Promenade soll Aufklärerin der Kolonialzeit ehren: Mit diesem Vorschlag überrascht die CDU in Steglitz-Zehlendorf

Nora Schimming könnte Namensgeberin für eine bisher unbenannte Straße in Dahlem werden. Die Freie Universität fordert schon lange, einen öffentlichen Ort nach der afrikanischen Bürgerrechtlerin zu benennen. Von Robert Ide

Promenade soll Aufklärerin der Kolonialzeit ehren: Mit diesem Vorschlag überrascht die CDU in Steglitz-Zehlendorf
Foto: Bernd Wannenmacher / FU Pressestelle / dpa

Das Gedächtnis der Stadt zeigt sich auch an vielen Straßennamen. Deshalb fordert die Freie Universität schon lange, eine Straße oder einen Platz nach Nora Schimming zu benennen. Die afrikanische Bürgerrechtlerin, später erste Botschafterin Namibias in Deutschland, hatte an der Uni studiert. Der Vorschlag, den Nettelbeckplatz in Wedding nach ihr zu benennen (Joachim Nettelbeck war zur deutschen Kolonialzeit am Sklavenhandel beteiligt), wurde zugunsten eines anderen Namens verworfen: Der Platz soll ab Herbst den Namen von Martha Ndumbe tragen – die einstige Berlinerin mit kamerunischen Wurzeln wurde im vergangenen Jahrhundert rassistisch diskriminiert und von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager deportiert, wo sie verstarb.

Eine Initiative aus der Uni heraus favorisierte für Nora Schimming-Chase, die sich in Berlin für die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit eingesetzt hatte, schließlich die Iltisstraße, die am Campus in Steglitz-Zehlendorf entlangführt und weiterhin den Namen eines deutschen Kanonenboots trägt, das einst den kolonialen Machtinteressen des Deutschen Reiches diente. Das aber lehnte die Bezirksverordnetenversammlung vor einem Jahr mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD ab. Nun gibt es überraschend einen neuen Antrag der örtlichen CDU: Die kleine Promenade entlang des Dahlemer U-Bahn-Grabens zwischen Ihnestraße und Clayallee, die bisher keinen Namen trägt, solle künftig Nora-Schimming-Promenade heißen. „Die Benennung wäre ein starkes Zeichen für Erinnerungskultur, internationale Verbundenheit und das Eintreten für Menschenrechte“, heißt es im Antrag, der dem Checkpoint vorliegt. Die Iltisstraße allerdings würde weiterhin nach einem Kanonenboot heißen, das genau diese Werte einst bekämpft hat.