aus und vorbei, der Frühlingswinter. Die Temperaturen steigen mit den Impfquoten – und plötzlich blüht uns der Sommer mit Hoffnungsglück im Tale der Corona-Zahlen. Sogar die Berlinale, wie so vieles versunken im frostigen Pandemie-Frust, wird ab nächste Woche unter freiem Himmel nachgeholt. Karten für die besten Filme, die noch kein Kino von innen und außen gesehen haben, gibt’s ab morgen (Service hier) – aber da ist angesichts aller nach Leben ausgehungerten Augen ein Lotteriegewinn wahrscheinlicher. Ein bisschen alter Alltag ist ja auch schon ein Gewinn. „Wir haben kaum noch Covid-Patienten auf der Intensivstation“, freut sich der Berliner Intensivmediziner Ricardo Lange (seine Tagesspiegel-Kolumnen hier). „Ein Hauch von Normalität. Weiter so.“
Und so geht’s jetzt weiter: Ab Freitag entfällt die Testpflicht fürs Shoppen drinnen und für einen Schoppen draußen (Details hier). Nur bei den Schulen muss Senatorin Sandra Scheeres (SPD) mal wieder nachsitzen; sie haben erst in einer Woche wieder voll geöffnet. So lange lernen wir schon mal: Der nächste Herbst kommt bestimmt. Wäre gut, wenn wir‘s diesmal nicht vergessen.
So, zum Start blättern wir mal in den Parlamentsanfragen. Mal sehen, was Berlin schon immer über sich wissen wollte.
1.) Zum Bau von Häusern aus Lehm lässt der Senat wissen: „Dem Senat ist zum aktuellen Zeitpunkt keine gemeinsame Lehmbaustrategie von Berlin und Brandenburg bekannt.“
2.) Zur Anzahl der auf Straßen und Menschen kotenden Tauben in Friedrichshain-Kreuzberg antwortet das Bezirksamt: „Hierzu liegen dem Bezirksamt keinerlei Kenntnisse vor.“
3.) Zur Reparatur von kaputten Parkbänken in Pankow ist zu erfahren: „Es gibt keine Mittel, welche speziell für die Reparatur für Parkbänke zur Verfügung gestellt werden.“
Nichts Genaues weiß man nicht. So genau wollten wir das gar nicht wissen.
Am Sonntag wird Deutschland wieder der Schreck in die Glieder fahren: Was ist denn da schon wieder im Osten los?, wird man sich im alten Westen fragen, wenn die auch in Sachsen-Anhalt besonders rechtsextreme AfD den Frust vieler Übersehener in Wählerstimmen umwandelt. Dabei ist die große Mehrheit der Ostdeutschen gar nicht radikal, obwohl sie den Strukturwandel noch drei Jahrzehnte nach der Einheit zu schultern hat (mein Kommentar dazu hier). Nun wird zwischen Ostsee und Erzgebirge diskutiert, woher der Verdruss nicht weniger Menschen an der noch jungen Demokratie kommt. „Auf meinen Veranstaltungen ist einer der am meisten geäußerten Sätze: Hier sei es ja auch nicht besser als in der DDR“, berichtet Angela Marquardt auf Checkpoint-Nachfrage.
Marquardt hatte als Kind unter der Stasi-Bespitzelung in ihrer eigenen Familie leiden müssen; nach dem Umbruch saß sie für den PDS im Bundestag und arbeitete danach für die SPD. Inzwischen ist sie beim Bundesdatenschutzbeauftragten tätig. Sie kritisiert, dass Kritik von Ostdeutschen an der DDR-Diktatur schnell als Anbiederung an den Westen verstanden werde. Nun werde der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU) ausgerechnet von ostdeutschen Autorinnen und Autoren als Ost-Beschimpfungsbeauftragter tituliert, weil er die Demokratieskepsis auch mit Diktaturerfahrungen begründe. „Dabei spricht er nur aus, was seit den 90er Jahren bittere Realität in den ostdeutschen Bundesländern ist“, findet Marquardt. „Früher haben wir den Alten immer Nostalgie vorgeworfen. Sie besteht jedoch über Generationen fort.“ Ost und West haben weiterhin viel zu bereden. Ost und Ost auch.
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Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.
17. April – 29. August 2021
Der Berliner Architekt und Stadtplaner Werner Düttmann wäre am 6. März 2021 hundert Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum feiert das Brücke-Museum mit dem berlinweiten Ausstellungsprojekt Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.
Informationen finden Sie unter www.wernerduettmann.de, www.bruecke-museum.de
Zu den Akten gelegt wird in zwei Wochen in Berlin die Stasi-Akten-Behörde. Der letzte Leiter Roland Jahn übergibt 111 Kilometer Unterlagen der DDR-Geheimpolizei und 1300 Mitarbeitende der Aufarbeitungsbehörde ans Bundesarchiv. Doch viel ändern soll sich offenbar nicht. Jahns bisherige Verwaltungschefin Alexandra Titze soll künftig als Vizepräsidentin beim Bundesarchiv die Akten verwalten; Jahn selbst saß dem Vernehmen nach in der Auswahlkommission. Seine bisherige Pressesprecherin Dagmar Hovestädt teilte gestern in einer behördeninternen Mail mit, sie übernehme im Archiv die Abteilungsleitung Kommunikation und Wissen, in der auch die bisherige Bildungs- und Forschungsabteilung der Behörde aufgeht. Die alte Stasi-Akten-Behörde lebt weiter – im Bundesarchiv.
Berlins größte Lokalzeitung wird fünf Jahre jung. Unsere „Leute“-Newsletter aus allen zwölf Bezirken freuen sich inzwischen über knapp 250.000 Abos – von 33.000 Nutzerinnen und Nutzern in Charlottenburg-Wilmersdorf bis zu 9.000 in Marzahn-Hellersdorf. Unsere Reporterinnen und Reporter in den Kiezen haben durch ihren unabhängigen Journalismus vor Ort vieles bewirkt: mehr Verkehrssicherheit an sensiblen Kreuzungen, wichtige Aufmerksamkeit für soziale Projekte – und die Liebe fürs Leben.
Unser Spandauer Leser Ralf Schreiber durfte im wöchentlichen Kiezreport meines Kollegen André Görke seinen Heiratsantrag platzieren; mit berlinischer Gelassenheit fragte er: „Ach, damit ich’s nicht vergesse – willst du meine Frau werden?“ Wenn Sie auch Ja sagen möchten zu verbindenden Neuigkeiten aus Ihrem Kiez, melden Sie sich hier kostenlos an. Erst im Kleinen zeigt sich die große Stadt von ihrer ganzen Seite. Und von ihrer liebenswürdigen.
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Resonanz der Realitäten
VR-Kunst-Ausstellung im Haus am Lützowplatz
Im HaL kann man Virtual Reality in der Kunst erleben: Die Künstler*innen erschaffen Skulpturen und Gemälde fernab von physikalischen Gesetzen oder lassen künstliche Intelligenzen als Protagonisten auftreten. Die digitale Welt eröffnet völlig neue Perspektiven. Zu sehen bis 4.07.21
vrkunst.dkb.de
Ja, ist denn heut‘ schon Wahlnachten? Am 26. September wird abgestimmt, aber schon jetzt steht Berlins CDU-Chef Kai Wegner überall großflächig in der Stadt herum. Auf Werbeplakaten verspricht er, Mietern zu helfen und fordert im Gegensatz zum laufenden Volksbegehren: „Nein zum Enteignen!“ Eigentlich ist Wahlwerbung im Straßenland erst 7 Wochen vor der Abstimmung erlaubt, also ab 8. August. Aber Wegners Kampagnenchef Thorsten Schatz weiß auf unsere Nachfrage zu entgegnen: „Es handelt sich um keine Wahlwerbung.“ Parteien sei es erlaubt, an der öffentlichen Meinungsbildung teilzunehmen, und zwar „im Rahmen eines laufenden Volksbegehrens“. Bisher hat das nur noch keine Partei gemacht. Und so gar nicht nebenbei ihren Spitzenkandidaten bekannt gemacht. Noch 7 Wochen bis zur Wahl? Nein, 17.
Bitte noch vor den Sommerferien auswendig lernen: Dies sind die neuen internationalen Namen für Corona-Varianten:
Alpha – bisher britische Variante B.1.1.7
Beta – südafrikanische Variante B.1.351
Gamma – brasilianische Variante P.1
Delta – indische Variante B.1.617.2
Ebenfalls vergeben sind die griechischen Buchstaben Epsilon, Zeta und Kappa für Virusmutanten, die in den USA, Brasilien und Indien ausgemacht wurden. Eine neue Variante in Vietnam wartet noch auf Einordnung. Das griechische Alphabet hat übrigens noch 17 weitere Möglichkeiten zu bieten. Irgendwann ist Corona also vorbei. Das wäre O-mega.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Und Grün! So lange hat noch keine Ampel gelb geleuchtet wie die an der Rahnsdorfer Straße, Ecke Hultschiner Damm. Nach 15 Jahren Planung sieht hier ab Ende Juli keiner mehr rot (via „Berliner Woche“). Der Checkpoint verliert nach dem BER den nächsten Klassiker – und Berlin gehen drei Lichter auf.
Am Rad gedreht hat die BVG heute vor 30 Jahren. Da bekamen alle Buslinien in Ost und West mit einem Mal eine neue Zahl. Denn ein 32er fuhr in Mitte, ein anderer 32er in Marienfelde. Nun wurde aus ihnen der 142er und der 283er. Die BVG verteilte an den Haltestellen Drehscheiben aus Pappe, in denen man sich mit den alten Nummern die neue erdrehen konnte. Heute nennt sich das Glücksrad einfach Fahrplan.
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In den neuen 20er Jahren steht uns eine Phase der Beschleunigung bevor. Vor welchen Transformationen steht die Wirtschaft in den 20ern? Darüber und über die Ideen und Initiativen der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag diskutiert Christian Lindner mit seinen Gästen Dr. Bernd Buchholz, Saori Dubourg, Daniel Hager und Johannes Reck.
Zum Livestream
Bleiben wir gleich in den 90ern: Die Tanzflächen von heute in Berlin, sie gähnen so leer wie die Fabrikhallen von damals. Hier schüttelten sich die Kinder des Mauerfalls zu Maschinensound aus – Techno entstand auf den Trümmern der Treuhand (meine Spurensuche hier). Jetzt eröffnen die Clubs wieder, zunächst für kleinere Events draußen (Details hier). Getanzt wird noch nicht auf den Trümmern von Corona. Welche Musik würde da auch passen?
Spritzennachricht: Bald können Medizin-Studis geimpft werden – wenn sie nebenbei an der Uni arbeiten. „Beschäftigte, darunter auch studentische Beschäftigte, können sich ab 8. Juni auf dem Campus der Freien Universität impfen lassen“, lässt die FU auf Checkpoint-Anfrage wissen. Die Technische Universität will ihre Impfstrecke schon in einigen Tagen eröffnen. TU-Präsident Christian Thomsen fordert, jetzt bei den Studierenden „nicht noch mehr Wochen und Monate zu verlieren“. Dem Checkpoint sagte er: „Bisher war diese Gruppe, genau wie auch die Auszubildenden, nicht in der politischen Diskussion. Jetzt ist es aber an der Zeit!“ Wer will schon warten, bis der Arzt kommt.
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Freuen Sie sich mit uns auf laue Abende unter freiem Himmel und entdecken Sie jetzt unseren Neuheiten für Garten und Balkon. Jetzt im Tagesspiegel-Shop.
„Nimm hin den Gruß, den süßen Kuß“. So erwartungsvoll schreibt die in München zurückgelassene Sänli an den in die Schweiz abgereisten Oskar – um 1900 auf mit Rosen und Vergissmeinnicht-Blüten verziertem Papier. Wie bitter süße Liebe schmecken kann und wie Worte sie zu umschmeicheln vermag, verrät das Archiv der Linguistin Eva Lia Wyss. Den darin verborgenen Schatz von mehr als 22.000 privaten Liebesbriefen haben wir für Tagesspiegel plus geöffnet (mit vielen Originalen hier). Eine Reise durch ein Jahrhundert Erotik, Kitsch und Leidenschaft. „In süßester Erinnerung werden mir alle diese schönen Stunden bleiben, die ich an Deiner theuren Seite zugebracht.“
Nur die Liebe zahlt. Altkanzler Gerhard Schröder, der sich sonst gern an der Betrachtung eines Baums verästelt, muss dem Ex-Mann seiner Frau So-yeon Schröder-Kim umgerechnet 22.000 Euro Entschädigung zahlen. Das entschied ein Gericht in Südkorea. Grund: „Zerstörung einer Ehe“.
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Digitale Identitäten: Wie eine europäische Vision zur Realität wird
Diskutieren Sie u.a. mit Lorena Boix Alonso, European Commission und Dr. Markus Richter, Staatssekretär im BMI über digitale Identitätslösungen in der Europäischen Union – beim cybersec.lunch#19 am 16. Juni, 12.00 bis 13.00 Uhr. Die Online-Veranstaltung findet auf Englisch statt. Zur Anmeldung
In Russland werden Oppositionelle weiterhin gejagt. Der prominente Kreml-Kritiker Andrej Piwowarow wurde gestern in St. Petersburg bei der Ausreise nach Polen an Bord eines Flugzeugs festgenommen. Ihm drohen sechs Jahre Haft, weil er eine eigene Meinung geäußert hat. Der mit einem Giftanschlag fast ermordete und nun inhaftierte Oppositionsführer Alexej Nawalny beklagt derweil nächtliche Kontrollen in seiner Gefängniszelle (via dpa). Das stündliche Aufwecken „kommt praktisch Folter gleich“, sagte Nawalny bei einer gerichtlichen Anhörung. Wie viele solcher Nächte ist Russland noch von einer lupenreinen Diktatur entfernt?
Weil man im Leben immer was dazulernen kann, macht der Tagesspiegel ein interaktives Angebot zur Medienbildung: Die Redaktion lädt Schülerinnen und Schüler am Donnerstag, den 10. Juni, um 17 Uhr zum kostenlosen Webinar ein. Welchen Informationen kann ich im Netz trauen und wie erkennt man Fake News? Das diskutieren wir mit allen Teilnehmenden; zudem wird mit Gästen von Google ein digitaler Fakten-Check ausprobiert. Schülerinnen und Schüler können sich per Mail an 7500@tagesspiegel.de anmelden. Und wir lernen sicher auch was dabei.
Na denn: Zahlen, bitte! Venedig hat 400 Brücken, Berlin 816. Nachgezählt hat der Senat. Dafür war eine schöne Dienstreise fällig – nach Spandau.
Zitat
„Gefühlt waren es zwei Jahre Abstiegskampf. Das ist etwas, was wir hier bei Hertha nicht mehr sehen wollen. Aber dafür musst Du ackern.“
Der neue Sportvorstand Fredi Bobic startete gestern seine Arbeit bei Hertha BSC. Auf dem Acker im Olympiastadion hat der 49-Jährige schon als Spieler des Berliner Bundesligisten gerackert.
Tweet des Tages
Noch ein paar Wochen Wohnungssuche in Berlin und ich google, wo Johannisthal, Fennpfuhl, Falkenhagener Feld und Schmargendorf sind.
Stadtleben
Essen – Es ist nicht gerade so, dass man das Kreuzberger Sternerestaurant Nobelhart & Schmutzig noch vorstellen müsste. Glücklicherweise ruhen sich die Inhaber Billy Wagner und Micha Schäfer nicht darauf aus, sondern lassen sich immer wieder neue Streiche einfallen. Der Aktuellste spielt sich auf dem Dach des Aufbau-Verlages ab. Kunst liefert Claudia Comte in Form von marmornen Dosen, Decken kommen vom Männer-Modemeister Frank Leder, und Essen gibt es natürlich auch. Wie immer 10 Gänge, wie immer saisonal und „brutal lokal“. Bedeutet in diesem Fall Spargel, Holunder, Himbeer und Rhabarber. Mit einem negativen Test und Maske, wenn in Bewegung, kann hier für eine Nacht über den Dächern der Stadt reserviert werden.
Trinken – Olfaktorische kleine Kurztrips lassen uns fühlen, als säßen wir auf einem sizilianischen Balkon mit Blick aufs Meer – zumindest so lange, bis es wieder uneingeschränkt möglich ist. Am 19. Juni begleiten Sie Ulrich Amling, Weinexperte des Tagesspiegels, und Weinakademiker Jan Kiegeland auf eine geschmackliche Reise: Nach dem Aperitivo in Venedig wartet schon ein Rosé mit Meerblick in der Toskana. Gegen die Antwort auf folgende Frage verlosen wir eine Teilnahme: Welches italienische Weinanbaugebiet ist flächenmäßig das größte? Ran an die Recherche, gewonnen und eingeschenkt!
Schlendern – Tipps unserer aufmerksamen Leserschaft sind uns die liebsten! So trudelte jüngst ein Hinweis von Heiko Müller auf den Breslauer Platz in Friedenau ein. Hier soll sich nämlich ein Eis-Mekka befinden. Bestehend aus der festen Institution „Eis-Boutique“ und der Torten-Dame Frau Behrens (etwas versteckt auf der anderen Seite) gibt es außerdem, und seit kurzem auch mit Softeis am Start, die Pizza-Bäckerei Lula am Markt. Derzeit etwas verborgen hinter einem Bauzaun ist da weiterhin „Kay's Kiezeis“, das derzeit mit der Sorte „Talisker Whisky mit fermentiertem Kampot-Pfeffer und einer Prise Himalaya-Salz“ glänzt und die Eisfreunde Berlin, deren Insta-Seite bereits Lust auf Eisessen in Friedenau macht. Jeder Kiez hat seine Kompetenzen.
Hingehen – Berlins Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Mahnmale als Zeichen der aufgearbeiteten Geschichte Deutschlands und die Menschen, die uns durch sie hindurch führen, sind keine Selbstverständlichkeit. In der Ausstellung „Ausgeblendet. Der Umgang mit NS-Täterorten in Ost-Berlin“ wird der Prozess der Sichtbarmachung von Geschichte im Spannungsfeld politischer Auseinandersetzungen und Konflikte vor und nach der deutschen Wiedervereinigung erzählt. Bis zum 29. September, jeweils von Dienstag bis Donnerstag sowie wochenends von 13 bis 18 Uhr zeigt der Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße in einer Sonderausstellung, wie diese Konfrontation mit der eigenen Geschichte ausgesehen hat. Werner-Voss-Damm 54a, S-Bhf Südkreuz
Grübelstoff – Apropos aufgearbeitete Geschichte – wenn Sie ein Kapitel Ihres Lebens kuratieren sollten, welches wäre es? Und wie sähe diese Ausstellung aus?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Dinge zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Eva Tanner und das Sückwerk (Nummer Zwei).
„Die einen nähen Quiltdecken, die anderen stricken und häkeln. Ich habe in den langen Pandemiezeiten eine Flickendecke gestrickt und gehäkelt. Anfangs ging es mir vor allem darum, Wollreste zu verarbeiten und Noppen stricken zu lernen. Dann aber musste ich doch Wolle nachkaufen (mit Click and Meet) und herausgekommen sind 64 Teile, alle - mehr oder weniger - 15 x 15cm groß, wie Fliesen.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Buckower Damm (Buckow): Ab dem Morgen bis vsl Ende August ist hier in beiden Richtungen zwischen Gerlinger Straße/ Ringslebenstraße und der Stadtgrenze für den Auto- und Radverkehr gesperrt. Umleitungen sind ausgeschildert. Der Fußverkehr kann passieren.
Rudower Straße (Buckow): Zwischen 15 und 16.30 Uhr ist wegen einer Kundgebung mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen.
Kreuzberg: Wegen einer Kundgebung von 18 bis 21 Uhr sollte der Bereich zwischen Heinrichplatz und Adalbertstraße umfahren werden.
Alt-Tempelhof (Tempelhof): Bis Ende Juli steht in Richtung Germaniastraße zwischen Neue Straße und Tempelhofer Damm nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Ringbahnstraße (Tempelhof): Von morgens an ist die Anbindung an die Germaniastraße bis Mitte September unterbrochen.
Demonstration – Von 11 bis 11.30 Uhr sprechen sich auf dem Washingtonplatz 1 etwa 10 Personen für „Pollermützen für mehr Sicherheit auf Berlins Gehwegen“ aus. 300 Demonstrierende gehen mit dem Motto „Neukölln für mehr Personal und faire Löhne im Krankenhaus“ von 15 bis 16.30 Uhr auf die Straße. Genauer: auf die Rudower Straße 50. Die „Kundgebung anlässlich des Internationalen Hurentags – für die Entkriminalisierung, gesellschaftlicher Entstigmatisierung und Entdiskriminierung von Sexarbeit sowie für die Rechte, Freiheiten und den Schutz von Sexarbeitenden“ findet mit rund 40 Teilnehmenden von 16 bis 19.30 Uhr ebenfalls auf dem Washingtonplatz 1 statt. Zur „Bekanntmachung der Gründung des Aktionskreises Berlin Pro Nordisches Modell; Bekanntmachung von Bedingungen in der Prostitution“ finden sich zwischen 17 und 18.30 Uhr ca. 50 angemeldete Protestierende zusammen, wieder am Washingtonplatz 1. Ein weiteres Mal wird kommen rund 250 Personen für den „Protest gegen die Verdrängung der Buchhandlung Kisch & Co.“ zusammen, und zwar von 18 bis 21 Uhr in der Oranienstraße 25.
Gericht – Gegen einen 40-Jährigen, der die Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht haben soll, beginnt der Prozess. Das Mädchen sei bei den ersten sexuellen Übergriffen etwa sieben Jahre alt gewesen. 39 Taten sind angeklagt (14.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 218).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Björn Böhning (43), Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Bazon Brock (85), Künstler und Kunsttheoretiker, emeritierter Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung / Bettina Lamprecht (44), Schauspielerin / Cornelia Meinhardt (70), Schauspielerin und Synchronsprecherin / Angelina Probst (35), Künstlerin und Designerin / Alexander Schwolow (29), Torwart bei Hertha BSC
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Bernhard Averesch, * 12. Mai 1938 / Hagen Goerz, * 14. Februar 1942, Kfz-Meister / Hans Peter Schütz, * 8. November 1939, Journalist und Autor, ehem. Ressortleiter Politik beim „stern“ / Alexander Tietze, * 18. Juni 1938
Stolperstein – Elise Hanau (geb. Mayer) ist im Jahrgang 1878 in Chicago geboren worden und wohnte Zeit ihres Lebens in der Charlottenburger Delbrückstraße 19. Heute vor 79 Jahren beging sie Selbstmord, nachdem ihr Mann oder Bruder, Adolf Hanau, nach Sachsenhausen deportiert worden ist.
Encore
So, jetzt fahr’n wir übern See. Hier herrscht Geheule und Gebrumm – aber bald ist das Wasser bestimmt wieder stumm. Dafür legt sich die CDU krumm, die einen Antrag in den Hafen des Abgeordnetenhauses gelotst hat – Titel: „Auch auf dem Wasser gibt es Regeln“. An die sollen sich künftig Party- und Speedboote halten, die auch nachts 'ne Welle machen. Deshalb möge „geprüft werden, wie das Land Berlin einen Grenzwert für das Betriebsgeräusch von Bootsmotoren auf Berliner Gewässern einführen kann“. Die Sache hat nur einen Ankerhaken: Die Speedboote sind auch der Wasserschutzpolizei oft zu speedy. Darum solle es darüber hinaus „ein GPS-Ortungssystem für größere motorbetriebene Boote und Partyboote“ auf den Gewässern geben. Damit zu Lande wieder Ruhe herrscht. Und in der Luft die Satelliten singen: Wannsee, wann hör' ich Dich endlich wieder?
Hören Sie heute mal in sich selber rein. Mit mir haben sich gestern Lotte Buschenhagen (Recherche), Juliane Reichert (Stadtleben) und Kathrin Maurer (Produktion) in Berlin umgehört. Morgen geht es hier unerhört weiter mit Lorenz Maroldt. Danach betört uns der Sommer der Hoffnung. Ich grüße Sie,