Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen: Ex-Direktor jetzt wirklich Ex-Direktor

Tief gefallen ist bekanntlich auch Hubertus Knabe, seit gestern nun wirklich Ex-Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen (zumindest bis zum nächsten Gerichtsverfahren). „Mal sehen, wie es hier aussieht, hier ist ja bestimmt schon lange nicht mehr geputzt worden“, witzelte Knabe, als er vorrübergehend in sein altes Büro stapfte, mit Blumen und Konfekt im Arm, überreicht von SED-Opfervertretern am Eingang. Dass er bald wieder gehen musste, liegt offenbar nicht nur daran, dass er sexuelle Belästigungen seines Vizes jahrelang geduldet haben soll. Die als Vertrauensperson eingesetzte Marianne Birthler berichtete von Gesprächen mit 40 Mitarbeiterinnen, von denen keine die Sexismus- und Belästigungsvorwürfe angezweifelt habe.
Und der erste Bericht des nun kommissarisch eingesetzten Nachfolgers Jörg Arndt nach einem Monat vor Ort liest sich auch nicht unbedingt wie das Dokument einer vorbildlich geführten Behörde. Alle Vorgänge hätten über den Tisch des Direktors gemusst, regelmäßige Dienstgespräche habe es nicht gegeben. Ein namentlich genannter Mitarbeiter schreibt, das Landesgleichstellungsgesetz (seit 2002 in Kraft) habe keine Rolle gespielt, auch ein gesetzlich vorgeschriebener Frauenförderplan existiere nicht. Eine Frau berichtet, dass sie während eines sechswöchigen Burn-out-Ausfalls „nahezu täglich durch den Direktor zu Hause angerufen oder kontaktiert wurde, um Hinweise zum Aufgabengebiet gebeten wurde und auch, ob sie kurz vorbeikommen könne“. Es bestehe der Eindruck, schreibt Arndt, dass vielfach nach dem Prinzip „Zweckmäßigkeit vor Rechtmäßigkeit“ vorgegangen wurde. Die Blumen nahm Knabe wieder mit, als er die Gedenkstätte um 14.27 Uhr verließ. Und einen grauen Schirm. Hatte er wohl beim letzten Mal vergessen. Und dass er nochmal wiederkommt erscheint nach diesem bizarren Tag ziemlich ausgeschlossen.