Politkrimi in Pankow

Die Wiederwahl des Pankower Bürgermeisters Sören Benn (Die Linke) ist gelungen. Knapp und wohl auch mit Stimmen von AfD und CDU. Ein Kommentar von Robert Ide

Politkrimi in Pankow

Politik im Kleinen ist manchmal ein ganz großer Krimi. Der Spannendste spielte sich am Donnerstagabend in Berlins größter Kleinstadt ab: in so weitläufigen wie vielgliedrigen Pankow. In der Bezirksverordnetenversammlung stellte sich der bisherige Bürgermeister Sören Benn von der Linken trotz fehlender eigener Mehrheit zur Wiederwahl – mit einer emotionalen Rede: „Mein Name ist Sören Benn. Aus mir ist eher ungeplant ein Kommunalpolitiker geworden. Das aber dann mit Haut und Haaren.“ Bei den Leuten zu sein, sei sein Kraftquell, „mein Kompass und meine Erdung“. Die dürfte er nach der knappen Abstimmung im politisch zerstrittenen Bezirk brauchen.

Die Wahl, für die 28 Ja-Stimmen nötig waren, geriet zur lokalen Kraftprobe mit stadtpolitischen Folgen (Livestream zum Nachsehen hier). Linke und SPD konnten nur 23 Stimmen aufbieten, Benn aber gewann mit 29 Stimmen. Die im Bezirk eigentlich siegreichen Grünen und die FDP hatten ein Nein angekündigt. Die zusätzlichen 6 Stimmen und 2 Enthaltungen dürften damit von CDU (8 Stimmberechtigte) und/oder der AfD (5 Stimmberechtigte) gekommen sein; die Wahl war allerdings geheim. Womöglich hat Benn also Stimmen der AfD für sich in Kauf genommen – die Rechtsaußen-Partei nahm das hinterher für sich in Anspruch, Benn selbst titulierte sie in der Nacht als „politische Horrorclowns“. Und wahrscheinlich hat die lokale CDU die Wahl eines Bürgermeisters der Linken ermöglicht – trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundespartei. Dieser Krimi geht in die Fortsetzung.