Weil sie sich nicht ausweisen konnten: 21.000 Berliner sind dieses Jahr am Freibad abgewiesen worden

Die hektisch eingeführten Ausweiskontrollen sollten erhitzte Gemüter abkühlen. Die Schattenseiten: Zehntausende scheiterten am Einlass – und das Security-Budget der Bäderbetriebe ist explodiert. Von Lotte Buschenhagen und Anke Myrrhe

Weil sie sich nicht ausweisen konnten: 21.000 Berliner sind dieses Jahr am Freibad abgewiesen worden
Besucher eines Sommerbades in Berlin-Neukölln werden am Eingang von Sicherheitspersonal kontrolliert. Foto: dpa/Hannes P. Albert

Streit gab es bekanntlich auch das ein oder andere Mal im Freibad in diesem Sommer. Da ist die Hitze so manchem zu Kopf gestiegen – am Beckenrand und in der politischen Bewertung. Sie erinnern sich vielleicht: Betroffene Gesichter von Innensenatorin (SPD) und Regiermeister (CDU) inkl. hektisch eingeführter Ausweiskontrollen für alle.

Die nackten Zahlen sehen so aus: 310 Straftaten wurden 2023 insgesamt in den Berliner Sommerbädern erfasst, davon 87 Gewaltdelikte (Q: Drucksache 19 / 17 337, Schedlich/Franco). Wegen Randalen fanden drei Räumungen statt, jedes Mal im Sommerbad Neukölln (u.a. am 21. Juni: „50 Jugendliche stürmen Rutsche“). Die meisten Hausverbote sprachen das Sommerbad Pankow (34), das Sommerbad Humboldthain (32) und das Kombibad Seestraße (21) aus.

Die Schattenseiten: Weil sie die Ausweise vergessen hatten (oder am Termin beim Bürgeramt scheiterten), wurden berlinweit 21.000 Besucher am Eingang abgewiesen. Aufgrund der zusätzlichen Maßnahmen haben die Bäderbetriebe rund doppelt so viel Geld für Sicherheit ausgegeben wie im Budget vorgesehen, nämlich 1,4 Mio. Euro.

Dennoch: Polizei und Bäderbetriebe schätzen Videoüberwachung und Ausweiskontrollen insgesamt positiv ein – die Hausverbote ließen sich allerdings bei hohem Andrang kaum durchsetzen, sagen die Bäderbetriebe. Daher werde jetzt ein „digitaler Abgleich“ von Ausweisen und Hausverbotslisten geprüft. Irre Idee.