Politikerin beklagt Nostalgie jüngerer Ostdeutscher

„Hier ist es auch nicht besser als in der DDR“, sagen viele zwischen Ostsee und Erzgebirge zu Angela Marquardt. Die Politikerin kämpft gegen Demokratie-Skepsis. Von Robert Ide

Politikerin beklagt Nostalgie jüngerer Ostdeutscher
Politikerin und Autorin Angela Marquardt. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Am Sonntag wird Deutschland wieder der Schreck in die Glieder fahren: Was ist denn da schon wieder im Osten los?, wird man sich im alten Westen fragen, wenn die auch in Sachsen-Anhalt besonders rechtsextreme AfD den Frust vieler Übersehener in Wählerstimmen umwandelt. Dabei ist die große Mehrheit der Ostdeutschen gar nicht radikal, obwohl sie den Strukturwandel noch drei Jahrzehnte nach der Einheit zu schultern hat (mein Kommentar dazu hier). Nun wird zwischen Ostsee und Erzgebirge diskutiert, woher der Verdruss nicht weniger Menschen an der noch jungen Demokratie kommt. „Auf meinen Veranstaltungen ist einer der am meisten geäußerten Sätze: Hier sei es ja auch nicht besser als in der DDR“, berichtet Angela Marquardt auf Checkpoint-Nachfrage.

Marquardt hatte als Kind unter der Stasi-Bespitzelung in ihrer eigenen Familie leiden müssen; nach dem Umbruch saß sie für den PDS im Bundestag und arbeitete danach für die SPD. Inzwischen ist sie beim Bundesdatenschutzbeauftragten tätig. Sie kritisiert, dass Kritik von Ostdeutschen an der DDR-Diktatur schnell als Anbiederung an den Westen verstanden werde. Nun werde der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU) ausgerechnet von ostdeutschen Autorinnen und Autoren als Ost-Beschimpfungsbeauftragter tituliert, weil er die Demokratieskepsis auch mit Diktaturerfahrungen begründe. „Dabei spricht er nur aus, was seit den 90er Jahren bittere Realität in den ostdeutschen Bundesländern ist“, findet Marquardt. „Früher haben wir den Alten immer Nostalgie vorgeworfen. Sie besteht jedoch über Generationen fort.“ Ost und West haben weiterhin viel zu bereden. Ost und Ost auch.