Premiere in Berlin: Bewegender Film über Frauen des Ostens
In Thüringen stehen Wahlen an und am Montag prämierte ein Film über mutige ostdeutsche Frauen. Zwei der Hauptpersonen erklären uns, wie sie die heutige Situation im Osten einschätzen. Von Robert Ide
Wie böse wird die Überraschung für die Republik bei den Wahlen am Sonntag in Thüringen in Sachsen? Die Hälfte der Wählerinnen und Wähler scheint hier jedenfalls drauf und dran zu sein, die in Teilen rechtsextreme AfD oder das neue populistische Bündnis Sahra Wagenknecht zu wählen, während die Parteien der desaströs in Berlin vor sich hin streitenden Ampel-Regierung und die kollabierende Linke teilweise um den Wiedereinzug in die Landtage bangen müssen.
Passend zur wieder mit neuer Intensität aufflackernden Debatte über die Demokratie in Ostdeutschland, feierte am Montagabend in Berlin ein bemerkenswerter Film Premiere. Die Doku „Die Unbeugsamen, Teil 2“ porträtiert die Lebenswege mutiger ostdeutscher Frauen in die Freiheit. Die Juristin Elke Büdenbender, Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und selbst katholisch geprägt im Westen aufgewachsen, sagte bei der Premierenfeier in Prenzlauer Berg: „In den Osten blickten wir Frauen, die nach Gleichberechtigung strebten, immer auch mit Neid.“
Im Film erzählt werden etwa die eindrücklichen Lebensgeschichten der Künstlerin Gabriele Stötzer, die wegen oppositioneller Aktionen im berüchtigten DDR-Frauengefängnis Hoheneck einsaß, und der Schriftstellerin Katja Lange-Müller, die als Kind aus einem Staatsführungs-Haushalt vor dem Mauerfall nach West-Berlin floh. Was denken diese Frauen über den Zustand der ostdeutschen Demokratie und wie kann sich das vereinte Land noch versöhnen? Das haben meine Kollegin Christiane Peitz und ich die beiden beim Tagesspiegel-Gespräch gefragt. Katja Lange-Müller schlägt vor: „Man sollte sich im Westen mal die Jacke des Ostens anziehen: Wie hätte ich in einer Diktatur überlebt, hätte ich Widerstand geleistet? Und wie hätte ich mich gefühlt, wenn alle um mich herum arbeitslos werden und meine Kinder wegziehen?“ Gabriele Stötzer appelliert dagegen vor allem an die Ostdeutschen: „Ich finde es wichtig, endlich nach vorne zu sehen. Die Leute sollen sagen, was sie wollen, und nicht nur klagen über das, was sie nicht wollen.“
Das Interview, in dem es auch darum geht, ob die emanzipierte Ost-Frau nur ein Mythos ist und wie sich der Feminismus im gesamten Land gewandelt hat, lesen Sie am Donnerstag in unserem Newsletter „Im Osten“, der auch über die Wahlen hinaus wöchentlich erscheint – zum kostenlosen Abo geht es hier. Am Abend des Wahl-Sonntags verschicken wir außerdem einen Sonder-Newsletter mit ersten Ergebnissen und Analysen. Denn das Ringen um die Demokratie in Ostdeutschland ist jede Mühe wert – und fängt täglich von Neuem an.