Belegung von Berliner Kitas steigt rasant

Parallel zu den Inzidenzen bei Kindern klettert auch die Auslastung in den Horten der Hauptstadt. Grünen-Spitzenkandidatin Jarasch fordert „genügend Schnelltests“. Von Anke Myrrhe

Belegung von Berliner Kitas steigt rasant
Foto: Sina Schuldt/dpa

Erinnern Sie sich noch ans fröhliche Cluster-Bild des Senats (CP vom 23.02.)? Da hieß es: Die vorsichtigen Öffnungsschritte im Bildungsbereich seien „an ein weiter abgesenktes Infektionsgeschehen geknüpft und werden bei einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner zur Disposition gestellt“. Zumindest Neukölln (107,5) müsste nach Tagesspiegel-Rechnung (schneller als das RKI) schon wieder dicht gemacht werden, Tempelhof-Schöneberg (78,2) und Spandau (82,9) sind auf dem schlechtesten Weg dahin. Da aber einige Außenbezirke wie Pankow (39,8) noch deutlich niedrigere Werte verzeichnen, schreiten im Gesamt-Berliner Mittel (63,4) die Öffnungsschritte unaufhaltsam voran – angetrieben auch durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts (CP von gestern), dass die Klassen sieben bis neun beim Präsenzunterricht nicht benachteiligt werden dürfen.
 
Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD): „Wir sind mit den Schulleitungsverbänden, Amtsärzten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bereits seit vielen Tagen im Gespräch über eine mögliche Rückkehr der Klassen 7 bis 9 im Wechselunterricht. Das Thema werde ich in die nächste Senatssitzung einbringen. Die Idee ist, dass diese Schülerinnen und Schüler vor Ostern zumindest noch einmal Präsenztermine haben, einen unmittelbaren Kontakt zu ihrer Lehrkraft erleben und mal wieder ihre Schule von innen sehen.“
 
Bürgermeisterinnenkandidatin Bettina Jarasch (Grüne): „Die Mittelstufe war im 1. Lockdown letztes Jahr schon die letzte Gruppe, die zurück in die Schule durfte. Es ist angesichts des Urteils eine Frage der Gleichbehandlung, auch diesen Kindern schnellstmöglich Wechselunterricht zu ermöglichen. Dafür erwarte ich aber auch genügend Schnell- und Selbsttests, denn zu allen Öffnungsschritten gehört zwingend der Schutz der Familien und des pädagogischen Personals.“
 
Wie sieht es also derzeit aus mit dem Schutz der Kleinsten? Während die Inzidenz bei den über 70-Jährigen in den vergangenen Wochen deutlich zurückgeht (erste Impfeffekte), ist sie bei den Kindern zuletzt stark gestiegen. Bei den unter 4-Jährigen hat sie sich in den vergangenen zwei Wochen bundesweit fast verdoppelt (auf jetzt 60), bei den 5- bis 14-Jährigen ist sie um mehr als ein Drittel gestiegen (auf jetzt 67,6).

„Alarmierend“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. „Wir haben laut RKI innerhalb von drei Wochen eine Verdoppelung der Zahlen in der Gruppe der 5- bis 9-Jährigen. Die Vermutung, dass dies mit den vor 3 Wochen begonnenen Schulöffnungen in unmittelbarem Zusammenhang steht, liegt nahe. Wir warnen davor, Schulöffnungen weiter voranzutreiben,
so lange die Ursachen hierfür nicht eindeutig geklärt sind und der aus den drei Säulen Impfen, Testen und von Hygienekonzepten bestehende Gesundheitsschutz ohne jegliche Einschränkung nicht umgesetzt werden kann.“ Und sie warnen und warnen und...
 
Parallel zu den Inzidenzen bei den unter 5-Jährigen steigt übrigens auch die Auslastung in den Berliner Kitas: Innerhalb einer Woche hat sich die Betreuungsquote um zehn Prozent erhöht, von 52,7 Prozent (Stand 03.03.) auf 59,8 Prozent (Stand Dienstag, 09.03.). Gestern waren dann bereits 62,7 Prozent der Kinder wieder da. Zahl der coronabedingt geschlossenen Kitas derzeit: 32 (von 2747). Zahl der erkrankten Lehrerinnen und Erzieher, die nicht mehr arbeiten können: unbekannt.