Sorge um die Versorgung von Inge Deutschkron
Noch im August haben ihr Politiker zum 99. Geburtstag gratuliert und sie als „hochgeachtete Zeitzeugin” gewürdigt, die Bewunderung und Respekt verdiene. Jetzt schlagen Freunde Alarm: Inge Deutschkron, Shoa-Überlebende und Berliner Ehrenbürgerin, werde in ihrem Pflegeheim nicht ausreichend versorgt. Ein Sprecher des Heims Pro Seniore am Kurfürstendamm dementiert dies. Aus ihrem Umfeld heißt es, Deutschkron sei stark abgemagert, nehme zu wenig Flüssigkeit zu sich. Durch falsche Lagerung habe sie sich dieses Jahr ein Druckgeschwür zugezogen. Freunde Deutschkrons nennen ihre Versorgung „skandalös“ und „sehr besorgniserregend“. Das Heim bezeichnet die Pflege dagegen als intensiv und „ausgezeichnet“. Jede Stunde werde ihr Flüssigkeit angeboten. Zudem gebe es einen engen Austausch mit dem Bevollmächtigten der Bewohnerin.
Der Bevollmächtigte ist Berlins ehemaliger Kulturstaatssekretär André Schmitz. Auf Tagesspiegel-Anfrage (die ganze Recherche hier) sagt er, dank zweier professioneller Zusatzkräfte seien Missstände „immer auch zeitnah aufgefallen und konnten korrigiert werden”. Freunde der 99-Jährigen, die anonym bleiben möchten, sehen darin eher eine Verharmlosung der Zustände und fordern, Inge Deutschkron in einem Hospiz mit Rundumbetreuung unterzubringen.
Inge Deutschkron wurde 2018 zur Ehrenbürgerin ernannt. Ihr sind Gedenkorte wie die Gedenkstätte Stille Helden zu verdanken; ebenso die jährliche Gedenkveranstaltung am Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald, von wo 1941 die ersten Berliner Juden ins Ghetto Litzmannstadt deportiert wurden.