Bettina Jaraschs Kritik an der Berliner Bildungspolitik ärgert die SPD
Die Bildungsverwaltung habe einiges verschlafen, sagt Jarasch. Die SPD empfindet das als Angriff. Sie führt das Ressort seit 25 Jahren. Von Anke Myrrhe
Nachdem in der vergangenen Woche viel über Bettina Jarasch gesprochen wurde, haben wir am Wochenende einfach mal mit ihr gesprochen. Zwischenergebnis: Sie will tatsächlich regieren. Ihr Vorschlag für ein Vetorecht des Rats der Bürgermeister (siehe auch Tweet des Tages) wurde bereits kontrovers diskutiert. Die Reaktionen reichen von „geniale Idee“ bis „absolut irre: In Berlin würde gar nichts mehr funktionieren“. Jarasch antwortet: „Schlimmer als jetzt kann es doch nicht mehr werden.“ Auch wieder wahr.
Die grüne Spitzenkandidatin ging vor allem die SPD-geführte Bildungsverwaltung scharf an: „Die Bildungsverwaltung hat in den letzten Jahren drei Riesenthemen verschlafen: den Mangel an Schulplätzen, an Lehrkräften und die Digitalisierung, was uns jetzt massiv auf die Füße fällt.“
In der Pressestelle der Bildungsverwaltung konnte man den Frontalangriff offensichtlich kaum ertragen. Mit vier Tweets und einem Facebook-Post mischte sich die Verwaltung in die Parteipolitik ein. Über den Ausdruck „verschlafen“ ärgerte sich gestern auch Maja Lasić, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im AGH. „Wir sind gemeinsam in dieser Koalition, Frau Jarasch und ich sitzen seit vier Jahren zusammen im Bildungsausschuss“, sagte Lasić dem Checkpoint. „Sie weiß sehr gut, wie viel wir da gemeinsam erreicht haben.“
Vieles von dem, was in dieser Legislatur angeschoben wurde, werde man erst in ein paar Jahren sehen. „R2G hat auf Wachstum umgestellt“, sagt Lasić, „allen voran beim Thema Schulbau. Und wir haben die Zahlen in der Lehrerausbildung verdoppelt, davon werden wir ab ca. 2023/24 profitieren.“ Allerdings sagt auch Lasić: „Die Arbeit an der Qualität kommt stellenweise zu kurz, weil wir uns stark auf Ausbau konzentriert haben. In der nächsten Legislatur müssen wir die Qualität sichern.“
Vielleicht mit ihr als Bildungssenatorin? Lasić lacht lange und laut. „Sie sind lustig. Erstmal möchte ich für die SPD ein Wahlprogramm schreiben, das nach Aufbruch klingt nach 25 Jahren in Verantwortung. Das wird schwierig genug.“ Andere würden sagen: unmöglich. Wahrscheinlicher ist, dass die SPD nach 25 Jahren das Bildungsressort den Grünen überlässt. Wenn sie da überhaupt noch Mitspracherecht bekommt.
Eine gute Nachricht hatte Lasić dann aber noch parat: Die 20 für die „Berlin Challenge“ ausgewählten Schulen müssen die 235.000 Euro vermutlich nicht wie bisher vorgesehen innerhalb von drei Monaten ausgeben (CP vom 7.10.). So war das natürlich nicht gedacht! „Das müssen wir jetzt korrigieren und dafür sorgen, dass die Schulen länger Zeit haben, das Geld auszugeben. Ich bin guter Hoffnung, dass uns das gelingt.“