die ersten witterten schon ein Skandäälchen im Säälchen, als gestern Mittag die Meldung aufploppte: Im Holzmarkt soll am 27. März ein Konzert mit echten Menschen stattfinden. Berlin dreht durch, die Clubs öffnen wieder! Durchaus denkbar bei der aktuellen Gesamtstrategie der schleichenden Durchseuchung. Doch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) erklärte leicht rotwangig wenig später bei Facebook, dass es sich dabei um den kürzlich angekündigten Versuch der Kultur unter Corona handele. Das Pilotprojekt läuft vom 19. März bis zum 4. April. „Wir probieren das jetzt einfach mal, obwohl es eigentlich noch nicht geht“, sagte Lederer. Damit man vorbereitet sei, wenn es dann vielleicht doch irgendwann geht.
Also, was geht? Acht Orte sind dabei: Das BE zeigt Stuckrad-Barres „Panikherz“ (Regie: Oliver Reese), die Berliner Philharmoniker spielen mit Kirill Petrenko, die Staatsoper Unter den Linden mit Daniel Barenboim, das Konzerthaus Berlin, die Volksbühne, die Deutsche Oper, eine Tagung der MICE-Branche im Estrel und besagtes Konzert im Säälchen. Die Tickets sind personalisiert und nur gültig mit Personalausweis und Nachweis eines tagesaktuellen negativen Antigen-Testergebnisses.
„Wir alle blicken auf ein Jahr zurück mit kulturellen Mangelerscheinungen, mit zu langem Haar, mit vielen, vielen Entbehrungen“, sagte Lederer. Dass lange Haare kulturell betrachtet mal zum Problem werden würden, hatte so wohl auch niemand erwartet. Aber das gilt bekanntlich für so einiges. Es kommentiert meine Kollegin Constanze Nauhaus: „Das fühlt sich so ein bisschen an wie diese von den Lehrern organisierten ,Diskos‘ auf Klassenfahrten, die um 18 Uhr losgingen, mit Stühlen am Rand. Und das Einzige, was man sich an jenem 27. März durch die Nase wird ziehen können, ist ein Wattestäbchen.“
Also: Haare ab, Computer an: Der Vorverkauf beginnt am Montag. Wer es schafft, ein Ticket und für denselben Tag einen Termin im Testzentrum zu bekommen (Liste hier), wird mit dem Checkpoint-Behördentermin-Award ausgezeichnet. Registrierung bitte unter checkpoint@tagesspiegel.de (ohne Termin möglich!), Verleihung im Sommer 2025, garantiert ohne Stühle am Rand.
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Ein politisches Pilotprojekt streben offenbar die Grünen an. Bettina Jarasch, Spitzenkandidatin für die AGH-Wahl im September, hat sich jedenfalls eine eher ungewöhnliche Partnerin gesucht. Gemeinsam mit Carola Zarth, Inhaberin einer Kfz-Werkstatt, Präsidentin der Berliner Handwerkskammer und 2016 noch Kandidatin der CDU im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf, hat Jarasch für den Tagesspiegel einen Gastbeitrag verfasst, in dem sie gemeinsam das Integrationsgesetz des Senats verteidigen.
Die Verwaltung sei nicht nur relativ alt im Vergleich zum Rest der Stadt, „sie ist auch weniger vielfältig als die Stadtgesellschaft“, schreiben sie. „Im öffentlichen Dienst liegt der Anteil an Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund gerade mal bei zwölf Prozent, verglichen mit den mehr als ein Drittel der Berliner*innen mit Migrationshintergrund.“ Jarrasch und Zarth sehen in dem nun auf den Weg gebrachten Gesetz „einen überfälligen Schritt zur Verwaltungsmodernisierung. Als eine Maßnahme, von der alle profitieren: die Verwaltung, die dringend gut qualifizierten Nachwuchs braucht, die Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.“
Nun könnte man fragen, wie geschickt es ist, dass die Präsidentin einer zur politischen Neutralität verpflichteten Kammer gemeinsame Sache mit einer Wahlkämpferin macht (in der Kammer war das durchaus umstritten). Im Team Jarasch hingegen freut man sich über so viel Flexibilität. Ihr Wahlkampfmanager kündigte am Telefonat an, dass die Kandidatin bis September noch „Brücken in die Stadtgesellschaft“ bauen will – mit weiteren überraschenden Positionspartner:innen. Der Verband der Fleischwirtschaft und der Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler e.V. freuen sich schon auf ihren Anruf.
Apropos gemeinsame Sache: In der Verfalls-Opera der CDU („The Masked Deputy“) sind gestern weitere Charaktere demaskiert worden. Fassen wir kurz den Stand der Dinge zusammen (man verliert da leicht den Überblick): Zwei CDU-Bundestagsabgeordnete bereicherten sich am Maskenmangel, drei ließen sich von autoritären Regimen bezahlen und einer feierte mitten in der Pandemie fröhlich seinen 60. Geburtstag (Video hier). „Dass ich damit meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden bin, bedaure ich“, sagte Klaus-Peter Willsch nachdem der Spiegel die Party aufgedeckt hatte. Von Stühlen an der Tanzfläche war nichts zu sehen.
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Ein Jahr nach der Corona-bedingten Spielpause bringt das CHAMÄLEON am 13. März das Stück „Weißes Kaninchen, Rotes Kaninchen“ des iranischen Autors Nassim Soleimanpour via Live-Stream auf die Bühne. Gemeinsam mit Spielstätten weltweit schließt sich das CHAMÄLEON damit der Aktion „Let There Be Theater“ an, um ein Zeichen des Zusammenhalts zu setzen.
Erinnern Sie sich noch ans fröhliche Cluster-Bild des Senats (CP vom 23.02.)? Da hieß es: Die vorsichtigen Öffnungsschritte im Bildungsbereich seien „an ein weiter abgesenktes Infektionsgeschehen geknüpft und werden bei einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner zur Disposition gestellt“. Zumindest Neukölln (107,5) müsste nach Tagesspiegel-Rechnung (schneller als das RKI) schon wieder dicht gemacht werden, Tempelhof-Schöneberg (78,2) und Spandau (82,9) sind auf dem schlechtesten Weg dahin. Da aber einige Außenbezirke wie Pankow (39,8) noch deutlich niedrigere Werte verzeichnen, schreiten im Gesamt-Berliner Mittel (63,4) die Öffnungsschritte unaufhaltsam voran – angetrieben auch durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts (CP von gestern), dass die Klassen sieben bis neun beim Präsenzunterricht nicht benachteiligt werden dürfen.
Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD): „Wir sind mit den Schulleitungsverbänden, Amtsärzten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bereits seit vielen Tagen im Gespräch über eine mögliche Rückkehr der Klassen 7 bis 9 im Wechselunterricht. Das Thema werde ich in die nächste Senatssitzung einbringen. Die Idee ist, dass diese Schülerinnen und Schüler vor Ostern zumindest noch einmal Präsenztermine haben, einen unmittelbaren Kontakt zu ihrer Lehrkraft erleben und mal wieder ihre Schule von innen sehen.“
Bürgermeisterinnenkandidatin Bettina Jarasch (Grüne): „Die Mittelstufe war im 1. Lockdown letztes Jahr schon die letzte Gruppe, die zurück in die Schule durfte. Es ist angesichts des Urteils eine Frage der Gleichbehandlung, auch diesen Kindern schnellstmöglich Wechselunterricht zu ermöglichen. Dafür erwarte ich aber auch genügend Schnell- und Selbsttests, denn zu allen Öffnungsschritten gehört zwingend der Schutz der Familien und des pädagogischen Personals.“
Wie sieht es also derzeit aus mit dem Schutz der Kleinsten? Während die Inzidenz bei den über 70-Jährigen in den vergangenen Wochen deutlich zurückgeht (erste Impfeffekte), ist sie bei den Kindern zuletzt stark gestiegen. Bei den unter 4-Jährigen hat sie sich in den vergangenen zwei Wochen bundesweit fast verdoppelt (auf jetzt 60), bei den 5- bis 14-Jährigen ist sie um mehr als ein Drittel gestiegen (auf jetzt 67,6).
„Alarmierend“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. „Wir haben laut RKI innerhalb von drei Wochen eine Verdoppelung der Zahlen in der Gruppe der 5- bis 9-Jährigen. Die Vermutung, dass dies mit den vor 3 Wochen begonnenen Schulöffnungen in unmittelbarem Zusammenhang steht, liegt nahe. Wir warnen davor, Schulöffnungen weiter voranzutreiben,
so lange die Ursachen hierfür nicht eindeutig geklärt sind und der aus den drei Säulen Impfen, Testen und von Hygienekonzepten bestehende Gesundheitsschutz ohne jegliche Einschränkung nicht umgesetzt werden kann.“ Und sie warnen und warnen und...
Parallel zu den Inzidenzen bei den unter 5-Jährigen steigt übrigens auch die Auslastung in den Berliner Kitas: Innerhalb einer Woche hat sich die Betreuungsquote um zehn Prozent erhöht, von 52,7 Prozent (Stand 03.03.) auf 59,8 Prozent (Stand Dienstag, 09.03.). Gestern waren dann bereits 62,7 Prozent der Kinder wieder da. Zahl der coronabedingt geschlossenen Kitas derzeit: 32 (von 2747). Zahl der erkrankten Lehrerinnen und Erzieher, die nicht mehr arbeiten können: unbekannt.
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Zumindest geht der Senat auch in der Schule nun auf Abstand zur Alltagsmaske: Die Zeit der coolen Motivmasken ist vorbei, „im Schulgebäude, im Unterricht und prinzipiell im Schulalltag“ müssen nun medizinische Masken getragen werden, Ausnahme: Schulhof. Solche Masken seien zu Hundertausenden vorhanden, hieß es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Bildung. „Erst im Februar wurden zuletzt knapp 700 000 medizinische Masken sowie FFP2-Masken an die Schulen verteilt. Dort liegen also in der Regel medizinische Masken bereit, um Schülerinnen und Schülern auszuhelfen, die selbst ihre medizinischen Masken gerade nicht dabeihaben.“ Hoffen wir, dass diesmal die Regel auch die Regel ist (ausnahmsweise).
Manchmal dauert es 200 Jahre, bis sich etwas tut (wir Frauen sind das gewohnt), diesmal, genau genommen, 212 Jahre. Vor diesem Hintergrund erscheinen die drei Jahre, die wir Barbara Slowik nun „Der Polizeipräsident in Berlin“ nennen mussten wie ein Sternchen in den Geschichtsbüchern. 43 Männer und eine Frau später ist das Gesetz durch, die Behörde heißt ab April offiziell „Polizei Berlin“ und das beschreibt es doch ganz gut. Sternchen: Der zuständige Innensenator heißt auf Twitter übrigens @derinnensenator (und das erst seit einem Jahr) und hoffentlich dauert es nicht weitere 209 Jahre, bis die Problematik jemandem auffällt. Slowik jedenfalls freut sich seit 2019 auf die Umbenennung („Ich begrüße das natürlich außerordentlich“), ein aktuelles Statement von ihr war bis Redaktionsschluss (5 Uhr) leider nicht mehr zu bekommen. Vermutlich schraubt sie schon die Schilder ab.
Berliner Schnuppen
Telegramm
++++ ATH0chtung, Geheimsache ++++ sssshjjjjzrrrg+++++pffffffff++++gggggrrrg (Liebe Hacker:innen, bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen) +++++kkkkkkkkkkrkrrrrrr ++++ 18 Monate nach dem Trojaner-Angriff aufs Berliner Verwaltungsgericht ist Berlin noch immer Neuland in Sachen Sicherheit. Mein Kollege Robert Kiesel (unfreiwillig zum IT-Profi avanciert) hat herausgefunden, dass viele der Behörden und Verwaltungseinheiten nicht nur mit veralteter Technik arbeiten (CP-Dauerbrenner), sondern elementare Sicherheitsstandards nicht einhalten. Laut Bernd Schlömer, dem ehemaligen Vorsitzenden der Piratenpartei, ist es „nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Hack die Verwaltung lahm....“ Tut tut tut tut....
Passend dazu flattert hier gerade ein Brief herein, der im März an die Mitglieder des Abgeordnetenhauses verschickt wurde (ja, ein Brief!): „Um mit der Verwaltung des Abgeordnetenhauses in Mandatsangelegenheiten schriftlich in Verbindung zu treten, wird inzwischen überwiegend E-Mail genutzt. Allerdings hat die Bequemlichkeit dieser Kommunikationsform bekannte Defizite (...). Gerade, wenn es sich um vertrauliche personenbezogene Inhalte handelt, wäre eine allgemeine anerkannte sichere Lösung zu bevorzugen.“ Jetzt fragen Sie sich sicher, welche neue Wundertechnik die AGH-Verwaltung ihren Mitgliedern nun eingerichtet hat. Fax? Brieftaube? Nein: Brandneu und supersicher (vor allem gegen Kritik): „Als solche Lösung ist das De-Mail-Verfahren anzusehen, bei dem die verschlüsselte Übermittlung der Daten sichergestellt ist. Sowohl Absender als auch Empfänger müssen über De-Mail-Adressen verfüg....“ Entschuldigung, ist da jemand? Tut tut tut...
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Ganz geheim hätte es offenbar gern die AfD, zumindest würde sie sich die Journalisten gern aussuchen, die über ihren Landesparteitag am Wochenende berichten. Nachdem er weder eine Einladung noch eine Aufforderung zur Akkreditierung erhalten hatte, bekam mein Kollege Robert Kiesel (unfreiwillig zum AfD-Experten avanciert) gestern mitgeteilt, dass man niemanden mehr akkreditieren könne. Es gebe Platzprobleme, schrieb ihm AfD-Sprecher Ronald Gläser. Schwer zu glauben, bei einer Halle, in die mehr als 1500 Menschen hineinpassen.
Entgegen der Erzählung vom gemäßigten Landesverband tragen die Mitglieder der Berliner AfD übrigens durchaus dazu bei, dass die gesamte Partei vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft worden ist. Im mehr als 1000 Seiten langen Gutachten wird allein der Berliner Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio 30 Mal namentlich genannt. Auch der Chef der AfD-Fraktion im AGH, Georg Pazderski, wird erwähnt mit der Aussage, „fremde Kulturen und ihre Bräuche erzeugen in Berlin ein Klima der Angst“. Pazderski kandidiert am Wochenende auf besagtem Landesparteitag für den Vorsitz der Berliner AfD. Ob er gewählt wird, wird leider niemand erfahren.
Das Projekt mit dem wohlig dahinplätschernden Titel „Kleingartenflächensicherungsgesetz“ muss womöglich noch mal umgegraben werden. Ein von den Grünen im Abgeordnetenhaus in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zum Ergebnis, dass das Land die Lauben auf öffentlichen und privaten Grundstücken nicht wie geplant schützen kann, denn: Berlin habe hier gar nicht die Gesetzgebungskompetenz. (Q: Morgenpost). Abgang Murmeltier.
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Apropos wohlplätschernd: „Tief Klaus bringt Aprilwetter“, war gestern überall zu lesen. Na wunderbar: Im April soll es ja richtig losgehen mit dem Impfen (diesmal wirklich!), je schneller, desto besser.
Erstmal brachte Klaus allerdings ein ziemliches Spektakel an den Himmel, dicke Knubbelwolken hingen, Fotos überall, zum Beispiel hier, hier und hier, Erklärung hier (BZ).
Die Sache beendet hat schließlich Torsten Beeck um kurz nach 20 Uhr: „Alter, ich will keine Wolken aus Berlin mehr sehen.“ Ronald Pofalla gefällt das.
Quatsch! Das letzte Wort zu Klaus hat selbstverständlich Klaus (Regenbogen-Liebe!), und (Zitat Klaus): das ist auch gut so.
Irgendwo da oben ist nun auch Eva Herlitz, Erfinderin der Buddy Bären und treue Unterstützerin des Tagesspiegel-Spendenvereins. Nun ist sie mit 68 Jahren gestorben.
Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) hat einen Missbilligungsantrag der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus überstanden. Die Affäre um unrechtmäßig geleistete Förderung für das Geflüchtetennetzwerk „Berlin hilft“ ist damit aber längst nicht ausgestanden. Der Checkpoint hatte die Sache aufgedeckt, die Staatsanwaltschaft ermittelt und der Vorgang soll nun im Hauptausschuss aufgeklärt werden. Der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf legte Breitenbach nahe, ihrer Parteifreundin Katrin Lompscher zu folgen – in den politischen Ruhestand.
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Für die neue Podcast-Folge „Eine Runde Berlin“ hat Checkpoint-Redakteurin Ann-Kathrin Hipp Melanie Baier getroffen, die als Intensivpflegerin auf einer Covid-Station der Charité arbeitet. Ein Gespräch über ihren Arbeitsalltag, die Unberechenbarkeit der Corona-verläufe und Resilienz. Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Kleiner Blick in Ebay-Kleinanzeigen: „Tausche Kochbuch von Attila Hildmann gegen Corona-Impftermin“. Klingt nach einem fairen Deal.
Ach so, eins vielleicht noch: aus der Reihe verrückte Nudeln. Barilla hatte die geniale Idee, für jede Nudelsorte eine andere Playlist zu erstellen. Dauert genau so lange wie die jeweilige Sorte kochen muss (hoffentlich al dente!). Es gibt das „Mixtape Spaghetti“ (9 Min. für Spaghetti N.5), „Boom Bap Fussili“ (11 Min. für Fussili N.98), „Moody Day Linguine“ (10 Min. für Linguine N.13) und „Pleasant Melancholy Penne“ (11 Min. für Penne N. 73).
Und frisch aufgewärmt noch etwas unnützes Wissen zum Nachtisch, al dente serviert mit rotem Pesto: Das „Mixtape Spaghetti“ hätte man während der Bauzeit des BER 8.175.566 Mal hören können. Buon Appetito!
Zitat
„Die Norm ist ein Fetisch aus Deutschland. Sie erhöht die Effizienz bei Papiergrößen und Haushaltsgeräten. Auf Bevölkerungsgruppen angewandt aber ist sie ein Instrument der Entmenschlichung.“
Mein Kollege Sidney Gennies zur Debatte um die Äußerung des ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse: „Ich bin mittlerweile zum Symbol geworden für viele normale Menschen.“
Tweet des Tages
Ich wäre komplett überfordert, so viele Affären wie die Unionsfraktion zu haben.
Stadtleben
Ansehen I – Auch über den 8. März hinaus stehen viele Veranstaltungen in diesem Monat im Zeichen der Frauen. In Tempelhof-Schöneberg etwa gibt es eine Veranstaltungsreihe, die sich um die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Frauen dreht. In diesem Sinne stehen ab heute sieben Film-Porträts von und über Frauen mit Bezug zum Bezirk online. Zum Beispiel über die Kostümdesignerin Nadine Bakota, die gleich zu Beginn der Corona-Pandemie eine Initiative startete, Masken für Menschen mit Muskelerkrankung zu nähen, um so Solidarität zu zeigen.
Abholen – Eine weitere Porträtierte der kleinen Filmserie ist Malakeh Jazmati, eine ehemalige syrische Fernseh-Köchin, die jetzt ein Restaurantin der Potsdamer Straße 153 betreibt. Hier gibt es, aktuell zum Abholen, z.B. Mandi, geräucherten Reis mit Blütenwasser-Spezialsauce und Fleisch (18 Euro), oder armenische Frikeh: Grünweizen mit Sahne, Champignons und Parmesan (12 Euro). Für diejenigen, die lieber selbst kochen, hat die Köchin auch ein Kochbuch über ihre Sehnsuchtsrezepte geschrieben. Malakeh Restaurant, Di-So 13-19 Uhr, U-Bhf Bülowstraße
Ansehen II – Was die physische Sichtbarkeit von Frauen betrifft, sind sie durchaus präsent – aber häufig eher als Objekte männlichen Begehrens denn als Akteurinnen mit eigenen Wünschen. Die Haze Gallery versucht, diesem Umstand in der Ausstellung „Body Positivity“ weibliche Selbstermächtigung entgegenzusetzen. Wie das aussehen kann, haben sich die Kolleginnen von den Creme Guides schon mal angesehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. März und kann nach Terminvereinbarung besucht werden. Bülowstrasse 11 (U-Bhf Nollendorfplatz)
Mitlesen – Exklusiv für unsere Abonent:innen stellt Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein im Gespräch mit Knut Elstermann seinen neuen Roman „Wut“ vor. Um Wunden und Gewalt in der Kindheit geht es in dieser Live-Online-Premiere, und darum, wie sie ein Leben lang in denen, die sie erlebt haben, weiterwirken. Heute Abend um 19 Uhr, schauen Sie rein!
Grübelstoff – Was sind Ihre Sehnsuchtsrezepte? Und entführen die Sie auch an weit entfernte Orte?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Hans Ruoff und die Wanderschuhe.
„Zunächst hatte ich es eher im Spaß gesagt: Wenn mir die Ansteckungsgefahr zu groß wird, gehe ich einfach zu Fuß. Und merkte sehr schnell: Irgendwie reizt es mich, dies wirklich zu probieren. Also ließ ich meine Wanderschuhe neu besohlen und ging los. Zum Einkaufen nach Mitte, aufs Bürgeramt nach Kreuzberg, zu Freunden nach Charlottenburg. Inzwischen gehe ich auch von Prenzlauer Berg zu meiner Freundin nach Zehlendorf. Ich brauche drei Stunden und erlebe die Stadt immer wieder neu und anders. Das Gehen bekommt mir, und die BVG muss jetzt ganz tapfer sein: Heute habe ich mein Abo gekündigt.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Hellersdorf-Mahlsdorf: Um 18 Uhr beginnt am U-Bhf Hönow ein Fahrzeugkorso. Der Zug führt bis ca. 22 Uhr u.a. über Louis-Lewin-Straße, Zossener Straße, Landsberger Allee, Raoul-Wallenberg-Straße, Märkische Allee, Pablo-Picasso-Straße und Dorfstraße zur Allee der Kosmonauten.
Treskowallee (Karlshorst): Bis ca. 19. März steht in Richtung Am Tierpark in Höhe der Trabrennbahn nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
S-Bahn: Die S1 ist von 22 Uhr bis Sonntagmorgen, ca. 1 Uhr, zwischen Birkenwerder und Oranienburg unterbrochen. Auch die S25 ist von 22 Uhr bis Montagmorgen, ca. 1.30 Uhr unterbrochen, zwischen Schönholz und Tegel. In beiden Fällen fahren Busse als Ersatz. Fahrgäste beachten bitte auch die veränderten Fahrzeiten im Streckenabschnitt Tegel-Hennigsdorf.
RE7: Die Züge der Linie fallen von 21 Uhr bis Montagmorgen, ca. 4 Uhr, zwischen Friedrichstraße und Wünsdorf-Waldstadt aus. Auf dem Abschnitt zwischen Ostkreuz und Flughafen BER Terminal 1-2 fährt ein RE7-Pendelzug. Zwischen Berlin und Wünsdorf-Waldstadt nutzen Fahrgäste bitte die Züge der Linie RE5. Zwischen Flughafen BER Terminal 1-2 und Blankenfelde fahren Busse als Ersatz.
Demonstration – Etwa 100 Teilnehmende der GEW Berlin demonstrieren von 14 bis 16 Uhr in der Bernhard-Weiß-Straße im Rahmen des Aktionstags „Save4Future“. Ein Fahrzeugkorso mit 300 angemeldeten Teilnehmenden vom Verein für den Erhalt ländlicher Lebensraum e.V. zur „Kritik an den Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz“ führt von 18 bis 22 Uhr vom U-Bhf Hönow bis zur Allee der Kosmonauten. Am Samstag zieht die Bergpartei mit etwa 1170 Teilnehmenden von 13 bis 17 Uhr von der Friedrichstraße zum Pariser Platz unter dem Motto: „1 Jahr Lockdown. Jetzt übernehmen wir!“ Von 13.30 bis 15.30 Uhr hält die Taxigruppe Berlin eine Kundgebung in der Scheidemannstraße zur „PBevG-Novelle“ ab. Für Sonntag von 10 bis 13 Uhr hat Die Linke Berlin eine Kundgebung mit 5000 Teilnehmenden in der Gudrunstraße angemeldet. Thema der Veranstaltung ist das „Gedenken zum 102. Todestag der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg“.
Gericht – Der Prozess gegen einen 33-Jährigen, der eine schwangere Frau umgebracht haben soll, geht weiter. Der Mann soll die 31-Jährige in ihrer Wohnung attackiert haben. Sie sei im achten Monat schwanger gewesen (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Zoë Beck (46), Schriftstellerin / Frederic Böhle (33), Schauspieler, Theaterdarsteller und Sänger / Jenny Erpenbeck (54), Schriftstellerin / Tim Fischer (48), Chansonnier / „Liebe Gaby, alles Liebe zum Geburtstag, bleibe gesund und zuversichtlich. Da ja alle guten Dinge drei sein sollen, klappt es im nächsten Jahr bestimmt mit der Geburtstagsfeier. Gruß aus Charlottenburg“ / Annika Lau (42), Radio- und Fernsehmoderatorin / Bjarne Mädel (53), Schauspieler / Hans Ottomeyer (75), ehem. Präsident des Deutschen Historischen Museums (2000-2011) / Hermann Parzinger (62), habilitierter Prähistoriker, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Thomas Scheibitz (54), Künstler / Thomas Schleissing-Niggemann (74), „Lehrer, Vorleser und Clown Pipo, bleib so kreativ!“ / „Sabine Z (wie der Fisch), alles Liebe wünschen mit herzlichen Grüßen Kirsten, Judith und Kathrin“
Sonnabend – Birgit grüßt „Achim“ zum 66. Geburtstag / Volker Bartsch (68), Maler und Bildhauer / Michael Grunst (51), Bezirksbürgermeister von Lichtenberg (Linke) / Rainer Hölmer (60), SPD-Stadtrat in Treptow-Köpenick / Wolfgang Kohlhaase (90), Schriftsteller und Drehbuchautor / „Liebste Milena, zum 40. gratulieren Dir voller Liebe! Mama, Papa, Lennart, Anton und die ganze große Berliner Familie! Du bist eine ganz Tolle!“/ Peter Radunski (82), Ex-CDU-Senator (1991-99) / Günther Uecker (91), Objektkünstler / Monika Zessnik, „ein Herz auf Beinen!“
Sonntag – „Happy Birthday, lieber Eddi – bester Freund – von Claudio und Stella“ / Felix Hoffmann (88), „Herzlichste Glückwünsche zu deinem Geburtstag mit einer Schnaps-Jahreszahl. Bleibe gesund mit deiner Eva bis zu deinen nächsten runden Geburtstagen. Dein Bruder Rüdiger und Yvonne“ / Marcel Noebels (29), Eishockeyspieler bei den Eisbären / Jens Poll (54), „Professor, Multitalent und kleiner Bruder“ / Johannes Rosenstein (48), Dokumentarfilmer / Jan Sosniok (53), Schauspieler und Model / Katrin Vogel (57), ehem. Politikerin und Steuerberaterin
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Matthias Goedel, verstorben am 27. Februar 2021 / Dr. Dieter Hedtstück, * 8. Mai 1940, Dipl.-Ingenieur, Dipl.-Kaufmann / Detlef Schrader, * 9. November 1940 / Dipl.-Psych. Peter Teichmann, * 12. Januar 1946, Psychotherapeut und Organisationsberater / Heitrut Wolter, * 3. September 1944
Stolperstein – Dr. Kurt Neimann (Jg. 1877) lebte in der Flotowstraße 12 im heutigen Hansaviertel. Am 14. September 1942 deportierten die Nationalsozialisten ihn nach Theresienstadt, wo sie ihn am 12. März 1944 umbrachten.
Encore
Auf dem Berliner Wohnungsmarkt sieht es bekanntlich gerade etwas dünn aus, da hilft Ihnen die Immobilienagentur Engel & Völkers gern. „Die Corona-Pandemie hat den Trend zur Landlust verstärkt und Liebhaberobjekten wie Châteaus, Weingütern und Herrenhäusern einen weiteren Nachfrageschub verliehen. Solche Objekte kommen nur selten auf den Markt und sind unter Kennern sehr begehrt“, schrieb mir gestern CEO David Scheffler. Für Kenner und Genießer hier drei der begehrten Objekte, vom „geschichtsträchtigen Stadthaus in Antwerpen“ bis zur „herrschaftlichen Parkresidenz nahe Brüssel“. Das Schlösschen mit Weingut in Frankreich gibt es sogar unter drei Millionen. Wie viele Barilla-Nudeln Sie dafür essen können, müssen Sie jetzt selbst ausrechnen.
Die restlichen Rechnungen stammen heute von Thomas Lippold (Recherche), das (nudelfreie) Stadtleben hat Teresa Roelcke serviert und Kathrin Maurer in der Früh alles appetitlich angerichtet. Morgen präsentiert Ihnen hier Robert Ide die schönsten Berliner Bruchbuden. Bis bald,