Pflegende Angehörige warten auf PCR-Tests
Pandemie-Vorschriften verändern sich fast so schnell wie das Coronavirus – PCR-Tests sind nun rationiert. Häusliche Pflegekräfte haben allerdings das Nachsehen. Von Robert Ide und Thomas Lippold
732 Tage wird das neue Leben heute alt, unser Leben mit (und auch das vielfache Sterben an) Corona. Die Sprunghaftigkeit und Wandlungsfähigkeit des Virus raubt vielen Menschen die fast letzten Nerven – und führt auch zu wellenartigen Veränderungen der politischen Maßnahmen. Inzwischen sind nun die zuverlässigen PCR-Tests rationiert. Unser Leser Günter Köhler ist chronisch an MS erkrankt, sitzt im Rollstuhl und wird von seiner Frau gepflegt. Beide sind geboostert, hatten aber eine Begegnung mit einer positiv getesteten Person. „Wir wollten sicher gehen und einen PCR-Test erbitten“, schreibt Köhler. Doch im Testzentrum beschied man dem Ehepaar: „Kein Test möglich – Sie gehören nicht zu den priorisierten Pflegekräften.“ Dringende Frage dazu: Hat die Politik etwa die häuslichen Pflegekräfte wieder als nicht dringlich vergessen?
Nicht ganz, antwortet die Senatsverwaltung für Gesundheit auf Checkpoint-Anfrage. Gerade werde auf Bundesebene die nationale Teststrategie überarbeitet, inklusive des Zugangs zu PCR-Tests. Die Senatsverwaltung dazu: „Berlin bringt sich dabei ein und würde es sehr begrüßen, wenn pflegende Angehörige zur Personengruppe gehören werden, die priorisierten Zugang zu Tests erhalten.“ Immerhin sind die meisten Pflegekräfte in Deutschland die Nächsten der Pflegebedürftigen. Für ihre Nächstenliebe brauchen sie Hilfe.