Flughafenchef glaubt an den BER
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (schönster Name, schlimmster Job) glaubt weiterhin an seinen BER (den er liebevoll „Baukatastrophe“ nennt). „Dieser Kladderadatsch muss in Ordnung kommen“, sagt er im Tagesspiegel-Interview, „das treibt mich an.“ Gut, einer muss es ja machen, nicht wahr? Und ELD offenbart auch, warum er vielleicht nicht der falscheste für diesen Job ist: „Ich versuche, nüchtern die Tatbestände zu ermitteln.“ Das lag ja nicht all seinen Vorgängern. Nüchtern heißt auch: Eine Bauruine und die Abschreibung einer 2,8-Milliarden-Investition, aka endgültige BER-Nichteröffnung, hält er für „wirtschaftlich nicht vernünftig“ und kommt gleich noch mit einer guten Nachricht um die Schalter-Ecke: Es geht voran. „Die Lage auf der Baustelle ist völlig anders als vor drei oder fünf Jahren.“ In sechs bis acht Jahren soll der Flughafen – merken Sie sich diesen Satz! – sogar Geld verdienen. Vorausgesetzt, in diesem Jahr wird die Baustelle fertig, die noch nicht vorhandene Bundesregierung macht beim Zeitplan mit und irgendwo wird noch eine kleine Milliarde aufgetrieben. (Die Berliner Regierungsfraktionen wollen jedenfalls erstmal kein Geld mehr rausrücken). 2018 soll alles fertig sein, damit 2020 eröffnet werden kann.
Einen Termin garantieren will natürlich auch er nicht. (Ex-Sprecher Abbou 2016: „Kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“) Der flog daraufhin wieder. Deswegen heißt es bei ELD: „Soweit man es nach menschlichem Ermessen sagen kann: Der Termin ist solide und verlässlich.“ Nicht mal einen BER-Witz gönnt er uns zum Abschied, sie langweilen ihn nur noch, sagt er. Auch dem Regierenden fällt dazu nichts mehr ein. Nicht dass uns noch die Witze ausgehen, bevor der Flughafen fertig ist.
Schlauer waren da mal wieder die Franzosen. Die haben nämlich (wahrscheinlich in Kenntnis ihrer revolutionserprobten Citoyens) gar nicht erst mit dem Bauen begonnen – und das, obwohl es die Planungen für einen neuen Großflughafen bei Nantes schon seit den 60er Jahren gibt. Gestern verkündete Premier Édouard Philippe, nach jahrelangem Streit, dass daraus nichts mehr wird. Eine Eröffnung war ursprünglich 2008 geplant. Die Einwohner der Region hatten sich bei einem Referendum 2016 für den Bau ausgesprochen. Alle, bis auf… ein paar Aktivisten, die das Gelände seit längerer Zeit besetzen sollen. Na, hoffentlich kommt da jetzt niemand auf dumme Ideen.