Dau-Projekt ist doppelt gescheitert

Während Seehofer vorerst noch seehofern darf, muss Ilya Khrzhanovsky seine Mauerteile wieder einpacken. Der Super-Dau ist eingetreten: Die Genehmigungen für das Monster-Filmprojekt mit Mauerummantelung werden nicht erteilt, das verkünden Verkehrssenatorin Regine Günther und Bezirksstadträtin Sabine Weißler heute Vormittag. „Wir wollen kein zweites Duisburg“, hatte Mittes Bürgermeister von Dassel schon vor zwei Wochen gesagt. Die Sicherheitsbedenken sind offenbar zu groß, um sie in der Kürze der Zeit abzuräumen – bereits am 12. Oktober hätte das „Weltereignis“ (Grütters) rund um das Kronprinzenpalais starten sollen. Nun eher eine Weltpeinlichkeit.

Das Projekt ist gestern gleich doppelt gescheitert: Auch der Rat der Evangelischen Kirchengemeinde in der Friedrichstadt hat am Abend beschlossen, „Dau“ die Zustimmung zu verweigern. Die wäre nötig gewesen, weil auch die Friedrichswerdersche Kirche ummauert werden sollte. Die Gemeinde hält sich rechtliche Schritte vor. Hätte vielleicht geholfen, wenn sie nicht aus den Medien von dem Projekt erfahren hätten.

„Wegen Medienberichten“ wurde dann auch der Punkt „Dau“ gestern Abend von der Tagesordnung der BVV Mitte gestrichen. Stadträtin Weißler bestätigte den entsprechenden Tagesspiegel-Bericht, verwies dann aber – wie Dassel – auf die heutige Pressekonferenz. Sonst gab es in der fünfstündigen Sitzung keine besonderen Vorkommnisse, außer dass ein halbnackt auf- und ablaufender Mann im Nebenhaus Dassel die Show stahl.

Eine letzte Runde drehen wir noch auf dem Mauerradweg, dann lassen wir Sie das Thema erstmal verdauen. In welchem brandenburgischen Kaff die Mauerteile lagern, ist derzeit das bestgehütete Geheimnis der Hauptstadt. Da tauchte gestern plötzlich ein Foto der Brocken bei dpa auf, Fotograf: Mathias Schwerbrock, Autor und Produzent. Rufen wir ihn doch mal an. Ob er uns sagen kann, wo das Foto entstanden ist? Nein. In was für einer Verbindung er zum Projekt stehe? Kurzes Stottern, „das führt hier glaube ich zu nichts. Ich muss auflegen.“ Vielleicht können sich ja jetzt alle wieder hinlegen.