Bericht einer Wahlhelferin
- Und wie lief die Wahl ab? Fragen wir am besten Susanne Schmidt, Busfahrerin, Autorin und Co-Moderatorin unserer Tagesspiegel-Wahlkampftalks. Sie ist seit mehr als 15 Jahren Wahlhelferin und berichtet für den Checkpoint noch einmal live aus der Prinzregentenstraße:
„Wir hatten von Anfang an zu wenige Wahlzettel. Mittags gingen die schon zur Neige. Wir wollten uns bei der Wahlleitung um Nachschub bemühen, kamen aber mehrmals nicht durch. Um 12.30 Uhr mussten wir das Wahllokal schließen, draußen waren viele erbost. Wir haben die Leute beruhigt und die Polizei geholt zur Deeskalation. Eine Streife fuhr dann mit Blaulicht ins Rathaus Charlottenburg, um Stimmzettel zu holen. Nach eineinhalb Stunden im Marathon-Stau kam auch der Bote an. Auf die Idee, dass man Zettel auch mit dem Rad transportieren kann, kam keiner. Eigentlich war es eine schöne Wahl, schon um 8 Uhr war die Schlange lang. Später kippte es, erst recht, als wir am späten Nachmittag noch mal schließen mussten. Ich muss leider sagen: Ich war selten so empört. Für eine Wahl war das würdelos. Ich fühlte mich sehr beschämt, wie wenig Respekt unsere Stadt den Wählerinnen und Wählern entgegenbringt. Nur eines hat mich getröstet: Manche Wartenden haben sich von zu Hause Kaffee geholt und ein Kränzchen auf der Straße veranstaltet. Es war wie früher in den Wahllokalen – als die noch in den Kneipen waren.“ Solch eine Qual wie diesmal hatte damals allerdings keiner zu verdauen.