Pläne für Tempelhofer Feld: So dreht sich in Berlin die Meinung zur Randbebauung
Es zeichnet sich ab, dass heute noch mehr Berliner und Berlinerinnen für eine Randbebauung sind. Das mag vor allem an den weiter gestiegenen Mietpreisen liegen. Von Anke Myrrhe und Lotte Buschenhagen.
Das Tempelhofer Feld war gestern ebenfalls mal wieder Thema im Parlament, die schwarz-rote Koalition plant jetzt einen Bürgerdialog mit internationalem Ideenwettbewerb mit dem klaren Ziel: Randbebauung. Dabei hat es an Ideen(-wettbewerben) fürs Feld eigentlich nie gemangelt (Erinnern Sie sich an „The Berg“? Bitteschön!)
Genau zehn Jahre nach dem Volksentscheid, der diese Bebauung verhindert hat (rund 64 Prozent der Berliner stimmten dagegen), haben wir Sie gestern gefragt: Würden Sie heute noch so abstimmen wie vor zehn Jahren? Stimmungsbild unter jenen, die draufgeklickt haben (nicht repräsentativ): 75 Prozent: Ja, 22 Prozent: Nein.
Tja, nun kann man daraus natürlich nicht ableiten, ob Ja damals Nein hieß und Nein vielleicht Ja, und ob das heute noch gelten würde. Dennoch ist davon auszugehen, dass eine Abstimmung übers Feld heute deutlich mehr Befürworter für eine Randbebauung finden würde als 2014 (zuletzt 58 Prozent).
Während die Befürworter der Freihaltung das Jubiläum hundertprozentig feiern wollen (Kinderprogramm und Feier am Luftschloss, S+U Tempelhof, Samstag 16-21 Uhr) schauen viele Berlinerinnen und Berliner auf ganz andere Prozente: Die Angebotsmieten haben sich seit der Abstimmung von 7,7 Euro pro Quadratmeter auf 14,93 Euro fast verdoppelt (Q: Statistisches Landesamt).
Und dennoch bleiben viele bei ihrer Meinung. Ein Auszug aus den Lesermails von gestern (vielen Dank dafür!):
„Ich hatte 2014 gegen eine Bebauung des Feldes gestimmt und habe diese Entscheidung nicht bereut. Dieser Ort für mich einer der freiesten und friedlichsten in Berlin!Das schreibe ich, obwohl mir als Anwohnerin die Massen an Besuchern und feierlustigen Gruppen vor unserer Haustür, die das Feld anzieht, mächtig auf die Nerven gehen.“
„Ich habe 2014 gegen eine Bebauung gestimmt und ärgere mich auch nicht darüber, weil es damals richtig war. Inzwischen ist die Wohnungssituation aber so schlimm, dass ich einer Randbebauung zustimme.“
„Ich bin heute sogar noch viel stärker gegen eine ,behutsame‘ Bebauung! Ich fürchte um die Freiheit der dann noch freibleibenden Fläche. Anwohner, die für teures Geld einige der auch entstehenden Wohnungen kaufen, werden sich sicherlich durch Lärm gestört fühlen und eine Schließung erwirken bzw. nur noch eine eingeschränkte Benutzung durch die Bevölkerung zulassen!“
„Damals habe ich für eine Randbebauung gestimmt und stehe weiterhin dazu. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – nicht nur in Stadtrandgebieten – sollte vorrangiges politisches Ziel sein. Die jetzige Situation war bereits damals absehbar.“
„Ich habe damals gegen eine Bebauung gestimmt, weil völlig unklar war, was am Ende gebaut wird. Eine Wiederholung des Desasters vom Europaviertel galt es zu vermeiden. Heute würde ich mit Blick auf die super angespannte Wohnungslage in jedem Fall dafür stimmen und hoffen, dass das Land dort eher nach Münster Vorbild bauen lässt: eine Mischung aus sozial verträglich und refinanzierbar.“
„Eigentlich würde ich ob der Wohnungsnot für eine ,behutsame‘ Randbebauung stimmen, wenn da nicht die Sorge wäre, dass mit diesem ,Fuss in der Tür‘ bald noch mehr bebaut würde. Auch denke ich, dass eine Bebauung Richtung Neukölln und Kreuzberg die Gentrifizierung in diesen Bezirken ins Bodenlose führen würde, denn wer wird sich diese Wohnlage leisten können? Daher stimme ich nach wie vor gegen jegliche Bebauung.“
Und wenn Sie möchten, hören Sie doch noch mal in unsere beiden Podcast-Folgen zum Thema rein (Folge 1: Feld der gescheiterten Träume, Folge 2: Wie sinnvoll ist es, das Feld zu bebauen?)