Noch mehr Platz für Zweite-Reihe-Parker
In der Schöneberger Hauptstraße werden ein Jahr lang Rohre ausgetauscht. Danach soll endlich die Verkehrswende kommen. Allerdings führt die direkt in die Vergangenheit. Von Sigrid Kneist und Anke Myrrhe
Gewöhnt hat sich halb Schöneberg inzwischen an die Baustelle auf der Hauptstraße: Seit dem Frühjahr werden hier zwischen Kaiser-Wilhelm-Platz und Kleistpark die Rohre ausgewechselt, Bauzeit für den 350 Meter langen Abschnitt: mehr als ein Jahr. Während auf der gesperrten Spur Richtung Norden wild geparkt und Party gemacht wird, laufen im Bezirk die Wetten, dass danach sicher auch nichts besser wird. Denn die Wasserbetriebe (die hier gerade das Trinkwassernetz erneuern) können normalerweise nichts anderes tun, als den Vor-Baustellen-Zustand wiederherzustellen (Grund: Nichtzuständigkeit für alles andere). Und der ist hier: Berlin in a nutshell (= Horror): Rasende Rüpel, schutzlose Radler und Bus-Karawanen (M85 / M48 / 106 / 187 / 204), die sich an Zweite-Reihe-Parkern vor Dönerbuden, Bio-Märkten und Kitas vorbeischleichen. Die ganz normale tägliche Lebensgefahr.
Zaghafte Anfrage bei der Verkehrsverwaltung, was da im Sommer 2022 wieder aufgepinselt wird. Überraschende Antwort: Nein, es soll nicht alles wieder werden, wie es früher einmal war! Auf Anregung des Bezirks (das ist der, für den Kreuzberg Radwege bauen muss) soll es in Post-Baustellen-Zeiten „eine deutliche Verbreiterung der Busspur zur besseren gemeinsamen Nutzung durch Busse und Radverkehr, samt verlängerter Geltungsdauer geben“, teilt die Verkehrsverwaltung mit. Klasse, da kriegen die Zweite-Reihe-Parker noch etwas mehr Platz. Doch halt: „Die Pläne der BVG liegen vor, eine Anordnung durch SenUVK gibt es noch nicht, weil die Prüfung noch andauert“, schreibt uns ein Sprecher. „Die Umsetzung übernimmt dann der Bezirk.“
Dann ist ja alles gut: Da es dort momentan „keinen Planer für den gesamten Bereich des Rad- und Fußverkehrs“ gibt (Zitat der Stadträtin Christiane Heiß), versenken wir die Pläne am besten gleich mit den Rohren in der Erde. (Und ich gewinne wenigstens die Wette).
Warum es so lange dauert, die Rohre auszutauschen, und wie es weitergeht auf der Baustelle, lesen Sie heute im Bezirksnewsletter meiner Kollegin Sigrid Kneist.