Dickhäuter unter sich: Friedrich Merz erscheint zum Antrittsbesuch im Roten Rathaus
Nach fast sieben Monaten wagt der Bundeskanzler die vier Kilometer bis zum Roten Rathaus. Was steht neben dem obligatorischen Gruppenfoto noch an? Unter anderem soll es um Wissenschaft und Forschung gehen. Von Anke Myrrhe und Jessica Gummersbach.
Ganz schön rumpelig für diesen selbstbewussten Satz: „Der Bund kann von Berlin lernen, dass wir in den letzten zweieinhalb Jahren hier relativ geräuschlos regiert haben“, sagte Kai Wegner kurze Zeit später – ein erster Seitenhieb in Richtung Friedrich Merz (beide CDU), der heute zum Antrittsbesuch im Roten Rathaus erwartet wird. Für die knapp vier Kilometer vom Kanzleramt hat Merz fast sieben Monate gebraucht. Aber der hätte ja auch am liebsten verhindert, dass Wegner Berlin regiert.
Und was soll da so passieren? Klar: Der Kanzler trägt sich ins Goldene Buch ein, zeigt Zähne beim Gruppenfoto und spricht in einer gemeinsamen Sitzung mit Senatorinnen und Senatoren (wenn denn welche kommen, siehe oben). „Ein Themenfeld sind Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Wissenschaft und Forschung – und damit auch in Luft- und Raumfahrttechnik, bei der Berlin führend ist“, teilt Senatssprecherin Christine Richter auf Checkpoint-Anfrage mit. Passend dazu geht’s danach weiter nach Adlershof zum Unternehmen Berlin Space Technologies. Mal sehen, ob Wegner Merz am Ende des Tages fachgerecht zum Mond schießen wird.
Unsere Anfrage, ob Merz zum Abendessen bleibt, löste kurzzeitig Hektik in mehreren Verwaltungen aus. Aber nein: Der Regierende darf sich mit anderen Dickhäutern entspannen – und zwar in der Nashornpagode. Am Tisch: Zoodirektor Andreas Knieriem, der chinesische Botschafter Deng Hongbo mit seiner Frau Shi Ling, Messe-Chef Mario Tobias und der Vorstandvorsitzende der Charité Heyo Kroemer. Nebenan im Gehege: badende Panzernashörner und Flachlandtapire. Beim Abendessen soll „eine internationale Brücke zwischen Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft“ geschlagen werden, teilt der Zoo mit. Könnte funktionieren: Das Innere der neuen Nashornpagode soll laut Website jedenfalls „zum Nachdenken anregen“. Kann auch für Könige nicht schaden.