Ergebnis der Hessen-Wahl 2018 steht
Hessen ist fertig, und jetzt: ab auf die Insel? Wohl eher nicht. Nach einem Wahlkrimi in mehrfacher Tatortlänge, der lange Jamaika als einzig mögliches Ziel der hessischen Reise ausmachte, stand um 1.50 Uhr fest: Schwarz-Grün kann wohl doch weiterregieren, wenn auch deutlich grüner eingefärbt als bisher, zumindest aber ohne gelbe Streifen. Eine Punktlandung: Die CDU kommt auf 40 Sitze, SPD und Grüne jeweils auf 29 – und zwar in umgekehrter Reihenfolge: Die Grünen schlagen die SPD um genau 94 Stimmen (Grüne: 570.260 Stimmen, SPD: 570.166 Stimmen) und hätten sogar die Option, mit SPD und FDP die Ampel neu zu sortieren. Und selbst die ehemalige große Koalition wäre am Ende noch möglich (wenn auch unwahrscheinlich) – alle kommen genau auf die nötigen 69 Sitze. Das vorläufige amtliche Endergebnis:
CDU 27 Prozent (-11,3)
Grüne 19,8 Prozent (+ 8,7)
SPD 19,8 Prozent (-10,9)
AfD 13,1 Prozent (+ 9,0)
FDP 7,5 Prozent (+ 2,5)
Linke 6,3 Prozent (+ 1,1)
Die wichtigste Erkenntnis des hessischen Farbenspiels ist aber: Alle sind noch da. Während ein etwas zu gut gelaunter Volker Bouffier zwar von Demut sprach angesichts der zweistelligen Verluste seiner CDU, aber man weiß ja: Wer von Demut spricht, empfindet sie nicht. Die anderen sind schließlich noch schlechter! Das einzige was Thorsten Schäfer-Gümbel am Abend feiern konnte, war der Geburtstag seiner Frau. Hessen liegt eben doch ein bisschen in Berlin. Und so war es seine SPD-Parteichefin, die die Worte des Abends sprach: Der Zustand der (noch) Großen Koalition in Berlin sei „nicht akzeptabel“. Bis zur Halbzeit im nächsten Herbst soll eine noch zu benennende Liste abgearbeitet werden, dann werde man sehen, „ob wir darin noch richtig aufgehoben sind“, sagte Nahles. Heißt übersetzt: Seehofer muss weg, wir sind jetzt Chef, sonst sind wir weg. Es kommentiert der unvermeidliche Kevin Kühnert: „Gut, dass letzte Nacht Zeitumstellung war. Jetzt ist es nicht mehr 5 vor 12, sondern erstmal wieder 5 vor 11.“
Kühnert hätte gut hineingepasst in den Buddy-Talk zwischen FDP-Lindner und dessen grünem Pendant Robert Habeck, die sich bei Anne Will am Abend ein launiges Wortgefecht unter Duzfreunden lieferten – und zumindest bewiesen, dass es noch Leidenschaft in der Politik gibt. Annegret Kramp-Karrenbauer und Olaf Scholz waren auch anwesend.
Was noch? Die AfD, nun in allen 16 Landtagen vertreten (weder Grüne noch FDP und Linke schaffen das), feierte mit Sekt und Gesang (Nationalhymne) und jubelte „Der Himmel über Hessen ist blau“. Muss ihnen nur noch jemand erklären, dass das Land keine Außengrenzen hat.
Ach ja, und die Wahlbeteiligung blieb mit 67,3 (- 5,9) hinter den Erwartungen, was auch daran liegen könnte, dass die demokratische Symbolik nicht immer ganz passend ist.
Alle Ereignisse des gestrigen Tages gibt es hier.