Eine Liebe in Zeiten des Krieges

Wie sehr der Krieg auch die Verbindungen der russischsprachigen Community in Berlin bedroht, hat mir ein Besuch bei Jandro gezeigt. Er verlor vor vielen Jahren sein Herz an Aljona. Und an die Ukraine, an die Herzlichkeit ihrer Menschen. Nun blutet alles. Der 48-Jährige betreut das Vereinsheim eines Ruderclubs am Wannsee, seine drei Jahre jüngere Frau kocht hier normalerweise ukrainisch, da schmeckt die Bolognese nicht bloß nach Tomate. Doch seit der Krieg begonnen hat, ist sie nur noch zu Hause in ihrer Wohnung in Marzahn und hält eine Standleitung zu ihrer 75-jährigen Mutter, die es nicht rechtzeitig aus ihrer Heimat herausgeschafft hat.

Jandro und Aljona sind zu Hause in Berlins russischsprechender Community: Ukrainerinnen, Russen – bisher waren sie Schwestern und Brüder. Aljona ist Ukrainerin, hat auch mal zehn Jahre in Moskau gelebt. Wegen Jandro zog sie dann her. „Weil wir uns eben lieben“, sagt er stolz. Aljonas Mutter ist noch dageblieben. Ihre Schwester. Deren Sohn. Die ganze Familie ist plötzlich eingeschlossen im Krieg. Jandro und Aljona bangen in Berlin ohnmächtig um ihr Schicksal. Meine neue Liebeskolumne kann man hier lesen – über ein Paar, das Unaushaltbares aushalten muss.