewerbe, vor allem aber mit 175 Mietwohnungen in verschiedenen Bezirken. Wir verwalten alles selbst, die Mieter kennen mich und meine Frau persönlich. Uns liegt es an mittel- und langfristigen Mietern, wir vermieten eher an Familien, an junge Leute, die eine Chance brauchen, als an Bewerber mit dem höchsten Einkommen. Die Mieten liegen deutlich unter dem, was laut Mietspiegel möglich wäre. Wir haben uns jetzt den neuen Mietspiegel angeschaut, natürlich müssen wir hier und da die Mieten anpassen, wenn zum Beispiel bei Langzeitmietern noch sechs Euro pro Quadratmeter kalt gezahlt werden und die Miete seit sieben bis neun Jahren nicht erhöht worden ist. Wenn der Mietendeckel kommen würde, hätten wir bei einigen Wohnungen mit niedrigen Mieten natürlich ein Problem. Ich habe den Eindruck, dass die Politik völlig plan- und ahnungslos agiert – und schlecht beraten wird. Durch den Mietendeckel wird keine einzige neue Wohnung gebaut. Diejenigen, die sich große Wohnungen leisten können, die sie gar nicht brauchen, bleiben einfach drin. Oder diese Wohnungen werden dann vornehmlich an Pärchen mit höherem Einkommen vermietet. Und Familien, die dringend eine Wohnung suchen, gehen leer aus. Der Mietendeckel schafft genau das Gegenteil von dem, was die Politik will: Er trifft die sozial Schwächeren.“
Anzeige
mientus for women SALE starts now! Im mientus FLAGSHIP STORE in der Wilmersdorfer Straße 73 und auf mientus.com sind jetzt viele Teile für Frauen stark reduziert: Moschino, Iceberg, Dsquared2, Zadig & Voltaire, Hugo, Woolrich, Ash, Aspesi, 0039 Italy, Elisabetta Franchi, Thom/Krom, Y-3 …
Wie Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sehen die Aufkleber aus, schwarze Schrift auf orangefarbenem Grund, darauf Sätze wie: „Ein dickes Auto macht bestimmte Körperteile auch nicht länger“ (CP-Hinweis: Die Beine sind nicht gemeint). Am Dienstag wollen die Mitglieder des Jugendrats der „Generationen Stiftung“ gegen SUVs protestieren – auf dem Ku’damm natürlich. Treffpunkt 16 Uhr vor dem Apple Store. Eine Straßenblockade mit 100 Teilnehmern ist als Demo angemeldet, sie wollen schwarz tragen und SUV-Fahrer in Gespräche verwickeln und an einem Stand über die Schädlichkeit informieren. „Wir sind gespannt, wie die Autofahrer reagieren werden“, sagt Initiatorin Jasna Zajcek. „Mal sehen ob die uns boxen, oder aussteigen und sagen: ,Ich verkauf mein Auto wieder.‘ Wir wollen jedenfalls provozieren.“ An einem „Sauerstoffstand“ soll „Berliner Luft“ versprüht werden. Die ist ja bekanntlich am Ku’damm besonders dick.
Passend dazu heute der Comic von Naomi Fearn – ausschließlich für Checkpoint-Abonnenten, Anmeldung hier.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Apropos dicke Autos: Berlin ist grün, zumindest sah das bei der Europawahl kurzzeitig so aus. Guckt man sich allerdings die Zahl der Autos pro 1000 Einwohner an, so hat diese in den vergangenen zehn Jahren bestenfalls stagniert, in vielen Bezirken ist sie sogar leicht gestiegen – etwa in Friedrichshain-Kreuzberg von 207 (2009) auf 212 (2017), neuere Zahlen gibt es noch nicht. In Steglitz-Zehlendorf (397), Reinickendorf (380) und Treptow-Köpenick (380), haben sich die Zahlen zuletzt auf hohem Niveau eingependelt. (Q: Anfrage Kristian Ronneburg, Linke).
Gestern haben wir hier von herabfallenden Decken im Polizeiabschnitt 64 (Nöldnerstraße/Lichtenberg) berichtet, jetzt kommt noch, Achtung: ein Dübel-Problem hinzu. Während eine Baufirma nun alle Decken prüft (das Gebäude war 2011 für 3,323 Millionen Euro saniert worden), hängen eine Etage tiefer die Lampen von der Decke. Jemand hat vier Millimeter dicke Schrauben in Acht-Millimeter-Dübel gedreht. Mathelernen mit dem Checkpoint: Passt nicht. Und auch der Baustelle der U6 wird offenbar Dübel mitgespielt (Q: Berliner Zeitung).
Ah, und wo wir gerade bei Dübeln sind: Unsere tägliche Verschiebung gib uns heute: Nach dem Start des Humboldt-Forums verzögert sich auch die TVO (geplante Straße zwischen Wuhlheide und Biesdorf). Man habe „keine Planungskapazitäten mehr frei“ für vier vorgesehene Eisenbahnüberführungen, ließ die Bahn mitteilen. Bahn ohne Plan: Der Senat rechnet mit mindestens eineinhalb Jahren Verzögerung bis zum Planfeststellungsverfahren – und wer weiß, ob unter einer Regierenden Ramona noch Kleingärten für Straßenbau weichen dürfen.
Anzeige
Ab sofort bieten wir Ihnen in der Privatklinik Nikolassee eine umfangreiche ambulante fachärztliche Versorgung an. Privat versicherte Patienten und Selbstzahler finden in der Fachambulanz Nikolassee ihren festen medizinischen Ansprechpartner, der Sie durch die komplette klinische Diagnostik und Behandlung begleitet. Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gern. www.klinik-nikolassee.de
Humboldts Eröffnung ist bekanntlich ebenfalls verschoben, auf unbestimmte Zeit. Das Land fordert zwar einen verbindlichen Termin, die Stiftung will lieber einen sicheren, als die Eröffnung erneut verschieben zu müssen. Gute Nachricht: Die Club-Tür des alten Tresor wird am Dienstag planmäßig und pünktlich im Schloss angeliefert. Bleibt dann nur erstmal zu.
Mein Kollege Rüdiger Schaper meint übrigens: Auf die paar Monate kommt es jetzt auch nicht mehr an. Kommt uns irgendwie bekannt vor.
Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei, hat den kleinen Kreisaufstand gegen sich selbst überstanden. Ann-Kathrin Biewener und Christian Hochgrebe waren Anfang Mai aus Protest gegen das Dauerregime des Kreischefs Gaebler (seit 1996) überraschend aus dem geschäftsführenden Vorstand in Charlottenburg-Wilmersdorf zurückgetreten („vergiftetes Klima“, „persönliche Fehden“, „kreisfremde Interessen“). Nun kann Gaebler bis 2020 im Amt bleiben, heute müssen aber drei Vorstandsmitglieder nachgewählt werden, darunter zwei seiner Vertrauten: Robert Drewnicki und Kian Niromaand.
„Auch ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch gehört zu den Leistungen von Frau Dr. Gaber“, heißt es auf Bettina Gabers Website. Deswegen muss sie mit ihrer Praxis-Kollegin Verena Weyer heute vor Gericht – auch nach der Überarbeitung von Paragraf 219a ist die Angabe der Methode nicht erlaubt. Geklagt haben zwei selbsternannte „Lebensschützer“, natürlich Männer. Der Prozess beginnt um 11.30 Uhr im Amtsgericht Tiergarten, Eingang Wilsnacker Straße 4, in Moabit. Es darf protestiert werden.
Anzeige
Die Zukunft beginnt heute – beim #UrbanMobilityDay
Der #UrbanMobilityDay, dein Event für neue Mobilität: Technologien, Innovationen und Gadgets kennenlernen und ausprobieren. Am 15. Juni ab 11 Uhr verwandelt sich der EUREF-Campus am S-Bahnhof Schöneberg in einen Mobilitätshub. Der Eintritt ist frei und mehr Infos gibt es unter UrbanMobilityDay.de
Gar keine Ärzte mehr finden offenbar die Bezirke. Amtsärzte gehen reihenweise in Ruhestand, weil das Land rund 1500 Euro weniger zahlt als die Kliniken der Stadt. In Mitte und Lichtenberg gibt es schon jetzt keine Amtsärzte mehr, in Neukölln geht der letzte im September in Ruhestand. (Q: Morgenpost).
Wenigstens in Sachen Bauen tut sich etwas: „Senatorin eröffnet Wiese“ steht heute über einer Meldung in der BZ. Und die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ hat mittlerweile 50.000 Unterschriften gesammelt (Q: rbb).
Morgen sollen die Rosinenbomber über die Stadt fliegen, nur wo weiß immer noch niemand. Klar ist nur: Übers Brandenburger Tor geht es nicht: Der Förderverein Luftbrücke hat den Antrag auf Überflug zurückgezogen.
Anzeige
rbbKultur erweckt das traditionsreiche Haus des Rundfunks musikalisch zu neuem Leben. Mit Simone Kermes und ihrem Ensemble Amici Veneziani feiert dort heute eine neue Konzertreihe Premiere: Nachtmusik im rbb. Erleben Sie im Lichthof des historischen Gebäudes ein flirrendes Zusammenspiel aus Architektur und Musik. Mehr unter: rbbkultur.de
Genug geregnet: Im Monbijoupark darf wieder gegrillt werden. Allerdings keine ganzen Tiere. Und den Müll bitte wieder mitnehmen.
Apropos Müll: Die BSR bekommt zum dritten Mal in Folge eine Chefin: Auf Vera Gäde-Butzlaff und Tanja Wielgoß folgt nun Stephanie Otto.
Ganze Tiere zu sehen gibt es im Zoo – und bald auch ein neues Wahrzeichen: Ab 2020 soll eine 14.000 Quadratmeter große Nashorn-Pagode entstehen, geplante Eröffnung 2021. Frei nach Nase gerechnet. (Q: Kurier)
Apropos Wahrzeichen: In Tempelhof wird eine Brandmeldeanlage gesucht, per Ausschreibung. Hoffentlich werden da keine Dübel gebraucht.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir sind hier nicht beim Psychotherapeuten, sondern bei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.“
Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Interims-Co-Chef, meint, für Depression gebe es in seiner Partei keinen Grund. Das ganze Interview ist zu lesen heute im Tagesspiegel E-Paper, Seite 4. Für die Nahles-Nachfolge gibt es übrigens noch keine einzige Bewerbung. „Ich erwarte offizielle Bewerbungen mit Lebenslauf, Passbild oder einer Idee für die Zukunft der SPD.“
Tweet des Tages
Zur Situation der SPD und #SPDerneuern interviewt Christoph Lütgert für #PanoramaARD Peer Steinbrück, Johannes Kahrs, Thomas Oppermann, Ulla Schmidt sowie vier ältere Herren aus einem Dortmunder Ortsverein. Keine Pointe.
Stadtleben
Essen & Trinken – Wenn man sich auf roten Lederbänken fläzt, der Geruch von Frittiertem in der Luft hängt und „Hound Dog“ von Elvis im Hintergrund schallt, sollte man eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wo man sich gerade befindet: Im Sixties. Zwischen der Einrichtung eines Diners aus der goldenen Ära des Rock ’n’ Roll lässt sich besonders gut (und fettig) dinieren, z.B. ein typisches Texas-, Arizona-, Las Vegas-, Oklahoma-, Albuquerque- oder California-Breakfast (zw. 4.50 und 8 Euro), ein New-York-Sandwich mit Käse und Schinken (6 Euro) oder ein charakteristisch-großes 300g-Rib-Eye-Steak für 18,50 Euro. Dazu noch flott einen Milchshake ausgesucht – ah, „Coke Float“ klingt interessant: Coca Cola mit einer Kugel Vanilleeis (3,50 Euro). So-Do 9-1 Uhr, Fr-Sa 9-3 Uhr, Mariendorfer Damm 338, Bushaltestelle Tauernallee/ Säntisstraße
Berlinbesuch – Ja, Wortkünstler haben es nicht einfach. Sogar Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war sich der Wichtigkeit einer Work-Life-Balance bewusst und gönnte sich seiner Zeit auch mal eine Selbstfindungsphase. Für manch einen ist das Poesiefestival in Berlin so eine Auszeit, zu dem jährlich Hunderte KünstlerInnen strömen und sich sieben Tage lang voll und ganz der Sprache widmen. Auftakt macht heute ab 20 Uhr die Veranstaltung „Weltklang – Nacht der Poesie“, ein vielsprachiges Panorama internationaler Dichtkunst, u.a. mit Marion Poschmann und Eileen Myles. Tickets gibt es online für 13/ Euro. Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, S-Bhf Bellevue
Anzeige
STAATSOPER FÜR ALLE
KLASSIKHIGHLIGHT AM BEBELPLATZ
OPEN-AIR UND EINTRITT FREI
Erleben Sie am 15. & 16. Juni die Übertragung von „Tristan und Isolde“ aus dem Opernhaus
und das Open-Air-Konzert der Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim.
Moderation: Thomas Gottschalk
www.staatsoper-berlin.de/de
Geschenk – In den USA erfreut sich die Praxis bereits absoluter Beliebtheit: In Auftrag gegebene Brownies könnten der nächste Geburtstagsknaller sein. „BrownieBox“-Inhaberin Katja Neuber hat sich den flach gebackenen Schokoküchlein verschrieben und stellt sie auf Wunsch sogar mit essbarem Aufdruck her, z.B. mit einem Porträt der beschenkten Person. Ok, wem das übertrieben erscheint, der kann sie auch einfach mit spezieller Zutat backen oder individuell verpacken lassen. Fairtrade, vegan, glutenfrei und auch für große Feiern: „Ihre Wünsche sind mir wichtig – lassen Sie uns darüber reden“, schreibt die Inhaberin auf ihrer Seite. Ladenstraße 1, Mo-Fr 9-18 Uhr, U-Bhf Onkel-Toms-Hütte
Berlinbesuch extended – Am 9. Oktober 1942 schrieb ein 13-jähriges Mädchen in ihr Tagebuch: „Ein schönes Volk, die Deutschen, und da gehöre ich eigentlich auch noch dazu! Aber nein, Hitler hat uns längst staatenlos gemacht.“ Was Anne Frank in ihrem Versteck im Familienhaus in Amsterdam aufschrieb, macht das Drama des Holocaust auch heute noch greifbar wie kaum ein anderes Zeitdokument. Vorgestern wäre sie 90 Jahre alt geworden. Unter diesem Link lässt sich Annes ehemaliges Zuhause am Merwedeplein 37-2 interaktiv erkunden – hier lebte sie von Dezember 1933 bis Juli 1942 mit ihrer Familie.
Noch hingehen zu Brad Downeys Einzelausstellung „Slow Motion Disasters“ im Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien, die nur noch bis zur Finissage am 23. Juni zu bewundern ist. Bekannt durch seine rebellischen Eindrücke und Interventionen im öffentlichen Raum, schafft Downey es immer wieder, eine bekannte Situation durch einen ungewöhnlichen Blick auf die Dinge durcheinanderzubringen. Mo-So 11-20 Uhr, Mariannenplatz 2, U-Bhf Görlitzer Bahnhof
Verlosung – Wir sind hier zwar nicht bei Heidi Klums Castingshow „Germany’s Next Topmodel“, aber trotzdem wurde Ihnen eine Videobotschaft hinterlassen: Swing- und Jazzmusiker Tom Gaebel und Kinderlied-Chanteur Rolf Zuckowski erzählen anlässlich des morgigen Aktionstages „Deutschland macht Musik“ davon, wie bereichernd Musizieren und die Beziehung zu einem Instrument ist, das einen glücklich macht und ein Leben lang begleitet. Musikschulen, Musikinstrumentenbauer u.v.m. lassen morgen bei Workshops und Bühnenshows ihre Instrumente erklingen (hier das ganze Programm) und mit ein bisschen Glück können Sie musikalisch mitmischen: Unter Checkpoint-Abonnenten verlosen wir bis 12 Uhr eine Mundharmonika und eine Ukulele (Bitte angeben, welches Instrument Sie gewinnen möchten).
Mit diesen Tipps wünscht Ihnen Carina Kaiser einen aufregenden Freitag!
Prominent verraten
„Krafttraining gehört zum Profileben dazu, macht auch Spaß. Über die Jahre lernt man, dass der Körper sich besser fühlt, wenn man in ihn investiert“, sagt Basketballer Niels Giffey, Nationalspieler und Kapitän von Alba Berlin. Die Checkpotts gehen diese Woche an Arne Groth - herzlichen Glückwunsch!
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
Berlin heute
Verkehr – Auf der Warschauer Straße (Friedrichshain) wird bis Anfang Juli in Richtung Kreuzberg, Höhe Revaler Straße, nur eine Spur zur Verfügung stehen und das Abbiegen nicht möglich sein. Ebenfalls in Friedrichshain: Die Wühlischstraße ist in Richtung Boxhagener Straße zwischen Simplonstraße und Seumestraße bis Anfang Juli gesperrt, außerdem kann es wegen einer Demonstration von 9.30 bis 13.30 Uhr zwischen der Rigaer Straße und Alexanderstraße zu Staus kommen. Wegen eines Konzerts von „6K United“ in der Mercedes-Benz Arena (Beginn 19 Uhr) besteht im Umkreis Staugefahr. Bis Sonntag sorgt der „Köpenicker Sommer“ für die Sperrung von Jägerstraße, Laurenzstraße und Rosenstraße. Ebenfalls bis Sonntag ist im Bereich des Olympiastadions (jeweils 09.20-16.50 Uhr) mit Staugefahr zu rechnen. Die M13 wird bis zum 8. Juli nicht zwischen Scharnweberstraße/ Weichselstraße und Revaler Straße fahren, ebenso die M10 bis zum 15. Juli zwischen Landsberger Allee/ Petersburger Straße und Warschauer Straße. Zwischen 22 Uhr bis durchgehend Montag, 1.30 Uhr ist folgender Bahnverkehr eingestellt: S41/ S42 zwischen Westend und Gesundbrunnen, S25 zwischen Schönholz und Tegel sowie S5 zwischen Strausberg Nord und Strausberg.
Demonstration – „Gegen Shopping und verstärktes Verkehrsaufkommen“ demonstrieren heute etwa 1000 Menschen von 12 bis 19 Uhr in der Grunerstraße. Ungefähr 800 Teilnehmer wollen mit dem Verkehrsclub Deutschland e.V. unter dem Motto „#StopptDenStraßentod“ von 16 bis 17.30 Uhr auf die Verkehrsunfallquoten der letzten Jahre und Verkehrssicherheit aufmerksam machen, indem sie in einem Schweigemarsch vom Nordbahnhof zur Invalidenstraße/ Hessische Straße (Bundesverkehrsministerium) ziehen. Vor dem Amtsgericht Tiergarten, Turmstraße 91, gibt es von 10.15 bis 11.30 Uhr eine Protestkundgebung von Profamilia mit etwa 50 Teilnehmern zu dem dort stattfindenden Prozess zum Paragrafen 219a des StGB über Werbung für Schwangerschaftsabbrüche. Vor der Botschaft von Aserbaidschan, Huberturallee 43, demonstrieren ca. 30 Teilnehmende von 10 bis 11 Uhr unter dem Motto „Falsche Befreiung – Rücktritt an den Diktator“. Ungefähr 100 Menschen, die sich für den Schutz des Landwehrkanals einsetzen wollen, versammeln sich von 20 bis 22 Uhr an der Admiralsbrücke unter dem Motto „SOS Landwehrkanal“.
Gericht – Weil sie gegen das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche verstoßen haben sollen, müssen sich zwei Gynäkologinnen verantworten. Sie hätten auf der Homepage ihrer Praxis angegeben, dass ein medikamentöser, narkosefreier Schwangerschaftsabbruch zu den Leistungen gehöre. Die Anzeige gegen die Ärztinnen war im Vorjahr und damit noch vor der Neuregelung des umstrittenen Paragrafen 219a erfolgt (11.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91.).
Universität – Die Dirigierklasse von Prof. Steven Sloane and Harry Curtis gibt heute um 20 Uhr ihr Master-Abschlusskonzertim Konzertsaal der UdK Berlin (Hardenbergstraße/ Ecke Fasanenstraße). Der Eintritt ist frei. S/ U-Bhf Zoologischer Garten.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Wolfgang Behrendt (83), ehem. Boxer / Michael Garmer (55) Politiker (CDU) / Arne Herz (CDU), Stellvertretender Bezirksbürgermeister Charlottenburg-Wilmersdorf / Klaus Nimphius (62), „Checkpoint-Leser der ersten Stunde“ / Alida Kurras (42) Fernsehmoderatorin / Peer Kusmagk (44), Schauspieler und Fernsehmoderator, u.a. bekannt aus GZSZ / Kathrin Röggla (48), Schriftstellerin / Gabor Steingart (57), Journalist und Autor, ehem. Geschäftsführer des Handelsblatts / Beate Wollersheim, „Für die engagierte Ausbilderin im Bereich Altenpflege/ Betreuung von Demenzerkrankten die besten und schönsten Geburtstagsgrüße“ / Nicolas Zimmer (49), Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin, Start-Up-Gründer
Sonnabend – Hatice Akyün (50), Journalistin und Schriftstellerin / Ingrid van Bergen (88) Schauspielerin und Synchronsprecherin / Hagen Michael Kleinert (78), Physiker und Professor an der FU Berlin / Andrea Seesko (52), „Tausendsassa und Liebling“ / Iker Romero (39), ehem. Handballspieler, spielte zuletzt für die Füchse Berlin / Ingrid Ackermann, „Auch mit 66 würde ich gern wieder mit dir Zeppelin fliegen!“
Sonntag – Annika Greta Blendl (38), Schauspielerin und Regisseurin, u.a. bekannt aus „Donna Roma" / Matthias Brauner (45), Politiker (CDU) / Daniel Brühl (41), Schauspieler / Joanna Panek-Maywald (40), „ein Hoch auf die beste Frau und Mutter!“ / Sandra Brunner (44) Vorsitzende Die Linke Pankow / Christoph Letkowski (37), Schauspieler und Musiker / Robert Neil MacGregor (73), Kunsthistoriker, ehem. Intendant des Humboldtforums / Michael Schäfer (47), Politiker (Die Grünen) und Klimaschützer / Per Skjelbred (32), Fußballspieler bei Hertha BSC / Heinz Tesar (80), Architekt und Künstler
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Henning Brekenfeld, * 10. Oktober 1936 / Vera Kätsch, * 18. Oktober 1957 / Jutta Küster, * 14. Juni 1958 / Chris Lee, Cheftrainer des U20-Teams der Eisbären Juniors
Stolperstein – Hans Eckstein (Jhg. 1894) wurde in Wien geboren und arbeitete später als Innenarchitekt in Berlin. Mit seinem erarbeiteten Geld verhalf er seinem Bruder und anderen Verfolgten zur Flucht aus Deutschland und versuchte selbiges für sich, seine Frau und deren Familie zu erreichen. Zusammen mit seiner Frau wurde er im März 1943 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 14. Juni 1944 verstarb. Für ihn ist ein Stolperstein in der Hauptstraße 109 in Schöneberg verlegt.
Im Tagesspiegel
Wie die Lausitz mit dem Kohleausstieg umgeht und wieso die AfD von Zweifeln der Bevölkerung profitiert, lesen Sie in der Reportage von Kai Müller heute auf der Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Nach den Lindner-Lästereien in der Zeit („Das Schnitzel sollte nicht verboten werden“), sucht Renate Künast via Twitter das beste Schnitzel Berlins. Wir sparen uns jetzt mal Kommentare über Veggie-Day-Visionen und geben die Frage an Sie weiter: Borchardt, Lenzig, Felix Austria, Max & Moritz, Schnitzelei, Engelbecken, Schnitzelkönig... – wer macht die dünnsten, die größten, die saftigsten? Carolin Emcke empfiehlt das Café Obermair in der Ritterstrasse – und die bekannteste Twitter-Oma der Welt, Renate Bergmann, schreibt: „Frau Künast, ich will mich nicht selber loben, aber meine Kalbsschnitzel – dünn geklopft und in Butter gebraten – sind ein Gedicht!“ Antwort einer Unbeteiligten: „Frau Bergmann, machense das nicht, sonst habense Lindner demnächst auf dem Sofa sitzen, damit der mal 'n Schnitzel bekommt, bei den ganzen grünlinksdiktatorischen Verboten wegen Klima (Ironie)...“ Bergmann: „Wenn Frau Künast bei mir Schnitzel isst, dann ist das privat. Von Renate zu Renate, sozusagen. An meinem Küchentisch gibt es keine Politik und erst recht keinen Lindner. Den lass ich nicht rein!“ Aber uns vielleicht?
Morgen haut Ihnen hier Lorenz Maroldt die dicksten Storys in die Pfanne, serviert an Thomas Wochniks köstlichem Wochenendausblick. Bis nächste Woche
