Trauer um Rosa von Praunheim

Er war Regisseur und Autor, Berliner Stadtfigur und Aktivist der Schwulenbewegung. Nun ist Rosa von Praunheim im Alter von 83 Jahren gestorben.

Wichtiger Markstein seines Lebens war seine Filmdoku „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, die in den Siebzigerjahren das damals verdrängte Thema vor aller Augen offenlegte. Nach der Uraufführung bei der Berlinale 1971 schrieb der Tagesspiegel (nachzulesen hier) über die revolutionäre Tat: „Der Regisseur Rosa von Praunheim ist ein Mann, der, ebenso wie sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Manfred Dannecker, die eigene Homosexualität nicht vertuscht, sie vielmehr bewußt annimmt. Er hat also seinen Film – anders als solche Untersuchungen sonst meist geschehen – von innen nach außen gedreht, nicht als mitfühlender, mitdenkender Liberaler, sondern als Betroffener.“

Geboren als Holger Radtke im von Deutschland besetzten Riga (im dortigen Zentralgefängnis, was er erst als 60-Jähriger herausfand) wuchs er als Holger Mischwitzky bei Adoptiveltern in Ost-Berlin auf, bevor die Familie in den Westen nach Frankfurt am Main floh, wo er Malerei studierte und zum Film fand. Als Rosa von Praunheim drehte er mehr als 150 Kurz- und Langfilme und stieß darin die Gesellschaft oft experimentell, aber immer direkt auf ihre Widersprüche. Den Namen Rosa wählte er mit Bezug auf jenen „rosa Winkel“, den Homosexuelle in den Konzentrationslagern der Nazis tragen mussten.

Zuweilen verbissen kämpfte von Praunheim um die Offenlegung von Tabus. Er drehte 1986 einen der ersten Filme über das HIV-Virus und outete 1991 in einer Fernsehsendung Hape Kerkeling und Alfred Biolek gegen ihren Willen als homosexuell. Bis zuletzt förderte er den Filmnachwuchs, trat in der Berliner Szene gern als bunter Vogel auf und stets nachdrücklich für die Rechte queerer Menschen ein.

Erst vor wenigen Tagen hatte Rosa von Praunheim seinen langjährigen Lebenspartner im Rathaus Schmargendorf geheiratet. Ihre Eheringe haben das Muster zweier türkisfarbene Frösche.