Schwarz-Rot stoppt preisgekrönte Drei-Religionen-Kita
Der Sparkurs des schwarz-roten Senats bringt viele soziale und kulturelle Projekte an den Rand ihrer Existenz. Immerhin die Bildung sollte kaum angetastet werden. Doch nun häufen sich auch hier die schlechten Nachrichten: An der kriselnden Bergius-Schule in Friedenau, deren Eltern mit einem Brandbrief die Politik wachgerüttelt hatten, wendet sich trotz persönlich vorbeigebrachter Versprechungen von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) bisher nichts zum Besseren (Details hier). Und der Bau der bereits preisgekrönten Drei-Religionen-Kita in Friedrichshain wird plötzlich komplett gestoppt. Das einzigartige Projekt sollte eine jüdische, eine muslimische und eine christliche Kita unter einem Dach vereinen und eine Umgebung schaffen, in der das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen „von frühester Kindheit an als Normalität gelebt und gemeinsam gestaltet wird“.
Nun räumte Günther-Wünsch am Donnertag im Abgeordnetenhaus ein, dass die Mittel für das Vorzeigeprojekt gestrichen werden. Begründung: In Friedrichshain würden keine neuen Kitaplätze gebraucht. Die Evangelische Kirche, die die Planung der Kita mit stadtweiter Ausstrahlung im Vertrauen auf Zusicherungen der Politik gestemmt hatte, zeigte sich „bestürzt“. Selbst SPD-Jugendpolitiker Alexander Freier-Winterwerb, immerhin Teil der Sparkoalition, spricht von einem „Skandal, dass ein solches Leuchtturmprojekt plötzlich zerstört wird“. In Zeiten wachsenden Antisemitismus gerade eine Bildungsstätte der Toleranz einzusparen, dürfte langfristig mehr kosten: Vertrauen in Berlins Miteinander.