A100: „Ein Problem, das es vorher nicht gab“

Wer gehofft hatte, dass die Debatte um ein 3,2 Kilometer langes Stückchen Autobahn nach ihrer Eröffnung plötzlich verschwindet wie ein Stau hinter der Baustelle, der wurde am Wochenende womöglich unsanft aus seinen motorisierten Träumen geweckt. Trotz der Ferien staute es sich am Freitag so sehr, dass die Autobahn zeitweise gesperrt werden musste. Denn im Tunnel dürfe es „zu keinem Verkehrsstillstand kommen“, teilte die VIZ mit. Und die Kritiker sehen sich bestätigt: Diese Autobahn hätte nie eröffnet werden dürfen, solange sie an einer einspurig befahrbaren Brücke mit Ampel endet.

Von einem „verkehrspolitischen Skandal“ spricht Andreas Knie, Verkehrsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin, und fordert, die Autobahn wieder zu schließen. „Die Autobahn saugt den Verkehr förmlich an“, sagt Knie. „Es wird ein Problem geschaffen, das es vorher nicht gab.“ Als gäbe es davon nicht genug in Berlin.

Die CDU mit dem Regierenden Wegner und Verkehrssenatorin Ute Bonde wollte die Autobahn rechtzeitig eröffnen, um das Thema aus dem nun beginnenden Wahlkampf herauszuhalten. Zudem geistert das Gerücht herum, man habe Angst vor Aktionen von Klimaaktivisten gehabt, die die schöne neue Autobahn wieder zerstören. Also Augen zu und durch – oder besser gesagt: Vollgas gegen die Wand.