Sünder vs. Lehmann
In der Senatskanzlei herrscht trotz Sommerpause aufgeregte Anspannung: Senatssprecherin Claudia Sünder, derzeit im Urlaub in Afrika, sieht sich seit Wochen mit einem 80-seitigen Pamphlet konfrontiert, in dem ihr angebliche Unkorrektheiten in ihrer Biografie nachgesagt werden. Verfasser des Papiers, das auch in Verwaltungen, bei Abgeordneten und beim Tagesspiegel landete, ist der Berliner Autor Hans-Joachim Lehmann. Bei ihm fand vor zwei Wochen eine Hausdurchsuchung statt, schreibt nun der „Stern“. Die Senatskanzlei hatte gegen Lehmann Anzeige erstattet, etwa wegen Beleidigung und übler Nachrede. Auch Sünder, seit eineinhalb Jahren Sprecherin des Senats, geht zivilrechtlich gegen Lehmann vor. „Ich bin was ich bin. Es erschien mir noch nie sinnvoll, sich mit Unaufrichtigkeit durchs Leben zu bewegen“, sagte Sünder am Sonntagabend am Checkpoint-Telefon. Auf die Frage, ob sie sich mit unkorrekten Angaben bei der Senatskanzlei beworben hatte, antwortete die 48-Jährige knapp: „Ich habe mich nicht beworben. Man hat mich gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte.“
Und was steht in dem Pamphlet? Lehmann wirft unter anderem die Frage auf, warum Sünder als 19-Jährige eine Laufbahn als Redakteurin in der gelenkten DDR-Presse in Ost-Berlin aufnehmen konnte. Nach ihren Angaben arbeitete Sünder ab 1988 beim „Pressedienst Berlin“. Dieser erstellte im Verlag der „National-Zeitung“ offenbar Seiten für DDR-Regionalzeitungen. Die „National-Zeitung“ gehörte zur Blockpartei NDPD. Sünder sagt dazu: „Für meine Vita und meine Kompetenzen muss ich mich weder schämen, noch etwas verschweigen oder beschönigen.“ Und warum muss sie sich das jetzt fragen lassen? Laut „Stern“ soll Lehmann über eine Abmahnung verärgert gewesen sein, weil er Inhalte des offiziellen Stadtportals berlin.de ohne Genehmigung weiterverwendet hatte. Als Reaktion habe der 74-Jährige Sünders Vita durchforstet. Laut Sünder habe er dabei nie Kontakt mit ihr aufgenommen.