Jetzt clustern wir!
In Berlin allerdings will man nun weg von der reinen Zahlenlehre. Geniale Idee: Da das Virus sich gern in Clustern vermehrt, reagieren wir einfach mit Clustern! Ein Stufenplan, den der Senat in der vergangenen Woche erarbeitet hat (offenbar mit Beteiligung aller Senatsverwaltungen), liegt dem Tagesspiegel exklusiv vor. Das Wichtigste im Überblick:
Mit Ausnahme von Kindersport und Schulen (dazu gleich mehr) beginnt ab einem Wert kleiner als 50 innerhalb von sieben Tagen die schrittweise Öffnung in vier „Clustern“ (Stufen):
+ Cluster 0: Ein Inzidenzwert kleiner als 50 innerhalb von 7 Tagen
+ Cluster 1: Ein Inzidenzwert kleiner als 35 innerhalb von 7 Tagen
+ Cluster 2: Der Inzidenzwert ist für 14 Tage stabil oder sinkend
+ Cluster 3: Der Inzidenzwert ist für weitere 14 Tage stabil oder sinkend
Zusätzlich hinzugezogen werden sollen sogenannte „dynamische Faktoren“: R-Wert, Intensivbetten-Kapazitäten, Veränderungsrate der Inzidenz, perspektivisch auch die Impfquote. Ein Übergang in die nächste Clustergruppe ist nur dann möglich, „wenn zum stabilen oder sinkenden Inzidenzwert gleichzeitig der 7-Tage-R-Wert und die ITS-Kapazitäten mindestens stabil bleiben“.
Ein fünftes Cluster, das in einem ersten Entwurf nach weiteren 14 Tagen noch die nahezu vollständige Öffnung (mit Hygienekonzepten) vorsah, wurde aus der aktuellen Vorlage für die morgige Senatssitzung wieder gestrichen. Das überarbeitete Papier flatterte in der Nacht noch ins Checkpoint-Homeoffice. Womöglich ein Zeichen, das die Zeiten wieder vorsichtiger werden.
Weitere Details der Regelung:
+++ Ab einer Inzidenz von 50 (Cluster 0) sind kaum Lockerungen vorgesehen. Allein Sport im Freien soll in Gruppen bis zehn Personen mit Abstand wieder möglich sein. Für Kinder bis 12 Jahre gilt das sogar schon bei einer Inzidenz unter 100.
+++ Bibliotheken und Museen dürfen bei einer Inzidenz unter 35 (Cluster 1) für einen eingeschränkten Betrieb öffnen.
+++ Theater, Konzerthäuser und Kinos erst 14 Tage später (Cluster 2) bei eingeschränkter Besucherzahl.
+++ Clubs weitere 14 Tage später (Cluster 3), allerdings mit Personenbeschränkung, Hygienekonzept – und ohne Gesang.
+++ Der Einzelhandel soll ebenfalls erst ab einer Inzidenz von 35 wieder öffnen dürfen, zunächst mit einer Zugangsbegrenzung mit 10 Quadratmetern pro Kunde, ab einer Fläche von 800 Quadratmetern mit 20 Quadratmetern pro Kunde. Letzteres soll in Cluster 3 wegfallen.
+++ Tennisspielen in der Halle (Sport zu zweit mit Abstand) soll ab Cluster 1 wieder uneingeschränkt möglich sein, Fußball (Sport in Gruppen ohne Abstand) bis 10 Personen erst in Cluster 3.
+++ In der Gastronomie dürfen die Außenbereiche ab einer Inzidenz von 35 öffnen (Cluster 1) allerdings mit Beschränkung auf maximal vier Personen aus zwei Haushalten. An Imbissen darf vor Ort verzehrt werden. Innenräume dürfen mit Personenbegrenzung öffnen, wenn die Inzidenz 14 Tage lang stabil ist (Cluster 2), das gilt auch für Kneipen.
+++ Auch bei Veranstaltungen soll ab einer Inzidenz von 35 ein „Erster Einstieg“ möglich sein mit maximal 250 Personen im Freien. Ab Cluster 2 auch drinnen mit maximal 150 Personen.
+++ „Einrichtungen der Freizeitgestaltung“ dürfen ab Cluster 1 draußen öffnen, 14 Tage später auch drinnen.
+++ Touristische Übernachtungen sollen bei 14 Tage stabiler Inzidenz unter 35 wieder möglich sein (Cluster 2).
+++ Unklar ist, ob die Friseure weiterhin nächste Woche öffnen dürfen, der Stufenplan sieht eine Öffnung „körpernaher Dienstleistungen“ erst ab einem Inzidenzwert unter 35 vor. Darüber sind nur medizinische Dienstleistungen möglich.
+++ Die Kontaktbeschränkungen werden erst ab einer Inzidenz kleiner als 35 gelockert auf maximal fünf Personen aus zwei Haushalten (Cluster 1), dann zehn Personen aus drei Haushalten (Cluster 2) und zehn Personen (Cluster 3).
Die 7-Tage-Inzidenz lag gestern nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts bei 57,2, wie zuletzt: Tendenz steigend. Gut möglich, dass es noch etwas dauert bis zur Berliner Cluster-Bildung.