Verdienstorden des Landes Berlin trotz Streits mit CDU-Staatssekretär: Dervis Hizarci für Kampf gegen Antisemitismus ausgezeichnet

Der Vorsitzende der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (Kiga) wurde für seine wichtige Arbeit geehrt. Doch für genau diese Arbeit soll es künftig keine Förderung mehr bekommen. Von Anke Myrrhe und Robert Kiesel

Verdienstorden des Landes Berlin trotz Streits mit CDU-Staatssekretär: Dervis Hizarci für Kampf gegen Antisemitismus ausgezeichnet
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch an Berlins Schulen ist die Lage seit dem 7. Oktober 2023 nicht einfacher geworden. Der Bedarf an Aufklärung und Vermittlungsarbeit ist groß. Doch über die Frage „Wie“ und vor allem „Wer“ gibt es seit längerem Streit. Umso bemerkenswerter ist, wer gestern im Festsaal des Roten Rathauses mit dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt wurde. Den bekommen Berlinerinnen und Berliner, die sich „in herausragender Art und Weise um unsere Stadt verdient gemacht haben“ (Zitat Kai Wegner, Regiermeister und Ordensverleiher).

Einer der zwölf Ausgezeichneten: Dervis Hizarci. Er ist Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (Kiga), die Berliner Schulen im Umgang mit Antisemitismus berät. Allein 800 Beratungsgespräche mit Lehrkräften hat die Kiga zwischen dem 7. Oktober und dem Jahresende geführt – die Nachfrage ist riesig. Und dennoch stellte Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) kürzlich die Fortsetzung der Förderung für die Kiga in Frage, stoppte die Vergabe eines Projekts zur Prävention von islamischem Antisemitismus an die Kiga und setzte sich dabei über das Votum seiner Fachebene hinweg, Zitat: „Es wird mit mir keine Abonnements auf Fördergelder geben.“ Dem Vernehmen nach spielen auch persönliche Vorbehalte gegen Hizarci eine Rolle. Nach Tagesspiegel-Informationen hat einer der zuständigen Fachreferenten in der Jugendverwaltung bereits gekündigt.

Und Kai Wegner, im Nebenamt bekanntermaßen Chef der Berliner CDU? Dankte dem „leidenschaftlichen Förderer religiöser Toleranz“ gestern herzlich für sein Engagement. Wegner betonte die Bedeutung der Arbeit Hizarcis für die Förderung des jüdisch-muslimischen Dialogs. Eine Arbeit, die seit dem 7. Oktober 2023 schwieriger und wichtiger geworden sei. Gilt womöglich auch für die Arbeit innerhalb der CDU.

Auf der Liste der Gäste Hizarcis stand übrigens auch ein BND-Chef Bruno Kahl, der mit großer Eskorte anreiste und im Festsaal platznahm.