Immer mehr antisemitische Vorfälle in ehemaligen Konzentrationslagern

Dass eine gute gemeinsame Zukunft kaum gestaltet werden kann ohne Erinnerung an die Vergangenheit, zeigt sich gerade in den ehemaligen Konzentrationslagern rund um Berlin. Mehrere zehntausend Menschen wurden während des Nationalsozialismus in den Brandenburger KZs Ravensbrück und Sachsenhausen ermordet. An diesen Orten des Schreckens geschehen, verstärkt durch Rechtsextremismus und Islamismus, nun erschreckende Dinge in der Gegenwart.

Mehr als eine halbe Million Menschen haben im letzten Jahr Sachsenhausen besucht, 80.000 waren es in Ravensbrück. Doch immer häufiger zweifeln Besucherinnen und Besucher hier offen und provokativ an, dass die NS-Verbrechen insbesondere an jüdischen Mitbürgern tatsächlich geschehen sind. In Gästebüchern fänden sich immer mehr fremdenfeindliche oder antisemitische Eintragungen. „Seit dem Überfall der Hamas auf Israel stellen wir eine deutliche Zunahme solcher Vorfälle fest“, sagt Axel Drecoll, der die Gedenkstättenstiftung leitet. Seine Worte sollten eine Mahnung für alle gegenwärtigen Debatten sein: „Dass die NS-Verbrechen an den Orten infrage gestellt werden, an denen sie stattfanden, und die eigentlich als Beweis dienen, dass es diese Verbrechen gegeben hat, ist eine Eskalationsstufe, die wir uns lange so nicht vorstellen konnten.“

Einer erneuten Entmenschlichung systematisch ermordeter Menschen kann die Gesellschaft nur eines entgegensetzen: mehr Menschlichkeit.