Endlose Endlagersuche

das Endlevel hat begonnen und es geht darum, den richtigen Ton zu treffen – und zwar in der Erde. Bei der Suche nach einem geeigneten Endlager für den deutschen Atommüll stehen recht überraschend auch Teile von Spandau, Reinickendorf, Treptow-Köpenick, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und halb Brandenburg mit auf der Liste. Gut, Neukölln sieht eigentlich immer aus wie ein Müllendlager, aber das liegt vermutlich am BSR-Streik.
 
Jedenfalls können Sie nun auf einer interaktiven Karte nachsehen, ob Ihre Adresse endlagertauglich ist. Müggelheim, das neue Gorleben? Eher nicht. Denn während sich die Hauptstadtpresse mit Meldungen überschlug, beeilte sich die Bundesgesellschaft für Endlagerung klarzustellen, dass der steinige Weg zum Endlager nun mehr als die Hälfte der Bundesfläche als geeignet ausgewiesen, dafür allerdings nur die Bodenbeschaffenheit ausgewertet hat und nicht, wer darauf wohnt. Und während in Gorleben noch gefeiert wird (nicht auf der Liste), werden in Spandau und Reinickendorf schon verbal die Ketten an die Gleise gelegt:
 
„Ich kann die geologische Beschaffenheit nicht beurteilen. Aber unter Berlin ein atomares Endlager zu erwägen, darüber würde ich noch nicht einmal nachdenken.“ (Frank Balzer, Bezirksbürgermeister Reinickendorf)
 
„Auch, wenn das unter Spandau liegende Gestein theoretisch geeignet sein könnte: Wenn rund 54% der gesamtdeutschen Fläche geeignet ist, wird wohl niemand auf die Idee kommen, das Endlager ausgerechnet unter der Hauptstadt zu platzieren.“ (Helmut Kleebank, Bezirksbürgermeister Spandau)
 
Ich halte es für ausgeschlossen, dass man ein Atommüll-Endlager unter der größten und dicht besiedelsten deutschen Stadt baut.“ (Raed Saleh, SPD-Kreischef Spandau)
 
 Na gut, wenn hier keiner mitmachen will, dann begeben wir uns eben selbst auf Endlagersuche. Dass die Verstrahlten an den Stadtrand flüchten müssen, weiß die Clubszene bekanntlich schon lange. Also Sta(h)lau? Und schon trudeln geröllweise Vorschläge unserer Bezirks-Reporter ein. Was ist mit dem Teufelsberg? Dem Trümmerberg im Volkspark Friedrichshain? Dem Gasspeicher im Grunewald, den die Gasag bis 2023 stilllegen will? Kollege Ingo Salmen merkt an, dass der Cleantech Business Park in Marzahn (knapp 90 Hektar) fast komplett leersteht – jetzt wissen wir, warum! (mehr dazu heute in seinem Newsletter). Und all die schönen Bunker: Sportpalast-Hochbunker. Führerbunker. Und was ist mit dem alten Atombunker unter dem früheren Ku'damm-Karree? Der müsste ja zumindest atomsicher sein. Vielleicht findet ja beim Graben noch jemand das Bernsteinzimmer. Oder den geheimen Tunnel unterm Flughafen Tegel. Oder Robbie Williams‘ Wohnung am Checkpoint Charlie...
 
Tatsächlich auf der Karte der BGE verzeichnet sind übrigens das Tesla-Gelände in Grünheide (aber Elon Musk ist ja gerade dabei, das möglichst dicht zu besiedeln – mehr dazu unten im Zitat) und beide Startbahnen des BER. Der Witz zählte gestern natürlich zu den Endlager-Elfmetern, ABER (gerade noch mal nachgesehen): Der als Flughafen konzipierte Bau soll dem Vernehmen nach auch als solcher genutzt werden (und das in bereits 33 Tagen!)
 
Eine bislang unausgesprochene Möglichkeit wäre natürlich, die Castoren einfach im Stadtbild zu verteilen, das wäre dann gleichermaßen ein Beitrag zur Verkehrswende und gegen steigende Mieten. Ein atomarer Mietendeckel, der gleichzeitig nervige Touristen vertreiben und für die nächste Million Jahre die Frage beantworten würde, warum in dieser Stadt vieles mit gesundem Menschenverstand nicht mehr zu erklären ist.
 
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