BVV Mitte: Grüner wechselt zu SPD

Nun aber aus den blauen Untiefen der Politik in die grünen Berge: Bilder von Robert Habeck machten gestern die Runde, die Augen geschlossen im grünen Glitterregen. Die Grünen sind die Partei der Stunde, gerade wegen ihrer klaren Haltung zu den Themen der Stunde: Migration und Menschlichkeit.
Weniger glitzernd ist, was Cüneyt Bülent Bilaloglu seiner Partei vorwirft. Mit einem offenen Brief hat er gestern die Grünenfraktion in der BVV Mitte und die Partei verlassen, weil er sich dort mit seinem türkischen Migrationshintergrund nicht ernstgenommen fühle. Mitglieder des Kreisvorstands hätten ihm gesagt, er habe „ein falsches Verständnis vom Begriff Migrationshintergrund“, wenn er die gleichberechtige Teilhabe von Mitgliedern mit Migrationshintergrund einfordere. Außerdem seien Türken als Bevölkerungsgruppe in Berlin „keine Wähler der B90/Grünen“ und damit für die Partei unwichtig. Sein ehemaliger Parteikollege Nedim Bayat hatte die Fraktion im April mit ähnlichen Vorwürfen verlassen: Vielfalt sei „für die Grünen nur noch eine gutgemeinte Floskel“, hatte er damals gesagt – und ist zur SPD gewechselt, was wohl auch Bilaloglu vorhat. Seit Januar sitzt er für die Grünen in der BVV, ziemlich geräuschlos, wie meine Kollegin Laura Hofmann berichtet, die für ihren Mitte-Newsletter (leute.tagesspiegel.de) häufig vor Ort ist.
Tilo Fuchs, Kreisvorstand der Grünen in Mitte, ist empört über die Vorwürfe: Bilaloglu habe gesagt, Ramona Pop (rumänische Wurzeln) zähle nicht als Migrantin – in diesem Zusammenhang sei das Zitat vom „falschen Verständnis“ gefallen. Und er habe lediglich darauf hingewiesen, dass Türkischstämmige keinen großen Anteil der Wählerstimmen in Mitte ausmachten. Bayat und Bilaloglu hatte der Partei einen schlechten Umgang mit Cem Özdemir und Özcan Mutlu vorgeworfen, der mit Listenplatz vier kein Bundestagsmandat mehr erhalten hatte. Es ordnet Taylan Kurt, Sprecher für Soziales, Wirtschaft und Ordnungsamtsangelegenheiten der Fraktion: „Jede Partei muss mehr dafür tun, dass Menschen mit Migrationshintergrund in ihren Reihen repräsentiert sind. Und zwar nicht nur als integrationspolitische Sprecher.“ Können wir uns drauf einigen, oder?