Schulmisere schlägt zu
Menschenansammlungen zu vermeiden ist in Berlin zugegebenermaßen nicht ganz einfach, vor allem in den Schulen ist es bekanntlich voller, als gesund ist. Etwa 30.000 Kinder und Jugendliche in Grund- und Sekundarschulen lernen in Klassen mit mehr als 26 Kindern – die Anzahl, die Bildungsfachleute für vertretbar halten. Das Schulplatzdefizit wird derzeit dauerhaft mit Überbelegung kompensiert. Und die Situation wird sich noch verschlimmern, denn Schulsenatorin Scheeres hat bereits angekündigt, die fehlenden 9500 Schulplätze bis 2022 zum Großteil mit „Belegungen, die über die gewünschten pädagogischen Standards hinausgehen“, zu kompensieren. Die grünen Koalitionspartner fordern deswegen eine verbindliche Obergrenze. Zum Verständnis: Damit ist nicht die Amtszeit der Schulsenatorin gemeint.
Vornehmen kann man sich ja viel, doch das mit der Umsetzung ist in dieser Stadt bekanntlich so eine Sache. Im vergangenen März hatte Scheeres angekündigt, insgesamt 257 Millionen Euro in die Digitalisierung der Schulen investieren zu wollen, von den für 2019 vorgesehenen 38 Millionen Euro ist aber gerade mal eine gute Million ausgegeben worden. „In einem ersten Schritt werden bereits 2019 alle Berufsschulen angeschlossen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Ein Jahr später hat die FDP-Politikerin Maren Jasper-Winter nun mal nachgefragt, Antwort der Bildungsverwaltung: „Zum Zeitpunkt der Anfrage wurden noch keine Mittel aus dem 'DigitalPakt Schule' für die beruflichen Schulen bereitgestellt.“
Geklappt hat es mit der geplanten Glasfaseranbindung übrigens in fünf von 44 Schulen, eine davon (das Oberstufenzentrum Lotis) liegt zufälligerweise im Wahlbezirk des Regierenden Bürgermeisters.