Mitte hat sich verrechnet

Der Corona-Hotspot Mitte hat doch mehr geprüft als gedacht: Statt 169 Corona-Kontrollen im Sommer liege die Zahl „im höheren 4-stelligen Bereich“. Von Anke Myrrhe

Mitte hat sich verrechnet
Foto: Paul Zinken/dpa

Es muss in Berlin was passieren“, sagte Angela Merkel gestern und meinte damit nicht die Endlagersuche im Berghain. Die Kanzlerin hat offenbar ernsthafte Zweifel, dass der Senat ernsthaft versucht, Maßnahmen gegen die steigenden Corona-Zahlen zu ergreifen. Da sie diese Einschätzung vermutlich gestern nach der Checkpoint-Lektüre entwickelt hat, können wir zumindest ein wenig Entwarnung geben: Mitte hat sich verrechnet. Nur 169 Kontrollen der Corona-Maßnahmen hatte der Bezirk nach eigener Angabe in den Monaten Juni, Juli und August durchgeführt, gestern hieß es aus dem Bezirksamt, es sei „ein statistischer Fehler unterlaufen“: „Natürlich liegen die Zahlen im höheren 4-stelligen Bereich.“ Damit diesmal auch alles stimmt, wurde nun über Nacht noch mal nachgerechnet. Ob sich die dadurch auch die Zahl der Anzeigen und die eingenommenen Bußgelder erhöhen, wird auch im Kanzleramt mit Spannung erwartet (morgen wird hier wieder kontrolliert).
 
Vorsichtshalber berät der Senat trotzdem heute Vormittag (ab 10 Uhr) über schärfere Kontaktbeschränkungen, zum Rapport bei der Kanzlerin geht es gemeinsam mit den anderen Länderchefs um 14 Uhr. „Höchstwahrscheinlich wird es so sein, dass die Kontaktmöglichkeiten wieder eingeschränkt werden müssen“, sagte Regiermeister Müller gestern – dabei geht es vor allem um private Zusammenkünfte (50 draußen, 25 drinnen; alle mit Alkohol). Man wolle aber zielgerichtet Maßnahmen ergreifen „und jetzt nicht einfach sagen, ganz breit wird alles wieder eingeschränkt.“ Dem Vernehmen nach will Dilek Kalayci Kontaktbeschränkungen bereits einführen, wenn der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner an sieben Tagen in Folge über 30 liegt. Unterstützt wird sie dabei heute im Senat von Chef-Kontrolleur Christian Drosten.
 
Wie schwierig es ist, einheitliche Regeln zu finden, hat das Tagesspiegel-Innovation-Lab in einer Analyse aller 16 Bundesländer zur Frage Reiserückkehr recherchiert. Ergebnis: Auch einzelne Berliner Bezirke (zum Beispiel Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg) könnten von anderen Bundesländern zum Risikogebiet erklärt werden (nein, mit Atommüll hat das nichts zu tun). Was das bedeuten würde, hängt dann allerdings wieder vom Bundesland ab. Schöne Deutsche Einheit.