Konter im Abgeordnetenhaus: Schulsenatorin will keine Hausaufgaben machen
Nach dem ersten Probeunterricht für den Zugang zum Gymnasium wurde Bildungssenatorin Günther-Wünsch für die hohe Durchfallquote verantwortlich gemacht. Diese gibt sich verwundert. Von Anke Myrrhe und Christian Latz.
Nicht nur in den Berliner Behörden wird gern Pingpong gespielt, auch zwischen den Koalitionspartnern gibt es gern mal ein öffentliches Hin und Her – mit Aufschlag im Checkpoint. Und der ging so:
SPD-Fraktionschef Raed Saleh hatte der Bildungssenatorin persönlich die Schuld gegeben, dass nur 2,6 Prozent der Kinder den Probeunterricht fürs Gymnasium bestanden haben. Mit zu komplizierten Aufgaben sei der Zugang zum Gymnasium „unnötig erschwert“ worden (CP vom 11.3.). „Die Bildungssenatorin muss sicherstellen, dass im nächsten Jahr nachgebessert wird. Das ist jetzt ihre Hausaufgabe.“
Gestern nun führte Günther-Wünsch in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses erneut aus, dass der Probeunterricht eine „zusätzliche Möglichkeit“ für diejenigen Schüler sei, „denen es im zweiten Halbjahr der fünften und im ersten Halbjahr der sechsten Klasse nicht möglich war, ihre Eignung fürs Gymnasium nachzuweisen“. Immerhin hätten 54 Prozent der Berliner Kinder ohnehin eine Gymnasialempfehlung erhalten (Vorjahr: 55 Prozent).
Ohne Saleh anzuschauen, aber ganz deutlich in seine Richtung, sagte sie dann: „Ich bin schon ein wenig verwundert, dass insbesondere die Verfechter der integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen in den letzten Tagen und Wochen einen Zugang zum Gymnasium als ‚unnötig erschwert‘ vorwerfen.“ Den Checkpoint hat sie offenbar gründlich gelesen. „Und das macht dann auch paternalistische Hinweise auf Hausaufgaben seitens der Senatorin überflüssig.“ Mal sehen, wer da am Ende sitzenbleibt.