AGH
Während die Stimmung in Moskau eisig ist, wird es in Berlin heute stürmisch – der Deutsche Wetterdienst warnt vor Orkanböen. Unruhig sind zuletzt womöglich auch die Debatten im Abgeordnetenhaus. Blick in die Senats-PK am Dienstag: Eine etwas abgekämpft aussehende Franziska Giffey setzt sich 40 Minuten zu spät ans Pult. Zwei Stunden habe man sich mit den Experten „auseinandergesetzt“, „eine sehr ausführliche Expertenanhörung“ sei es gewesen. (Unter anderem war Christian Drosten himself zu Gast.) Dann verkündet Giffey Lockerungen – FFP2 statt 2G in Handel und Museen – sowie eine Diskussion über Schul-Maskenpflicht kommende Woche. Auch in der heutigen Bund-Länder-Konferenz sollen Lockerungen beschlossen werden. Etwa soll die Obergrenze bei Treffen von Geimpften und Genesenen fallen. Dass die Zahlen sinken würden, sagte die Regierende, „bedeutet, dass es aus unserer Sicht zu rechtfertigen ist, weitere Schritte in Richtung Lockerung zu machen“. Aber sehen die Koalitionspartner das genauso?
Vor zwei Wochen nannte Bürgermeisterin Jarasch (Grüne) Öffnungs-Zeitpläne noch „unseriös“. Vergangene Woche hieß es von SPD-Gesundheitsexpertin Bettina König: „Die Zeit für umfassende Lockerungen ist noch nicht da“ (Inzidenz: 1609). Heute (Inzidenz: 1377) brachte der Senat erste Lockerungen auf den Weg. Selbst Gesundheitssenatorin Gote (Grüne), selbsternannter Teil von „Team Vorsicht“ und in einem Radioeins-Interview am Morgen noch tendenziell öffnungsskeptisch, sagte dem Tagesspiegel am Nachmittag, man sei sich „im Senat einig, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um schrittweise und vernünftig Öffnungen einzuleiten“. Politische Kommunikation 101:Adjektive vor dem Wort „Lockerungen“ und nicht exakt definierte zeitliche Eingrenzungen („die Zeit“) helfen beim Nachjustieren.